Kanton St. Gallen schrumpft

ST. GALLEN. Um zwei Fussballfelder wird der Kanton St. Gallen kleiner. Zumindest auf dem Papier. Das zeigen die Berechnungen für das neue Koordinatensystem. Dieses wird 2016 eingeführt. Fläche verlieren auch der Thurgau und Appenzell Innerrhoden.

Nina Rudnicki
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Die Gemeinde Grabs verliert am meisten Fläche, gefolgt von Sennwald und Nesslau. (Bild: Illustration: Corinne Bromundt)

Die Gemeinde Grabs verliert am meisten Fläche, gefolgt von Sennwald und Nesslau. (Bild: Illustration: Corinne Bromundt)

Schon bald wird der Kanton St. Gallen kleiner sein. Und zwar ganze 13 000 Quadratmeter, wie Patrick Fäh, Leiter Vermessung des Amts für Raumentwicklung und Geoinformation, sagt. Weil das Landeskoordinatensystem der Schweiz veraltet ist – es wurde 1903 eingeführt – hat der Bund beschlossen, dass es ein neues, genaueres System braucht. Dieses basiert auf der satellitengestützten Landesvermessung von 1995. «Dabei handelt es sich um zentimetergenaue Messungen. Im Gegensatz zu jenen von 1903», sagt Fäh.

Kleinere Ostschweiz

Bis zum kommenden Frühjahr werden die Geometerbüros und kantonalen Fachstellen noch damit beschäftigt sein, den St. Galler Geodaten neue Koordinaten zu verpassen. Fest steht aber schon jetzt, dass St. Gallen nicht so gross ist, wie bislang angenommen. Um ganze zwei Fussballfelder zu viel haben sich die Vermesser vor 112 Jahren verrechnet. Den Thurgau und Appenzell Innerrhoden hat es nicht viel besser getroffen. Der Thurgau, der das neue System bereits anfangs Jahr eingeführt hat, ist ebenfalls um zwei Fussballfelder geschrumpft. Und Appenzell Innerrhoden hat im Jahr 2013 ein halbes Fussballfeld verloren. Die Flächenzahlen von Appenzell Ausserrhoden stehen noch aus.

Grundstücke verschieben

Insgesamt hat sich die Schweiz allerdings vergrössert. In Ost-West-Richtung ist sie nämlich drei Meter breiter als bisher in den Plänen abgebildet. Das entspricht einem Plus von 30 Hektaren – also 300 000 Quadratmeter oder 42 Fussballfelder mehr. Was bedeutet, dass es auch Gewinnerkantone gibt. Dazu gehört eindeutig das Tessin, das einen Viertel dieser Fläche bekommt.

In St. Gallen hat das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation derweil Merkblätter und Flyer für Grundeigentümer und Datenbezüger vorbereitet. «Man muss betonen, dass sich in der Realität und in der Wahrnehmung ja nichts ändert, sondern nur auf dem Papier», sagt Fäh. Rund 90 Prozent aller Parzellen sind von der Flächenänderung nicht betroffen. Bei den übrigen Parzellen handelt es sich meist um Zu- oder Abnahmen von wenigen Quadratmetern. «Da sich die Koordinaten der Parzellen-Grenzpunkte alle etwa gleich ändern, werden die Grundstücke meist als Ganzes einfach verschoben», sagt er. Ein mittlerer Verschiebungsvektor zeige im Gebiet des Kantons St. Gallen etwa 70 Zentimeter in südöstliche Richtung.

Grabs verliert, Pfäfers gewinnt

Mittlerweile steht auch fest, welche der St. Galler Gemeinden zu den Verlierern und den Gewinnern gehören. So verliert Grabs mit 1042 Quadratmetern am meisten Fläche, gefolgt von Sennwald mit minus 851 Quadratmetern und Nesslau mit minus 772 Quadratmetern. Die grössten Zunahmen gibt es mit 218 Quadratmetern in Mosnang, mit 395 Quadratmetern in Walenstadt und mit 958 Quadratmetern in Pfäfers.

Sieben statt sechs Stellen

Keine Gedanken wegen des neuen Koordinatennetzes müssen sich Wanderer machen. Sie können ihre alten Wanderkarten behalten, da die Änderungen den Inhalt der Karten nicht beeinflussen. Im Massstab 1:25 000 entspricht eine Abweichung von 2,5 Metern in der Realität gerade einmal 0,1 Millimetern auf dem Papier.

Lediglich am Rand der Karten sind die neuen Koordinaten zu sehen, die anstatt sechs- fortan siebenstellig sein werden. «Damit man anhand der sieben Ziffern auf den ersten Blick sieht, dass es sich um eine neue Karte handelt», sagt Fäh. Ausserdem bekommen die Koordinatenachsen neue Bezeichnungen. E steht fortan für Ost und ersetzt das y. Während N für Nord steht und das x ersetzt. Bern bleibt weiterhin Ort des Nullpunktes, dessen Koordinaten neu E = 2 600 000 m und N = 1 200 000 m heissen. Früher waren die Werte mit y = 600 000 m und x = 200 000 m festgelegt.

Kosten in Millionenhöhe

Auf das neue Koordinatensystem umzustellen, kostet in St. Gallen rund zwei Millionen Franken, woran sich Bund, Kanton und Gemeinden beteiligen. Insgesamt sind es rund 150 Datensätze, welche auf kantonaler Ebene bearbeitet werden müssen. «Ein Datensatz bildet eine Karte oder einen Plan ab. Wie etwa einen Richtplan, eine Gefahrenkarte oder ein Gewässernetz», sagt Fäh. Hinzu kommen pro Gemeinde zehn bis zwanzig weitere Datensätze wie Zonenpläne, die bis 2016 bearbeitet sein müssen.