Kanton kritisiert Windpark-Gegner

Stromproduktion Wer potenzielle Windenergie im kantonalen Richtplan bekämpft, legt einer modernen Energiestrategie Steine in den Weg. Die Abteilung Energie spricht von Verhinderungstaktik.

Silvan Meile
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Im Thurgau wirbelt die Stromproduktion aus Wind viel Staub auf. Seit vor drei Wochen die Resultate aus Windmessungen ergaben, dass oberhalb Braunaus genug Wind bläst, um bis zu 6600 Haushalte mit Strom zu versorgen, hagelt es beim Kanton Kritik aus der Bevölkerung: Die Abstände der bis zu 200 Meter hohen Windräder zu den Wohnhäusern seien zu klein. Die Gesundheit der Menschen werde aufs Spiel gesetzt. Und die Liegenschaftenbesitzer müssten schliesslich mit der Wertverminderung ihrer Häuser die Zeche für den sauberen Strom bezahlen.

Nun nimmt der Kanton erstmals Stellung. In einem Brief an Maurus Duelli von der Interessengemeinschaft Lebensqualität Wuppenau bezeichnet die kantonale Abteilung für Energie das Vorgehen der Windpark-Gegner als Verhinderungstaktik. Denn «zeigen die Untersuchungen vor Ort, dass die Belastung für Mensch und Umwelt nicht tragbar ist, muss die Projektplanung abgebrochen werden», verspricht der Kanton in seinem Schreiben. Doch statt weitere Untersuchungen zuzulassen und die Resultate sowie allfällige Kompromisse sachlich und fundiert mit unterschiedlichen Experten zu diskutieren, fordere die IG schon jetzt einen Projektabbruch.

Ihr Kampf gegen potenzielle Zonen für Windenergie im revidierten kantonalen Richtplan gefährdet überdies alle künftigen Windparkprojekte im Kanton. Das sei unverantwortlich und lasse eine Offenheit gegenüber Neuem vermissen. Schliesslich sei ein weiterer Ausbau von Kernenergie aus heutiger Sicht weder wirtschaftlich noch gesellschaftlich zu rechtfertigen. Auch wolle man künftig nicht auf Strom aus dem Ausland setzen. «Sie unterstützen leider keine moderne Energiestrategie, sondern legen ihr ungerechtfertigt Steine in den Weg», heisst es im Schreiben.

Kanton sieht keinen Anlass, Lärmschutz anzupassen

Kritiker des angedachten Windparks oberhalb Braunaus führen gerne ins Feld, dass kaum irgendwo in Europa ein Windpark mit diesen Abständen zu Siedlungen gebaut werden könne. Dieses Argument widerlegt der Kanton am Beispiel des nördlichen Nachbarn: «Deutschland kennt mit Ausnahme von Bayern und Mecklenburg keine Mindestabstände, sondern definiert wie die Schweiz die Abstände über das Einhalten der Lärmschutzgrenzwerte für Industrieanlagen.» In der Schweiz gilt hierfür die Lärmschutzverordnung. Die Erfahrungen hierzulande mit 33 Grosswindanlagen ergäben derzeit keinen Anlass, die Lärmschutzverordnung anzupassen: «Mit den aktuellen Abständen, welche sich aus diesen Lärmschutzgrenzwerten ergeben, ist für die Anwohner Lärm kein Thema.»

Auch die Befürchtung über einen Preiszerfall von bis zu 40 Prozent der Liegenschaften in der Nähe von Windparks, welche die IG ins Feld führt, teilt die kantonale Abteilung für Energie nicht. Dies sei «nicht bekannt und nicht belegbar», heisst es im Schreiben. «Die finanziellen Befürchtungen werden sehr locker abgetan», sagt Duelli. Es gebe diverse Studien, die das Gegenteil behaupten würden.