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KALTBRUNN: Ehepaar kassiert Busse für Hochzeitsvideo

Das Kaltbrunner Riet ist Heimatort von geschützter Flora und Fauna. Die perfekte Kulisse für einen Hochzeitsfilm, dachte sich ein Zürcher Ehepaar. Nun muss es eine Busse zahlen. Das Paar findet, an ihnen wurde ein Exempel statuiert.
Das Zürcher Ehepaar hat für sein Hochzeitsvideo ein Naturschutzgebiet betreten. Dafür müssen sie zahlen. (Bild: Screenshot/Mauvepictres)

Das Zürcher Ehepaar hat für sein Hochzeitsvideo ein Naturschutzgebiet betreten. Dafür müssen sie zahlen. (Bild: Screenshot/Mauvepictres)

Dieser Artikel erschien zuerst am 15. Februar 2018 auf FM1-Today.

Hunde gehören an die Leine, Vögel dürfen nicht gefüttert werden, die Wege darf man nicht verlassen. Das Kaltbrunner Riet ist ein Naturschutzgebiet, die letzten Überreste der Sumpfgebiete zwischen Walensee und Zürichsee. Zugvögel und aussergewöhnliche Pflanzen können dort wachsen, wo Mensch und Haustier nichts zu suchen haben. Einem Hochzeitspaar war das egal. Laut der Zürichsee-Zeitung haben die Turteltauben samt Regisseur und Pferd ihr Hochzeitsvideo im Naturschutzgebiet gedreht. Das Hochzeitspaar musste nun eine Busse zahlen.

Tafel missachtet, von Weg weggegangen

Ihre Autos parkierten das Hochzeitspaar und eine vierköpfige Filmcrew an einem Sonntag direkt vor der Verbotstafel. Mit Kamera, Pferd und Sack und Pack machten sie sich auf ins Naturschutzgebiet. Dort drehten sie einen kitschigen Hochzeitsfilm. Die Braut reitet auf einem Pferd dahin, plötzlich verliert sie ihren Schuh. Ihr Mann findet den Schuh und bringt ihn seiner Braut.


"Wir sind Tierfreunde!"

"Das Hochzeitsvideo ist toll geworden", schwärmt der Bräutigam Björn. Freunde haben es für das Paar gedreht. "Uns fehlte nur noch eine Szene, die wir im Kaltbrunner Riet gedreht haben." Doch genau diese Szene macht das Video teuer – 2700 Franken Busse muss das Paar und sein Filmteam bezahlen. Die Umweltorganisation Pro Natura hatte Anzeige gegen das Ehepaar und die Filmcrew eingereicht. Ein Strafbefehl mit einer Busse von jeweils mindestens 400 Franken für alle sechs Beteiligten Personen war die Folge.

"An uns wurde ein Exempel statuiert", sagt Björn gegenüber FM1Today. Dabei seien sie offen und respektvoll geblieben. "Wir haben die Verbotstafel gesehen. Allerdings hatte ein Bauer das Schilf gemäht. Wir haben uns nur auf der frisch gemähten Stelle bewegt", sagt Björn. Dass sie den Tierfrieden störten, glaubt er nicht. "Wir sind absolute Tierliebhaber, besitzen ein Pferd und Katzen."

Naturschützer dokumentieren Fehlverhalten

Zur Anzeige kam es, weil ein Naturschützer das Ehepaar und die Filmcrew gesehen und fotografiert hat. "Als er uns angesprochen hat, sind wir sofort weg vom Feld. Er sagte aber, wir könnten den Film auch fertig drehen, er würde so oder so Anzeige erstatten", sagt der Bräutigam.

Pro Natura St.Gallen Appenzell und die Ortsgemeinde Kaltbrunn haben aufgrund der Fotos des Tierschützers die Strafanzeigen eingereicht. "Man hat das Paar im Naturschutzgebiet darauf hingewiesen, dass das Gebiet abseits der Wege nicht betreten werden darf", sagt Antonia Zurbuchen, stellvertretende Geschäftsführerin von Pro Natura St.Gallen Appenzell.

"Nachträglich kann man keine Busse verhindern"

"Als wir von der Anzeige erfahren haben, haben wir das Gespräch mit Pro Natura gesucht", sagt Bräutigam Björn. "Wir haben auch freiwillige Arbeit oder eine Spende angeboten." Vergebens. Antonia Zurbuchen von Pro Natura: "Das ist wie beim Autofahren. Wenn man mit 200 Stundenkilometern erwischt wird, kann man dem Polizisten auch nicht nachträglich 100 Franken geben, damit dieser keine Busse ausstellt", sagt Zurbuchen.

Immer wieder gibt es laut der Zürichsee-Zeitung Leute, die die Wege im Kaltbrunner Riet verlassen oder ihre Hunde von der Leine lassen. Das ist für das Vogelschutzgebiet mit nationaler Bedeutung problematisch, vor allem wenn die Hunde zu jagen beginnen. "Wir von Pro Natura können allerdings die Hundehalter nur schwierig belangen. Die Halter müssen sich uns gegenüber nicht ausweisen, daher können wir höchstens Anzeige gegen Unbekannt erstatten", sagt Antonia Zurbuchen. Das führe oftmals ins Nichts.

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