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KANTON ST.GALLEN: SVP metzget das Theater fast geschlossen

An der 100. DV in Tübach lehnt die St.Galler SVP die Bausanierung des Theaters St.Gallen klar ab. Die Regierung müsse statt des «Flickenteppichs» eine neue Vorlage ausarbeiten.
In die Jahre gekommen: das Theater St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

In die Jahre gekommen: das Theater St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Im Vorraum der Tübacher Mehrzweckhalle sind sie gestapelt: Weltformatplakate in Knallrot, in der Mitte ein bodenloses Fass, in das Banknoten flattern. Die Ausgangslage an der 100. Delegiertenversammlung jener Partei, die im Kantonsrat erfolgreich das ­Referendum gegen die 49-Millionen-Franken-Bausanierung ergriff, ist klar: «Nein zum Theaterkredit», Widerstand gegen das «Fass ohne Boden», das dem «Stadttheater St.Gallen» blühe. Viele SVP-Mitglieder werden hernach auf dem Heimweg eine Handvoll Plakate packen, für ihre Wiese, den Vorgarten oder eine Beiz in ihrer Landgemeinde.

Das Theater möge an den Kanton gegangen sein, aber er bleibe beim «Stadttheater», eröffnet Parteipräsident Walter Gartmann die Diskussion um die Institution, «weit weg» gelegen von seiner Region Mels-Sargans. Und schon folgt das heiss erwartete Duell «SP-Künstler gegen SVP-Metzger», Stadtsanktgaller gegen Bernecker: Die Kantonsratskollegen Etrit Hasler, der im Rat als einziger Linker mit der SVP stimmte («um eine Kulturdebatte anzustossen»), und Mike Egger, der sich zuvor am Podium der CVP in Sargans aufgewärmt hat, werfen sich ins Zeug.

«Zurück an die Regierung, etwas mit Hand und Fuss»

Hasler betont die Pflichtaus­gaben für die Bausanierung des kulturellen Leuchtturms: «40 Millionen braucht es sowieso, egal wie ihr abstimmt.» Es gehe nicht um den Betrieb des «angeblich elitären Theaters», den sich die Stadt 8,5 Millionen kosten lasse – ein Standortbeitrag, der auf dem Land fraglich sei. Ein Neubau sei unrealistisch, ja unmöglich, zumal das Gebäude bundesdenkmalgeschützt sei. Worauf im Saal reflexartig der Zwischenruf «Betonklotz» ertönt. Der Sozialdemokrat und Slam-Poet ist in Form, er kontert blitzschnell alle Einwände, ob die den «Prunkbau» oder die unbequemen Stühle betreffen: Es gehe, anders als in Deutschland etwa bei der Elbphilharmonie, im Gegenteil um «zumutbare Arbeitsbedingungen und anständige Löhne». Und besserer Sitzkomfort würde das im Vergleich «schon recht kleine», aber gut ausgelastete St.Galler Theater nicht verkraften.

Haslers Kontrahent, Metzger Egger, ist ebenfalls redegewandt. Und er hat pfannenfertige Argumente: Die Vorlage sei «nicht durchdacht, ein Flickenteppich», sie bringe dem «Konsumenten nichts». Störend die «horrenden Honorare», allein für Architekten, Brandschutz- und Gastroberater zehn Millionen, und vor allem die «Salamitaktik»: Als der Kanton das Theater 2008 übernahm, sei vom «guten Zustand» gesprochen worden, dass «in nächster Zeit keine Investitionen nötig» würden. Seither habe man jährlich eine Million Unterhalt bezahlt, und nach dieser Vorlage folge «wohl bald der nächste Kredit, dann fürs Publikum». Ergo das «Fass ohne Boden», und prompt gehört Metzger der Moment des Abends: Er präsentiert zwei Vorher-Nachher-Fotos des Theatergebäudes und fragt nach den Unterschieden – beide zeigen genau das gleiche Bild. Viel Gelächter, tosender Applaus. Sogar Hasler gibt zu: «Der war gut.»

Die Vorlage müsse «zurück an die Regierung», die «etwas mit Hand und Fuss» ausarbeiten solle, folgert Egger. In der Publikumsdiskussion wirbt einzig der frühere Gaiserwalder SVP-Kantonsrat und Theaterfreund Bruno Stump für ein Ja: «Wenn wir länger warten, wird es nur teurer.» Doch gegen die geballte Kraft der Nein-Voten seiner Ratsnachfolger wie Dietsche, Güntzel oder Thoma kann er nichts ausrichten. Immerhin Damian Gahlinger als Baugewerbler lobt den «schönen, aber megateuren Sichtbetonbau», favorisiert jedoch einen Neubau. Ob der 100 Millionen kosten würde, interessiert am Ende wenig. Das Verdikt der 147 Delegierten ist vernichtend: 140 Nein zu 3 Ja bei 6 Enthaltungen.

Klare Zustimmung für die No-Billag-Initiative

Einen schweren Stand hat SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher als Gegnerin der No-Billag-Initiative: Sogar ihre volksnahen Argumente, wie das Schwingfest werde wegfallen und allein Fussball mittels Abos viel teurer, gehen in Gemurmel («Dumms Züüg!») unter. Den «Gebührenzwang» abschaffen will SVP-Kantonsrat Sascha Schmid. Er nennt das ­Regionalradio FM 1 als Beispiel, dass es «auch ohne Subventionen geht», und ruft auf: «Nehmen wir uns als SVP die Freiheit zurück!». Die Abstimmung ist klar, wenn auch weniger krass als zuvor: Mit 135 Ja zu 11 Nein bei 7 Enthaltungen fassen die Delegierten die Ja-Parole zur No-Billag-Initiative.

Marcel Elsener

ostschweiz

@tagblatt.ch

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