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Kampf um drohenden Abriss einer weiteren Villa am St.Galler Rosenberg

Die Villa Recife am westlichen Ende des Rosenbergs soll zusammen mit drei anderen Gebäuden Neubauten weichen. Der Heimatschutz und der WWF wehren sich gegen ihren Abbruch. Allerdings ist das historische Haus nicht geschützt.
David Gadze
Die Villa Recife (unten rechts) und die drei Gebäude dahinter sollen vier neuen Häusern Platz machen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Villa Recife (unten rechts) und die drei Gebäude dahinter sollen vier neuen Häusern Platz machen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Am westlichen Rosenberg, zwischen historischen Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert und solchen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, soll neuer Wohnraum entstehen. Die Gschwend Immobilien GmbH plant an der Greifenstrasse eine neue Überbauung. Ihr müssten bestehende Bauten weichen: Die Villa Recife an der Greifenstrasse 13 sowie die drei Liegenschaften an der Greifenstrasse 7, 9 und 11. Doch ähnlich wie beim geplanten Abbruch der unweit gelegenen Villa Wiesental am Fuss des Rosenbergs vor einigen Jahren, regt sich nun auch gegen den drohenden Abriss der Villa Recife Widerstand.

Die Villa Recife ist zwischen 1888 und 1889 entstanden und wurde 1949 umgebaut. Architekt war Julius Kunkler, Sohn von Johann Christoph Kunkler, der das Kunstmuseum und die Tonhalle in St.Gallen erbaut hatte. Anders als die Villa Wiesental ist sie jedoch nicht geschützt.

Einsprache durch Heimatschutz und WWF

Anstelle der Villa Recife und der anderen drei Liegenschaften sei eine Überbauung mit wiederum vier Wohnhäusern und insgesamt 53 Wohnungen geplant, sagt Ivan Furlan, Leiter des Amtes für Baubewilligungen. Das Bebauungskonzept siehe eine ähnliche Anordnung wie beim heutigen Bestand vor. Gegen das Projekt, das Ende 2017 öffentlich auflag, sei eine Einsprache eingegangen. Hinter der Einsprache stehen der Heimatschutz St.Gallen/Appenzell Innerrhoden und der WWF Appenzell–St.Gallen–Thurgau. Das bestätigt Regula Geisser, Leiterin der Stadtgruppe des Heimatschutzes.

Während es dem WWF um die geplante Fällung der 37 Bäume gehe, wolle der Heimatschutz die Villa Recife unter Schutz stellen und ihren Abbruch verhindern.

Nur noch Fragmente des ursprünglichen Gebäudes

Gemäss Furlan habe man versucht, in Verhandlungen eine Einigung zu erzielen – bisher erfolglos. Nun wird die städtische Baubewilligungskommission über das Baugesuch entscheiden. Zunächst müsse aber der Stadtrat entscheiden, ob die Villa Recife schützenswert sei, sagt Furlan. Im Inventar der schützenswerten Bauten ausserhalb der Altstadt ist sie nämlich nicht aufgeführt. Möglicherweise sei dies auf den Umbau von 1949 zurückzuführen. Nach diesem seien nur noch «Fragmente des ursprünglichen Gebäudes» aus dem 19. Jahrhundert erhalten geblieben. Die Aufnahme ins Inventar sei wohl zu keinem Zeitpunkt ein Thema gewesen. Das ganze Gebiet sei zwar im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (Isos) enthalten. «Dennoch liegt kein kantonales Schutzobjekt vor, welches durch den Neubau beeinträchtigt würde», sagt Furlan. Das Isos schütze primär die Ortsbilder, nicht einzelne Objekte.

Der Grossteil der Siedlungsfläche der Stadt St.Gallen sei im Isos aufgeführt. Der Heimatschutz sieht das freilich anders. Es lasse sich zwar nicht verneinen, dass die Villa heute anders aussehe, als zur Zeit ihrer Errichtung, es sei aber immer noch viel der alten Bausubstanz von Julius Kunkler erhalten, sagt Regula Geisser. Die Bedeutung der Villa für das Gebiet zeige sich auch daran, dass sie 1995 ins Inventar der neueren Schweizer Architektur (Insa) aufgenommen worden sei. Das Zusammenspiel von Villa und Park am unteren Rosenberg sei «für die Alleinstellungsmerkmale des Gebiets verantwortlich». Und ganz erfolglos sei der Kampf bisher nicht gewesen: Mit der Einsprache habe man eine Überarbeitung des Baugesuchs erreicht: Alle Bäume auf der Südseite der Villa sollen erhalten bleiben. Zur Greifenstrasse hin müssten etwa fünf Bäume gefällt werden.

Ausnützung an der oberen Grenze

Dennoch stört sich der Heimatschutz weiterhin am Volumen der geplanten Neubauten. Diese seien «an der oberen Grenze der Ausnützung», sagt Geisser. Der konkrete Fall sei deshalb wegweisend für den Umgang mit der historischen Bausubstanz im Zuge der Verdichtung auf dem Rosenberg. Aus diesem Grund fordere der Heimatschutz einen Umbau der Villa Recife. Ihr Schicksal könnte jedenfalls schon bald geklärt sein: Der Entscheid des Stadtrats über die Schutzwürdigkeit sei «zeitnah» zu erwarten, sagt Ivan Furlan. Danach sei auch mit einem raschen Urteil der Baubewilligungskommission zu rechnen.

Baugeschichtliche Kurzdokumentation zur Villa Recife: www.sg-hausgeschichten.ch/ st.gallen/greifenstr.13.pdf

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