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Kanti Trogen: Roboter vertritt kranke Schülerin

Eine schwere Krankheit kann Schüler lange aus dem Unterrichtsalltag reissen. Die Kanti Trogen setzt erstmals Roboter ein, die sich vom Krankenbett aus steuern lassen. Sie ermöglichen die Teilnahme am Unterricht – und Kontakt mit den Mitschülern.
Kaspar Enz
Ein Avatar des Typs AV1, ein kleiner Roboter, vertritt Céline Wüst in den nächsten Monaten in der Schule. (Bild: Hanspeter Schiess (Trogen, 16. August 2018))

Ein Avatar des Typs AV1, ein kleiner Roboter, vertritt Céline Wüst in den nächsten Monaten in der Schule. (Bild: Hanspeter Schiess (Trogen, 16. August 2018))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Arme, Beine, Mund und Nase fehlen, trotzdem sitzt er in der ersten Reihe. Er hat zwei Lämpchen als Augen und Kameras in der Stirn. Und wo andere Haare haben, leuchtet er - meist weiss. «Blau, wenn ich schlafe oder eine Pause mache», erklärt Céline Wüst.

Das Gerät ist nicht der neue Mitschüler dieser dritten Kantiklasse in Trogen. Der so genannte Avatar vertritt Wüst für die nächsten rund vier Monate in der Schule.

Roboter als Stellvertreter

Denn Céline Wüst wird höchstens ausnahmsweise die Schulbank drücken. Sie hat eine Operation hinter sich, in den nächsten Wochen und Monaten stehen ihr weitere Therapien und Spitalaufenthalte bevor. Meist muss sie zu Hause bleiben.

Dank ihres Avatars aber kann sie den Unterricht mitverfolgen. Vom Tablet aus steuert sie ihn, er kann sich drehen, nicken. Sie kann durch ihn sprechen. Eine Hand aufhalten kann sie allerdings nicht. «Er blinkt, wenn ich etwas sagen will. Ich hoffe, das ist auffällig genug.»

Digital ist besser

Von Robotern, die für kranke Schüler die Schulbank drücken, hatte Rektor Marc Kummer schon einmal gehört. Doch mit Céline Wüst und einem weiteren Schüler, der krankheitshalber nur unregelmässig in die Schule kommen kann, ist das in Trogen plötzlich nicht mehr nur Zukunftsmusik. «Wir haben uns informiert und zwei davon bestellt», sagt er. Noch sind sie nur gemietet, das Budget hält das aus.

«Für mich vereinen sich damit zwei Dinge, die der Kanti Trogen wichtig sind», sagt er. Die Schule habe sich schon früh mit der Digitalisierung beschäftigt. «Heute kann ein Schüler wählen, ob er das Unterrichtsmaterial digital oder auf Papier will», sagt Kummer.

Die Lehrer müssen alle Materialien auch digital zur Verfügung stellen. «Das ist ja kein Problem mehr, denn sie schreiben ja ihre Arbeitsblätter mit dem Computer», sagt Kummer.

Niemanden hängen lassen

«Und zweitens haben wir eine Tradition, unsere Jugendlichen gut zu begleiten. Niemanden hängen lassen ist die Devise.» Und so suche man auch unbürokratische Lösungen, wenn es nötig wird.

Bei längeren Krankheiten hätten die Schüler früher viel Stoff nachholen müssen oder ein Jahr repetiert. Zwar stellen Kinderspitäler oft Lehrer bereit. «Aber auf Kantistufe wird das schwierig», meint Kummer. Der Roboter sei die bessere Lösung – zumal man dank der digitalen Schulmaterialien von zu Hause aus gut mitarbeiten kann.

Ob sich die Erwartungen erfüllen, soll sich in den kommenden Monaten zeigen. «Wir gehen schon davon aus, dass sich die Avatare bewähren», sagt Kummer. Dann würde man sich den Kauf eines Gerätes überlegen.

Auch Kinderspital nutzt Avatare

Auch das Ostschweizer Kinderspital in St. Gallen setzt seit über zwei Jahren Roboter bei onkologischen Patienten als Avatare ein. Sie nutzen dafür nicht den AV1 wie die Kanti Trogen. Das Kispi ist Partner des Projekts «Avatarkids» und nutzt den Roboter Nao. «Bis jetzt setzten wir ihn mehrheitlich für Primarschüler und in der ersten Oberstufe ein», sagt Spitalpädagoge Jürg Winter. Und nicht jede Schulstunde sei gleich geeignet für die Übertragung per Avatar. «Am besten ist es, wenn die Lehrperson etwas erzählt oder vorzeigt.»

Bei Gruppenarbeiten oder spielerischen Unterrichtsformen werde es schwieriger, per Tablet zu folgen. Die meisten Kinder, die sich von «Nao» vertreten lassen, würden den Avatar deshalb nur einige Male pro Woche einschalten. «Meist machen sie mit den Lehrern aus, wann es am besten passt», sagt Winter.

Es braucht alle Beteiligten

Grundsätzlich habe das Kinderspital mit dem Avatar gute Erfahrungen gemacht. «Aber es braucht drei Seiten, dass es gelingt. Eltern, Kinder und Lehrer müssen mitmachen.»

Das scheint in Trogen kein Problem zu sein. Dass sich der Unterricht etwas verändern wird, ist auch Deutschlehrerin Fabienne Bonaria klar. «Statt nur auf aufstreckende Hände muss ich mich nun auch auf den Avatar konzentrieren», sagt sie. Und sie hofft, dass der Roboter mehr als Frontalunterricht versteht. «Ich habe auch schon eine Gruppenarbeit vorbereitet. Ich will ausprobieren, ob sie über den Avatar eine Präsentation vortragen kann.»

Der Vereinsamung vorbeugen

Doch die Vermittlung des Schulstoffs ist oft nicht das Hauptziel, wenn Avatare eingesetzt werden. «Die kranken Kinder können den Kontakt mit den Schulkameraden pflegen, und sie werden während der langen Absenz nicht vergessen», sagt Jürg Winter.

Auch die Hersteller des Trogener Roboters bauten ihn, um die Vereinsamung kranker Kinder zu verhindern. «Der soziale Kontakt ist ein wichtiger Aspekt», meint Rektor Kummer.

Dass der Kontakt bestehen bleibt, ist auch für Céline Wüst wichtig. «Meine Kolleginnen wollen mich in die Mensa mitnehmen», sagt sie - den Avatar natürlich. Grössere Ausflüge sind leider unmöglich. «So lange reicht der Akku nicht.»

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