Kanton prüft Geothermie-Projekt

Der Kanton Thurgau werde das Geothermieprojekt in Etzwilen umfassend unter die Lupe nehmen, sichert Regierungsrat Jakob Stark zu. Das Umweltschutzgesetz schliesse den Einsatz von riskanten Technologien aus.

Christof Widmer
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FRAUENFELD. Die Pläne der Basler Firma Geo Energie Suisse AG in Etzwilen lösen weiter Verunsicherung aus. Zur Angst in der Bevölkerung, dass das Geothermieprojekt Erdstösse auslösen könnte, gesellt sich die Furcht, dass die Firma Chemie einsetzen könnte, um das Gestein im tiefen Untergrund wasserdurchlässig zu machen. Geo Energie Suisse will nämlich Wasser in die Tiefe pressen, um den Fels in 4500 Metern Tiefe aufzubrechen. So soll sich dort ein Reservoir von heissem Wasser bilden, das sich zur Energiegewinnung nutzen lässt.

Dass die Firma auf ihrer Homepage selber von «Fracking» spricht, wirft Fragen auf. Diese Methode sorgt für Schlagzeilen im Zusammenhang mit der umstrittenen Schiefergasförderung. Um an das Gas zu kommen, wird das Gestein ebenfalls aufgebrochen – aber nicht nur mit Wasser, sondern möglicherweise auch mit Chemikalien, was Risiken für das Trinkwasser bergen könnte.

Risiken heruntergespielt?

Selbst Befürworter der Geothermie mahnen beim Etzwiler Projekt zur Vorsicht. «Ich habe den Eindruck, dass die Risiken bisher heruntergespielt worden sind», sagt Kantonsrat Urs Martin (SVP), Vorstandsmitglied des Vereins Geothermie Thurgau. Er fordert vom Kanton, dass er das Projekt sauber abklärt. Was ihn stört: Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer hat sich bereits öffentlich hinter das Projekt gestellt. «Damit hat er ein Präjudiz geschaffen», sagt Martin.

Einen leichtfertigen Umgang mit neuen Technologien schliesst Umweltdirektor Jakob Stark aus. Entscheidend für eine Bewilligung sei das Umweltschutzgesetz, das für solche Projekte eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorschreibt. «Diese Prüfung ist umfassend», sagt Stark. Derzeit klärt sein Departement für Bau und Umwelt auf Antrag der Geo Energie Suisse ab, welche Daten und Unterlagen das Unternehmen dem Kanton für die Umweltverträglichkeitsprüfung liefern muss.

Dass sich Volkswirtschaftsdirektor Schläpfer hinter die Geothermiepläne in Etzwilen stellt, hat laut Stark keinen Einfluss auf die Umweltverträglichkeitsprüfung. Die Situation sei vergleichbar mit einer Firmenansiedlung durch die kantonale Wirtschaftsförderung, sagt Stark. Auch sie unterstehe dem normalen Bewilligungsverfahren.

«Nur Wasser, keine Chemie»

Die Firma Geo Energie Suisse versichert derweil, dass bei der für Etzwilen vorgesehenen Methode nur Wasser ohne Zusätze zum Einsatz kommt, um den Untergrund zu stimulieren (siehe Kasten). Auch beim inzwischen eingestellten Projekt in Basel sei nur Wasser verwendet worden, um den Fels aufzubrechen, sagt CEO Peter Meier. Er verweist zudem auf ein Faktenblatt der Umweltallianz, in der die Umweltverbände vereinigt sind. Sie halten dort fest, dass bei der petrothermalen Geothermie, wie sie in Etzwilen vorgesehen ist, «oft auf die Beimengung von Chemikalien verzichtet» werden kann.

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