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St.Galler Kantonsrat: Kanti-Pingpong nimmt kein Ende

Das Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg wird saniert und erweitert, die Kantonsschule Wattwil erhält einen Neubau. Nicht zur Freude von Politikern aus dem Linthgebiet. Sie kämpfen weiter für eine eigene Kanti.
Regula Weik
Die Kantonsschule Wattwil soll durch einen Neubau ersetzt werden. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Kantonsschule Wattwil soll durch einen Neubau ersetzt werden. (Bild: Hanspeter Schiess)

Er hat kantonsweit Bekanntheit erlangt. Der grüne Kübel in der Kantonsschule Wattwil. Parlamentarier aus dem ganzen Kanton kennen ihn. Und auch Bildungschef Stefan Kölliker ist er vor zehn Jahren aufgefallen. So lange schon fängt der grüne Kübel das Regenwasser auf, welches durch das Dach des Schulgebäudes dringt.

Der marode, bauliche Zustand der Kanti Wattwil ist denn auch unbestritten. Wer deswegen eine ruhige, vor sich hinplätschernde Debatte im Kantonsparlament erwartet hatte, sah sich am Dienstag eines Besseren belehrt. Die Wogen gingen einmal mehr hoch. Die Kanti-Standortfrage treibt die Gemüter im Linthgebiet nach wie vor um.

Yvonne Suter (Bild: Regina Kühne)

Yvonne Suter (Bild: Regina Kühne)

«Sie können die Fakten, die für ein Mittelschulangebot im Linthgebiet sprechen, nicht einfach unterdrücken», wandte sich die Rapperswiler CVP-Kantonsrätin Yvonne Suter an die Ratskolleginnen und Ratskollegen. Und auch an die Regierung. Diese sei seit Jahren nicht bereit, mit einer «unabhängigen Analyse» klären zu lassen, welches der beste Standort für eine neue Kantonsschule im Kanton ist. Die Regierung habe wohl gute Gründe, diesen Wunsch des Linthgebiets immer wieder auszuschlagen. Es dürfte sich dann nämlich zeigen, dass «ihr Entscheid viel mit Regionalpolitik, aber wenig mit Bildungspolitik zu tun hat», so die CVP-Kantonsrätin.

Das Rektorat beruhigte das Linthgebiet kaum

Bereits nach diesem Votum war klar: Das Linthgebiet wird weiter für eine eigene Kantonsschule kämpfen. Daran hat auch der Entscheid, das Rektorat der neuen Ostschweizer Fachhochschule in Rapperswil anzusiedeln, nichts geändert. Gerade noch hatte SP-Kantonsrat Peter Hartmann in der parteieigenen Publikation «Links» geschrieben:

«Das Rektorat der Fachhochschule soll in Rapperswil eingerichtet werden. Das ist sachlich nicht zu begründen. Es ist nur das Gegengeschäft von Regierungsrat Stefan Kölliker für den Verzicht auf eine Mittelschule im Linthgebiet.»

Die Debatte vom Dienstag im Kantonsparlament zeigte: Diese Beruhigungspille hat ihre Wirkung verfehlt – so der Rektoratsentscheid als solcher gedacht war, wie die SP moniert. Aus dem Linthgebiet dürfte bis zur Volksabstimmung im November Widerstand kommen. Nicht so sehr gegen die Campus-Idee an sich, diese ist unbestritten. Es geht vielmehr um die Standortfrage.

Die Tatsache, als einzige Region im Kanton ohne eigene Mittelschule dazustehen, wird das Linthgebiet weiter umtreiben – auch wenn die erneute Kritik im Parlament vergebliche Liebesmüh war. Vertreterinnen und Vertreter aus dem Linthgebiet und dem Toggenburg lieferten sich zum wiederholten Mal ein Kanti-Pingpong. Dieses verfolgten die übrigen Parlamentsmitglieder von amüsiert bis gelangweilt. Die Meinungen waren längst gemacht: Sämtliche Fraktionen unterstützten die Vorlage.

«Von Beginn weg von Pleiten und Pannen geprägt»

Sieht es die Bevölkerung im November an der Urne auch so, werden in den nächsten Jahren 108 Millionen Franken in den Bildungsstandort Wattwil investiert werden. Der Kanti-Neubau kostet 73,5 Millionen Franken und soll bis 2025 erstellt werden. Er bietet Platz für 720 Schüler; heute besuchen 670 Jugendliche die Kanti Wattwil – zwei Drittel stammen aus dem Linthgebiet.

Sobald der Neubau bezogen ist, ziehen vorübergehend die Berufsschüler ins alte Kanti-Gebäude; so können Kosten für Provisorien gespart werden. Danach wird das Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg für 34,5 Millionen erweitert und saniert. 2028 sollen auch diese Bauarbeiten abgeschlossen sein. Aula, Küche, Mensa, Aussensportplatz nutzen die beiden Schulen künftig gemeinsam.

Was mit dem alten Kanti-Gebäude passiert, ist noch offen. Der Kanton würde es gerne verkaufen. CVP-Kantonsrat Peter Göldi monierte:

«Am Schluss bleibt eine Ruine.»

Sein Votum verriet sogleich seine Herkunft: Er stammt aus dem Linthgebiet. So überraschte auch sein Fazit der jahrelangen Debatte nicht:

«Diese Vorlage ist von Beginn weg von Pleiten, Pech und Pannen geprägt.»

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