KANTON ST.GALLEN: Reservationen über Onlineplattformen steigen an

Wenn es um eine Hotelreservation über eine Homepage geht, konkurrieren sich weltweite Anbieter mit den Systemen der Tourismusdestinationen. Eine Testanfrage für Ferien im Toggenburg zeigt die Unterschiede.

Drucken
Teilen
Für die Hoteliers ist die Wahl des Buchungskanals entscheidend, denn die Auswirkungen auf die Einnahmen sind teilweise markant. (Bild: CHRISTIAN BEUTLER (KEYSTONE))

Für die Hoteliers ist die Wahl des Buchungskanals entscheidend, denn die Auswirkungen auf die Einnahmen sind teilweise markant. (Bild: CHRISTIAN BEUTLER (KEYSTONE))

Kurzfristig soll ein Aufenthalt im Toggenburg in der Zeit vom 26. Dezember bis Silvester gebucht werden: Gesucht wird ein Hotelzimmer für zwei Personen für fünf Nächte, irgendwo in der Ostschweizer Ferienregion.
Erste Anlaufstelle ist Schweiz Tourismus. Auf der Homepage unter myswitzerland.com findet sich die Buchungsmaschine Swisshotels.com. Sie liefert auf die Anfrage zehn Ergebnisse. Die oberste Offerte stammt vom Hotel Stump's Alpenrose in Wildhaus. Es folgen das Hotel Rössli in Tufertschwil und das Hotel Säntis in Unterwasser.

«Best Price» ohne Toggenburg
Auch über die Homepage von Tourismus Ostschweiz können Unterkünfte direkt gebucht werden. Das Angebot mit der Bezeichnung «Best Price» kann aber mit der Eingabe Toggenburg als Reiseziel nicht viel anfangen: «Zu ihrer Suche wurde leider kein Ergebnis gefunden. Bitte verändern Sie ihre Suchparameter», lautet das Resultat.

Näher an der Region müsste eigentlich der Online-Auftritt von Toggenburg Tourismus sein. Doch die Buchungsmaschine ist die gleiche wie bei Ostschweiz Tourismus und sie kommt auch zum selben Resultat: Gefragt sind die Namen von konkreten Ortschaften und damit Geografiekenntnisse.

Vorstoss im Ständerat
Gibt man die Testanfrage bei Booking.com ein, einem der bekannteren kommerziellen Anbieter, dann werden dort 23 Unterkünfte mit freien Zimmern angezeigt. Zuoberst stehen die sogenannten «Top-Tipps»: Das ist das Hotel Sternen in Unterwasser, gefolgt vom Café-Conditorei Hotel Huber in Lichtensteig und dem Gästehaus Sonne in Bütschwil.

Das weltweit tätigte Unternehmen wurde zuletzt von Hoteliers wegen zu hoher Provisionen kritisiert. Der Solothurner CVP-Ständerat Pirmin Bischof reichte im November eine Motion mit 20 Mitunterzeichneten ein, in der er von «Knebelverträgen» schreibt, die untersagt werden müssten. Konkret verlangt Booking.com von den Hoteliers, dass sie auf ihren Homepages keine tieferen Preise anbieten dürfen.

Der Bundesrat lehnt die Motion ab. Das Kartellgesetz schütze den Wettbewerb bereits ausreichend, heisst es in der Stellungnahme. Im Rat wurde der Vorstoss noch nicht behandelt.

Provisionen machen den Unterschied
Für Feriengäste, die eine Unterkunft suchen, stehen damit verschiedene Angebote mit unterschiedlicher Ausstattung bereit. Mit einigen wenigen Klicks können mehrere Systeme ausprobiert werden. Für die Hoteliers ist hingegen die Wahl des Buchungskanals entscheidend: Die Auswirkungen auf die Einnahmen sind teilweise markant.

Je nach Anbieter werden pro Buchung unterschiedlich hohe Provisionen verlangt. Für das Angebot auf der Homepage von Schweiz Tourismus ist die Switzerland Travel Center AG verantwortlich, die unter anderem auch mit sbb.ch, zuerich.com oder ticino.com zusammenarbeitet.

Hotels, die gelistet werden wollen, schliessen einen Vertrag ab und zahlen eine Provision. «Wir verlangen zehn Prozent auf den vermittelten Umsatz», erklärt Geschäftsführer Michael Maeder gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Rangierung der Angebote ergäben sich aufgrund von Kundenbewertungen, stellt er fest.

Einige der kommerziellen Buchungsplattformen verlangen höhere Preise. 12 bis 15 Prozent Provision seien es je nach Anbieter, sagt Roland Stump, Hotelier von Stump's Alpenrose. Da seien die Margen schnell weg. Allerdings differiert je nach Hotelbetrieb, wie hoch der Anteil der kommerziellen Anbieter an den Buchungen ist. Bei Stump's Alpenrose treffen um die 90 Prozent der Reservationen direkt über Mail oder via Telefon ein. Dies wäre bei einem Stadthotel anders, vermutet Stump.

Als Gründe für das für ihn günstige Verhältnis nennt er die zahlreichen Stammgäste, aber auch die Schwierigkeit, spezielle Wünsche − etwa für Kinder − über die systematisierten Plattformen anzumelden.

Auslaufmodell auf Ostschweiz Tourismus
Damit bleibt noch die Frage nach dem Buchungssystem, das Tourismus Ostschweiz wie auch Toggenburg Tourismus einsetzen, das aber den Begriff «Toggenburg» nicht kennt. Es ist offenbar ein Auslaufmodell: «Wir sind im Moment dabei, auf ein neues System umzustellen», erklärt Sonja Fuchs, Leiterin Marketing bei Toggenburg Tourismus.

Mit dem bisherigen System wurde den Hotels für jede Buchung eine Provision von zehn Prozent verrechnet. Bei der neuen Lösung könnten die Hoteliers selber entscheiden, mit welchem Anbietern sie zusammenarbeiten wollen und zahlen dann dort die verlangte Provision. (sda)