KANTON ST.GALLEN: St.Galler Polizei warnt vor «Sextortion»

2016 haben bereits 16 Männer aus dem Kanton St. Gallen eine Anzeige gegen Unbekannt eingereicht, weil sie mit Bildern erpresst worden sind, die ohne ihr Wissen über die eigene Webcam aufgenommenen wurden.

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Die Täter sind meist ausserhalb von Europa. (Bild: Fotolia)

Die Täter sind meist ausserhalb von Europa. (Bild: Fotolia)

Die Methode sei schon länger bekannt und verbreite sich laufend, teilte die St.Galler Polizei am Dienstag mit: Männer werden bei laufender Webcam von attraktiven Frauen aufgefordert, sich auszuziehen oder sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen.

Dabei werden sie gefilmt und anschliessend finanziell erpresst. Der Fachbegriff «Sextortion» setzt sich denn auch aus den englischen Bezeichnungen «Sex» und «Extortion» (Erpressung) zusammen. Die «Ostschweiz am Sonntag» berichtete bereits im April darüber.

Bei der St.Galler Polizei gehen regelmässig Meldungen über Erpressungsversuche nach diesem Muster ein. In diesem Jahr seien es bereits 16 Anzeigen. «Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer höher ist», erklärte Polizeisprecher Hanspeter Krüsi gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Es brauche nämlich Mut, sich zu melden.

Erster Kontakt über Facebook
Der Ablauf ist oft ähnlich: Eine Frau mit einem attraktiven Profilbild nimmt über Facebook oder andere soziale Netzwerke Kontakt zu einem Mann auf. Schnell wird vorgeschlagen, auf eine Plattform wie Skype oder zu einem anderen Anbieter für Videochats zu wechseln. Kurz darauf ziehe sich die Frau aus und fordere den Mann auf, es ihr gleichzutun, beschreibt die Polizei die Methode.

Dabei werde der Mann auf Video aufgenommen. Die Täter drohten, diese Bilder zu veröffentlichen - auch im Freundeskreis des Opfers. So gelinge es, hohe Beträge zu erpressen, die jeweils über einen Geldtransferservice nach Übersee überwiesen werden sollen.

Anzeige erstatten
Wer digital erotische oder pornografische Bilder von sich aufnehmen lasse, habe keine Kontrolle mehr darüber, warnt die Polizei. Weiter solle man niemals auf Geldforderungen eingehen. «Selbst wenn bezahlt wird, könnten die Bilder veröffentlicht werden.» Weiter rät die Polizei, auf jeden Fall Anzeige zu erstatten. Dafür sollten möglichst sämtliche Chatprotokolle, Videoaufnahmen oder Angaben zum Absender wie Nick- oder Username aufbewahrt werden. (sda)