Kampfjets: Thurgauer Ja-Komitee fordert Rennpferde statt Ponys

Das Thurgauer Komitee zur Kampfjet-Beschaffung startete am Donnerstag am Frauenfelder Soldatendenkmal den Abstimmungskampf – und gab sich dabei siegesgewiss.

Christof Lampart
Drucken
Teilen
Vertreter des Thurgauer Komitees für neue Kampfflugzeuge vor dem Soldatendenkmal.

Vertreter des Thurgauer Komitees für neue Kampfflugzeuge vor dem Soldatendenkmal.

Reto Martin

Dem Komitee, das sich für die Abstimmung vom 27. September für ein Ja zur Erneuerung der Luftwaffe einsetzt, rekrutiert sich aus bürgerlichen Politikern und Armeeangehörigen und wird von der Kantonalen Offiziersgesellschaft Thurgau geführt. Deren Präsident, Dominik Knill, betonte die Wichtigkeit eines Ja, denn «nur mit dem Erhalt unserer Luftwaffe können wir die Sicherheit garantieren, die unser Land braucht, um in Frieden, Unabhängigkeit und Wohlstand existieren zu können», so Knill.

Stark: Nationale Sicherheit ist gefährdet

Ständerätin Brigitte Häberli (CVP) warnte davor, aus einer Laune heraus die maximal sechs Milliarden Franken für die Beschaffung der Kampfjets nicht zu genehmigen. Wer heute Nein zu einer modernen Luftwaffe sage, der bekomme spätestens im Jahr 2030, wenn sich die Lebenszeit der heute eingesetzten F-5E Tiger und F/A 18 C/D Hornet definitiv dem Ende zuneige, «ein echtes Sicherheitsproblem», so Häberli, - und zog punkto Beschaffungszeitpunkt einen Vergleich aus einem anderen Sicherheitsbereich heran:

«Ein »Feuerwehrauto kauft man ja auch nicht erst, wenn das Haus brennt».

Für Häberlis Ratskollegen Jakob Stark (SVP) bildet der Fliegerkauf sogar das Kernstück einer «umfassenden Sicherheits- und Verteidigungsstrategie des Bundes». Wer dazu njet sage, gefährde die nationale Sicherheit «massiv, denn nur eine einsatzbereite Luftwaffe ist in der Lage, die Bevölkerung und die kritischen Infrastrukturen zu schützen und zu verteidigen», so Stark.

Niemanden wird etwas weggenommen

Ähnlich klang es bei Brigadier Werner Epper. Der stellvertretende Kommandant der Luftwaffe betonte, dass es «für die Abwehr einer Bedrohung aus der dritten Dimension Kampfflugzeuge braucht». Ausserdem nehme der Kauf ja niemanden etwas weg, da dieser ganz aus dem ordentlichen Armeebudget bestritten werde. Aber mit dem Kauf könne man nicht lange mehr zuwarten, denn «die Beschaffung von Kampffliegern ist komplex und dauert zehn Jahre», so Epper.

Dem Einwand der Kampfjet-Gegner, ein leichtes und so klar billigeres Trainingsflugzeug würde es für die Schweizer Luftwaffe auch tun, wischte Epper vergleichend beiseite:

«Das wäre so, wie wenn sie einen Jockey mit einem Pony statt mit einem Rennpferd ins Rennen schicken würden. Auf so eine Idee würde wohl niemand kommen.»

Wirtschaft floriert nur bei Sicherheit

Der Thurgauer Regierungsratspräsident Walter Schönholzer (FDP) freute sich darüber, dass der gesamte Thurgauer Regierungsrat «uneingeschränkt und geschlossen» hinter der Vorlage stehe. SVP-Nationalrat Manuel Strupler, Weinfelden, gab zu bedenken, dass man nie wisse – und was auch Corona gezeigt habe – wann eine Krise über einen hereinbreche. Deshalb sei für ihn klar, dass «wir ein Ja einlegen müssen, damit wir nicht schon bald ohne Luftwaffe dastehen».

Und der Stadtpräsident von Frauenfeld, Anders Stokholm, gab zu bedenken, dass eine Wirtschaft nur dann florieren können, wenn sie in einem sicheren und geschützten Rahmen agieren könne. So gesehen sei es «sinnvoll, wenn wir bezüglich Sicherheit, wie es bei diesem Geschäft der Fall ist, präventiv tätig sein können», so Stokholm.

Mehr zum Thema