Kanton Thurgau ruft wegen des Corona-Virus die ausserordentliche Lage aus

Der Kanton Thurgau wappnet sich für einige Hundert Corona-Fälle in den kommenden vier bis sechs Wochen.

Christian Kamm
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«Abstand halten ist das wichtigste, um die Verbreitung des Virus zu mindern»: Regierungspräsident Jakob Stark.

«Abstand halten ist das wichtigste, um die Verbreitung des Virus zu mindern»: Regierungspräsident Jakob Stark.

Reto Martin

Noch sind die Corona-Erkrankungen im Thurgau mit bis dato sechs bestätigten Fällen überschaubar. Weil sich das in den kommenden Wochen «mit einigen Hundert» aber ändern wird, hat die Kantonsregierung am Freitag die sogenannte «ausserordentliche Lage» ausgerufen. Für die Bevölkerung hat dieser Schritt unmittelbar keine Konsequenzen. Er dient vor allem dazu, dem kantonalen Führungsstab mehr Kompetenzen zu geben, um sich rechtzeitig auf die Entwicklung vorzubereiten.

Auch finanziell. So verfügt der Führungsstab jetzt über eine Finanzkompetenz von 200'000 Franken für einmalige und 50'000 Franken für wiederkehrende Ausgaben. Für sämtliche Massnahmen gegen Corona hat die Regierung ein Kostendach von einer Million gesprochen. «Ziel aller Massnahmen ist es, den Thurgau so gut wie möglich durch die Pandemie zu führen», betonte Regierungsrätin Cornelia Komposch. Welchen Stellenwert die Kantonsregierung dem Thema beimisst, war auch daran abzulesen, dass sie in corpore an der Pressekonferenz am Freitagabend in Frauenfeld teilnahm. Regierungspräsident Jakob Stark sagte:

«Der Schutz der Bevölkerung und vor allem der besonders Gefährdeten hat oberste Priorität.»

Bettenkapazität in Spitälern erhöhen

Man befinde sich in einer Lage, die es selten gebe, so Stark. Jetzt müssten alle mithelfen, um diese Zeit gut zu meistern. Dass eine ausserordentliche Lage ausgerufen worden sei, eröffne unter anderem die Möglichkeit, vermehrt Ressourcen in der Kantonsverwaltung freizuspielen, informierte Hans Peter Schmid, Stabschef des Führungsstabs. «Wir können jetzt auch direkte Hilfe aus der Wirtschaft abrufen, um die Ausbreitung von Corona zu verlangsamen.» Ebenso lassen sich, falls es nötig werden sollte, Ressourcen von Bund und Armee einfacher beantragen. «Und die Mittel des Zivilschutzes können noch gezielter eingesetzt werden.»

Gleichzeitig arbeitet der Führungsstab intensiv daran, die Bettenkapazität in den Thurgauer Spitälern zu erhöhen. Auch der immer noch stehende alte Bettenturm des Kantonsspitals Frauenfeld könnte so nochmals zum Thema werden. Dem Vernehmen nach ist der anstehende Termin für den Abbruch des Turms gestoppt worden.

Virus macht vor dem Thurgau nicht Halt

Kantonsärztin Agnes Burkhalter bezeichnete die aktuelle medizinische Lage im Thurgau als ruhig. Den sechs positiv Getesteten gehe es den Umständen entsprechend gut. «Sie sind daheim isoliert.» Hingegen sei es für die Spitäler schwierig, dass viele Leute ambulant einen Corona-Test machen wollten. Man sei deshalb froh, wenn die Hausärzte die Tests zusehends übernähmen. Burkhalter unterstrich, dass das Virus vor dem Thurgau nicht Halt machen werde:

«Die Lage wird sich in den kommenden drei bis vier Wochen zuspitzen.»

Darauf müsse man sich jetzt vorbereiten. «Dank der Ausrufung der ausserordentlichen Lage können wir nun rasch, unkompliziert und flexibel reagieren.»

Betreuungsangebot ab dem 17.März

Erziehungsdirektorin Monika Knill erläuterte die Umsetzung der vom Bundesrat verordneten Schulschliessung bis am 4.April. Ab dem 17.März werde durch die Schulgemeinden ein Betreuungs- und Lernangebot zur Verfügung gestellt. Volkswirtschaftsdirektor Walter Schönholzer begrüsste die vom Bund bereitgestellten acht Milliarden Franken für Kurzarbeit. Die betroffenen Unternehmen sollen schnell und unbürokratisch unterstützt werden.

Besuchsverbot in den Spitälern

Für die Kantonsspitäler Frauenfeld und Münsterlingen hat die Spital Thurgau AG wegen Corona ein generelles Besuchsverbot beschlossen. Es gilt seit Freitag, 13. März. Ausnahmen gibt es für Patienten in ausserordentlichen Situationen.

Die Pressekonferenz der Kantons im Ticker zum Nachlesen:
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