Kanton St.Gallen stellt sich Corona-Fragen – in den nächsten Tagen werden weitere bestätigte Fälle erwartet

Das Corona-Virus ist in Graubünden und Zürich angekommen. Der Kanton St. Gallen beantwortet morgen Fragen.

Janina Gehrig
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Der Engadiner Skimarathon vom 8. März wurde abgesagt.

Der Engadiner Skimarathon vom 8. März wurde abgesagt.

Bild: Ennio Leanza / KEYSTONE

Rekruten im Tessin haben Ausgehverbot, Fasnächtler müssen zu Hause feiern, Eishockey-Spiele finden vor leeren Rängen statt. Nun sind auch noch der Engadiner Skimarathon vom 8. März und die Genfer Uhrenmesse Ende April abgesagt worden. Nachdem am 25. Februar der erste Corona-Virus-Fall in der Schweiz bestätigt worden war, liegt die Zahl der Infizierten seit gestern bei sechs. Und sie klettert fast stündlich in die Höhe.

Bei den Infizierten handelt es sich um einen 70jährigen Tessiner, einen 28-jährigen Genfer, einen 26-Jährigen aus dem Kanton Aargau, eine Frau aus Zürich sowie um zwei Kinder einer italienischen Familie, die im Oberengadin Ferien macht, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gestern informierte. Alle sechs Personen hätten sich in Italien angesteckt und befinden sich nun isoliert im Spital. Ihr Gesundheitszustand wird als gut bezeichnet.

Bis ein Testergebnis vorliegt, dauert es einen halben Tag

Auch die Ostschweizer Kantone St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Thurgau sind gewappnet. Sie haben je einen sogenannten Fachstab einberufen, um die vom Bund vorgeschriebenen Richtlinien umzusetzen. Die Verantwortlichen des Krisenstabs stehen in engem Austausch. «Wir telefonieren mehrmals täglich und koordinieren das weitere Vorgehen», sagt Franziska Kluschke, Kantonsärztin von Appenzell Ausserrhoden. Kluschke sagt:

«Wir erwarten in den nächsten Tagen, dass weitere bestätigte Fälle auftreten, auch in den Ostschweizer Kantonen.»

Seit Wochenanfang laufen verstärkt Tests, um auch unter den Rückkehrern aus der neuen Risikoregion Norditalien Verdachtsfälle auszuschliessen. Dafür sind die Kapazitäten der regionalen Labors hochgefahren worden. «Normalerweise dauert es einen halben Tag, bis ein Ergebnis vorliegt», sagt Kluschke. In Appenzell Ausserrhoden gab es bisher sieben Verdachtsfälle. Davon konnten sechs ausgeschlossen werden, einer wird noch abgeklärt. Schweizweit gibt es inzwischen 130 Verdachtsfälle. Wie viele davon in St.Gallen oder im Thurgau noch abgeklärt werden müssen, dazu gab es gestern keine näheren Informationen.

Falls eine Person einen Atemwegsinfekt und Fieber hat und kürzlich etwa eine Reise in ein Risikogebiet unternommen habe, solle sie telefonisch Kontakt mit dem Arzt aufnehmen, rät Kluschke. Nach Möglichkeit wird sie zu Hause isoliert, bis ein Testergebnis vorliegt. Bestätigt sich ein Verdacht, wird die Person sofort ins Spital überführt und isoliert. Dann wird ein Bestätigungstest eines Referenzlabors in Genf durchgeführt und eine Meldungs ans BAG und die Kantone gemacht. Enge Kontaktpersonen der Infizierten werden zudem für 14 Tage ebenfalls – wenn möglich zu Hause – isoliert. Sie würden dann angewiesen, Hygiene- und Schutzmassnahmen im Haushalt zu treffen und ihr Gesundheitszustand werde täglich überprüft, sagt Kluschke. Falls die Isolation zu Hause nicht möglich sei, gebe es im Kanton auch Räumlichkeiten für grössere Gruppen. Der Zivilschutz prüfe verschiedene Anlagen. Welche, werden vorerst nicht bekannt gegeben.

Ärzte beantworten Fragen aus der Bevölkerung

Der Kanton St.Gallen organisiert am Freitag um 16 Uhr eine Fragestunde. Unter anderem beantworten Gesundheitschefin Heidi Hanselmann sowie Ärzte des Kantonsspitals St.Gallen Fragen aus der Bevölkerung. Die Veranstaltung wird über den Facebook-Kanal des Kantons St.Gallen www.facebook.com/kantonsg gestreamt. Gemäss BAG stellt «das neue Coronavirus zurzeit für die Bevölkerung der Schweiz ein moderates Risiko dar».

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