Kaffee ist nicht gleich Kaffee

Thursicht

Nicole D’orazio
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Ohne eine Tasse Kaffee in den Tag zu starten, ist für mich nicht möglich. Die morgendliche Koffeinzufuhr ist ein Ritual, wie bei vielen anderen auch. Dass Kaffee aber nicht gleich Kaffee ist, musste ich kürzlich in Italien wieder einmal zur Kenntnis nehmen. Ich gebe es zu, bei mir kommt entweder eine Nespresso-Kapsel in die Maschine oder ich trinke einen «Alt-Weiber-Kaffee», wie mein Mann sein geliebtes Instantpulver-Wasser-Gemisch nennt. Das löst bei vielen Kopfschütteln aus. Wie bei meinem Vater. Er mag eben richtigen «Caffè». Er mischt seine italienischen Lieblings­sorten selber und brüht sie in einer Handhebel-Maschine. Welch Leidenschaft!

Zurück nach Italien, an den Tischmeiner Nonna und den verächtlichen Blicken. Eine Freundin konnte nicht glauben, dass man in der Schweiz seinen Kaffee nicht in einer Moka-­Maschine zubereitet. Kapseln? «Ma siete pazzi?» In Italien gehört mindestens eine Moka – besser mehrere in verschiedenen Grössen – in einen Haushalt. Und für einen richtigen «Caffè», das ist ein Espresso, geht man schnell in die Bar um die Ecke. Und einen Fehler bitte ver­meiden: Im Ristorante sollte man nach dem Abendessen nie einen Cappuccino oder einen Latte macchiato bestellen. Das trinke man doch nur zum Frühstück, entgegnete der Kellner verächtlich. Sein Blick sprach Bände.

Ich befürworte in dieser Sache einen guten schweizerischen Kompromiss: Jeder soll seinen Kaffee so trinken, wie er will. Wir sind ja nicht alle gleich. Warum sollte es dann der Kaffee sein?

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch