Kandidat wider Willen gewinnt

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LandammannwahlenRegierungsrat Paul Signer wird für die kommenden zwei Jahre Landammann von Appenzell Ausserrhoden. Der 61-jährige Herisauer setzte sich deutlich gegen den Kandidaten der SVP, Finanzdirektor Köbi Frei, durch. Knapp 10000 Stimmen entfielen dabei auf Signer, während für Frei nur gerade 5400 Stimmen eingingen. Frei holte nur gerade in einer der zwanzig Ausserrhoder Gemeinden mehr Stimmen als Signer – in Lutzenberg. Von der Deutlichkeit des Ergebnisses zeigte sich Signer denn auch überrascht. Aufgrund der Vorgeschichte habe er einen Sieg erwartet, nicht aber in dieser Höhe. Dass Signer und Frei keinen offiziellen Wahlkampf bestritten und nicht öffentlich auftraten, kam in der Bevölkerung nicht gut an. Gerade vom Landammann dürfe man erwarten, dass dieser Volksnähe zeige, hiess es da und dort in Leserbriefen und Kommentaren.

Kritik an Absprache innerhalb der Regierung

Dass Paul Signer neuer Landammann ist, hat er nicht zuletzt seiner Partei zu verdanken. Diese nominierte ihn gegen seinen Willen als Kandidaten. Dabei ging es einzelnen Parteimitgliedern darum, Finanzdirektor Köbi Frei als Landammann zu verhindern. Dieser sei «eines Landammanns unwürdig», sagten einige anlässlich der Nomination von Signer. Damit spielten sie auf Freis Vergangenheit an: Der SVP-Regierungsrat war während der Spesenaffäre Mitglied des Verwaltungsrats des Spitalverbunds Appenzell Ausserrhoden. Der ehemalige FDP-Kantonalpräsident Arthur Bolliger kritisierte zudem, dass es im Landammannamt kein Rotationsprinzip gebe. Eine Absprache innerhalb der Regierung dürfe deshalb nicht akzeptiert werden. Auch wenn er anfangs nicht kandidieren wollte, freue er sich jetzt über dieses Resultat, so Signer. Dies sei ein Vertrauensbeweis der Bevölkerung. Weniger erfreut zeigte sich Frei. Seine ehemalige Mitgliedschaft im Verwaltungsrat des Spitalverbunds sei anscheinend eine zu grosse Hypothek gewesen. Einer müsse jetzt «halt den Kopf hinhalten». Als Politiker müsse man hinstehen, auch wenn es einmal nicht so laufe wie erhofft. Das Amt des Landammanns hätte ihn zwar gereizt, Ziel seiner politischen Karriere sei dies aber nie gewesen. Er könne während seiner verbleibenden zwei Jahren im Regierungsrat auch ohne dieses Amt gut leben, so Frei. Aufgrund der Amtszeitbeschränkung scheidet Frei im Jahr 2019 aus der Ausserrhoder Regierung aus. Für die weitere Zusammenarbeit im Regierungsrat sehen aber weder Signer noch Frei ein Hindernis. Genau aus diesem Grund hätten sie keinen öffentlichen Wahlkampf bestritten.

Bruno Eisenhut

bruno.eisenhut@appenzellerzeitung.ch

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