Kanton nimmt Moscheen unter die Lupe

Die Behörden wollen besser wissen, was in Thurgauer Moscheen vor sich geht. Die Gebetshäuser werden Besuch von der Integrationsfachstelle erhalten. Anzeichen für radikales Gedankengut gibt es bis jetzt nicht, heisst es beim Kanton.

Christof Widmer
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Die Vorbeter der Thurgauer Moscheen werden zu ihren Wertvorstellungen befragt. (Archivbild: Nana do Carmo)

Die Vorbeter der Thurgauer Moscheen werden zu ihren Wertvorstellungen befragt. (Archivbild: Nana do Carmo)

Frauenfeld. Im Thurgau gibt es 13 Moscheen. Neun von ihnen haben Imame, also Vorbeter, angestellt. Bisher sind sie nicht mit fanatischen Haltungen aufgefallen, die die Schweizer Rechtsordnung oder Kultur ablehnen. Das schreibt der Regierungsrat in der Antwort auf eine Interpellation des Weinfelder CVP-Kantonsrats Thomas Merz-Abt.

Sprachprobleme als Hindernis

Demnach hält der Kanton die Szene aber unter Kontrolle. Die Fachstelle Integration des Migrationsamts verfolge die Situation laufend, schreibt die Regierung. Das wird noch intensiviert. Die Fachstelle plant, alle Moscheen zu besuchen. Sie will die Wertvorstellungen der Verantwortlichen kennenlernen. Die kantonalen Integrationsfachleute werden den Vorständen der Moscheen und den Imamen zudem «die Anliegen der Behörden bezüglich Integration» aufzeigen, heisst es in der Interpellationsantwort. Im Gegensatz zu den moslemischen Vereinen, die aktiv bei der Integration der Moslems im Thurgau mithelfen, seien nicht alle Imame auf diese Aufgabe vorbereitet. Ihnen fehle zum Teil das Hintergrundwissen über die Schweiz und sie beherrschten bisweilen die Sprache zu wenig, schreibt die Regierung.

Direkten Einfluss kann der Kanton aber nur auf einen Teil der neun Imame nehmen. Mit jenen drei, die nur über eine Aufenthaltsbewilligung verfügen, können sogenannte Integrationsvereinbarungen abgeschlossen werden – eine Möglichkeit, die das Migrationsamt auch benützt hat. Die drei Imame müssen laut dieser Vereinbarung innerhalb eines Jahres bis zu einem bestimmten Grad die deutsche Sprache beherrschen und sich Grundwissen über die Schweiz angeeignet haben.

Ausserdem ist geplant, dass diese Imame auch eine religionspädagogische Ausbildung absolvieren müssen.

Für Imam-Studiengang

Für die anderen Imame, die über eine Niederlassungsbewilligung verfügen oder die Schweizer Staatsbürgerschaft haben, kann dies der Kanton nicht anordnen. Der Regierungsrat ist aber dafür, dass der Bund eine gesetzliche Grundlage dafür ausarbeitet. Ebenfalls ist es aus Sicht der Regierung richtig, wenn die Schweizer Universitäten einen Studiengang für Imame erwägen.

Es sei wichtig, dass der Kanton wisse, was in den Moscheen passiere, sagt Kantonsrat Merz-Abt. Er selber will die Situation keineswegs dramatisieren. Es gelte aber, allenfalls vorhandene Probleme zu benennen. Merz-Abt fordert, dass auch mit Schweizer Imamen ähnliche Verpflichtungen abgeschlossen werden können wie mit solchen mit Aufenthaltsbewilligung. Gerade Konvertierte könnten ein radikaleres Gedankengut vertreten, sagt er.

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