Kanton St.Gallen: Hochschulen sollen wegen Corona-Virus Studium von zu Hause aus ermöglichen – 30 Unternehmen haben Kurzarbeit vorangemeldet

Studierende der St.Galler Hochschulen sollen in den kommenden Wochen über digitale Kanäle am Studium teilnehmen können. Dies empfehlen das Gesundheits- und das Bildungsdepartement des Kantons St.Gallen. Zudem unterstützt der Kanton Unternehmen, die vom Virus betroffen sind.

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Könnte bald Realität werden: Leere Hörsäle an der HSG.

Könnte bald Realität werden: Leere Hörsäle an der HSG.

Urs Bucher

(pd/red) Mit der Massnahme «Distance Learning» solle die Verbreitung des Coronavirus verlangsamt werden, heisst es in einer Medienmitteilung des Bildungs- und des Gesundheitsdepartements. «Ziel ist es, besonders gefährdete Personen zu schützen und die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.» Ein Mittel dazu sei der Einsatz digitaler Kommunikationsmöglichkeiten, wo ein Zusammenkommen nicht zwingend nötig sei. Dazu gehörten Vorlesungen. Die Hochschulen im Kanton St.Gallen sollen diese deshalb digital zugänglich machen. Studentinnen und Studenten erhielten somit die Wahl, ob sie vor Ort oder aus der Ferne an der Vorlesung teilnehmen möchten.

Technische Voraussetzungen geschaffen

Die Hochschulen hätten sich in den vergangenen Tagen auf diese Umstellung vorbereitet und die technischen Voraussetzungen für das sogenannte «Distance Learning» geschaffen. Wie es in der Mitteilung weiter heisst, unterstützt die St.Galler Regierung die Umstellung. Nicht davon betroffen seien die Volks-, Mittel- und Berufsfachschulen. Die Begründung des Kantons: Kinder und Jugendliche gehörten wie Studierende nicht zu den besonders gefährdeten Personen. Während aber Studierende mehrheitlich nicht mehr zu Hause wohnen und somit nicht zwingend einen engen Kontakt zu Personen über 65 Jahren haben, ist dies bei Kindern und Jugendlichen anders.

«Ein digitaler Unterricht in der Volksschule würde bedeuten, dass viele Kinder von ihren Grosseltern betreut würden.»

Da Personen über 65 Jahren zu einer Risikogruppe gehören, ist aus Sicht des Gesundheits- und des Bildungsdepartementes das Risiko einer Ansteckung dieser Personen zu hoch. Die Massnahme wäre somit weder wirksam noch verhältnismässig. Gleiches gilt, wenn arbeitstätige Eltern ihre Kinder betreuen müssten.

Umsatzeinbussen in etlichen Branchen

Das Verbot von Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmenden respektive die Einschränkungen bei Veranstaltungen mit unter 1000 Teilnehmenden hat Auswirkungen auf die Wirtschaft, hält die Kantonsregierung weiter fest. Dazu kommen krankheitsbedingte Ausfälle von Arbeitnehmenden und die Verhaltensanweisung des Bundesamtes für Gesundheit. Dieses rät, Abstand zu halten, bei Fieber, Husten und Atembeschwerden zu Hause zu bleiben und bei Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten.

Das alles führe in etlichen Branchen zu Umsatzeinbussen. Das Volkswirtschaftsdepartement setzt sich auf nationaler, interkantonaler und kantonaler Ebene und in Absprache mit den Branchenverbänden dafür ein, die Auswirkungen des Coronavirus für die Arbeitnehmenden sowie die Unternehmerinnen und Unternehmer zu mildern.

«Eine Möglichkeit dazu ist die Kurzarbeit. Sie ist ein praxiserprobtes Instrument zur Bewältigung von temporären Krisen auf dem Arbeitsmarkt.»

Die Massnahme helfe den Unternehmen dabei, vorübergehende Beschäftigungseinbrüche auszugleichen und so Arbeitsplätze zu erhalten. Das Volkswirtschaftsdepartement prüfe Anträge für Kurzarbeit umgehend und berücksichtige dabei die aktuelle Lage. «Derzeit haben rund 30 Unternehmen Kurzarbeit vorangemeldet. Es ist mit einem weiteren Anstieg der Gesuche zu rechnen», so der Wortlaut der Mitteilung.

Krise koordiniert bewältigen

Weil die Bemühungen, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, nicht nur das Gesundheitsdepartement betreffen, ist seit Beginn des Jahres der Kantonale Führungsstab (KFS) als Koordinationsgremium tätig. Die Entscheidungskompetenzen verbleiben bei den sachlich zuständigen Behörden. Im KFS nehmen Expertinnen und Experten aus allen betroffenen Fachgebieten der Verwaltung Einsitz. Dazu gehören auch die Gemeinden, die Spitäler, weitere Institutionen des Gesundheitswesens, das Grenzwachtkorps oder die Kantonspolizei. In der Bewältigung der besonderen Lage sind somit alle Departemente und Partner gefordert. (pd)