Kaltblütig und planmässig getötet

Der Angeklagte im Hauswart-Prozess von Rapperswil im Jahr 2011 muss für 18 statt für 17 Jahre ins Gefängnis. Das Kantonsgericht hat das Strafmass verschärft und den Mann wegen Mordes verurteilt.

Ives Bruggmann
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ST. GALLEN. Das Kantonsgericht St. Gallen hat einen ehemaligen Vermögensverwalter wegen Mordes schuldig gesprochen und die Strafe erhöht. Dem Mann wird vorgeworfen, am 25. März 2011 einen Hauswart erschossen zu haben.

Das Kreisgericht See-Gaster hatte den Beschuldigten zuvor der vorsätzlichen Tötung schuldig erklärt und eine Freiheitsstrafe von 17 Jahren ausgesprochen. Weiter ordnete es für ihn eine ambulante therapeutische Massnahme an. Dagegen erhoben der Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft Berufung. Die Verteidigerin verlangte einen Freispruch, während die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung wegen Mordes und eine höhere Strafe forderte. Zudem beantragte sie die Verwahrung des Beschuldigten.

Mord statt vorsätzliche Tötung

Der Tatverdächtige soll den Hauswart am helllichten Tag aus maximal eineinhalb Metern Distanz mit einer Schrotflinte erschossen haben. Der Hauswart sei sofort tot gewesen. Der damals 58jährige ledige Angeklagte sei danach mit der Flinte unter dem Mantel geflohen, vermutete die Staatsanwaltschaft damals. Er habe sich dann sowohl der Tatwaffe als auch seines Mantels entledigt. Später wurde er am Wohnort seiner Eltern verhaftet.

Miete nicht mehr bezahlt

Woher der Beschuldigte die Waffe gehabt hatte, ist nicht bekannt. Klar ist, dass sich der Angeklagte einen Lagerraum in Jona gemietet hatte, in dem er in den letzten eineinhalb Jahren vor dem Mord auch wohnte. Im fensterlosen Raum hatte er eine behelfsmässige Küche, eine Waschgelegenheit, ein Büro und eine Schlafstätte eingerichtet. Als der Angeschuldigte die Miete nicht mehr bezahlte, entsandte die Hausverwaltung den Hauswart, der ihm erklärte, er müsse das Lager räumen, wenn er seine Schulden nicht begleiche.

Besonders skrupellos

Die Tat des Beschuldigten ist auch nach Auffassung der Strafkammer des Kantonsgerichts erwiesen. Da der Beschuldigte kaltblütig sowie planmässig und damit besonders skrupellos vorgegangen ist, hat sie ihn nun des Mordes und nicht bloss der vorsätzlichen Tötung schuldig gesprochen. Zudem erhöhte sie die Freiheitsstrafe um ein Jahr auf 18 Jahre. Hingegen hat die Strafkammer von der Anordnung einer therapeutischen Massnahme oder einer Verwahrung abgesehen, da deren Voraussetzungen im vorliegenden Fall nicht gegeben seien. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. Die ausführliche Begründung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.