Käse aus dem Automaten

Es ist erstaunlich, für was es alles Automaten gibt. Und vor allem, was das über die Umgebung und die Bewohner aussagt. In diversen Orten in der Ostschweiz stehen zum Beispiel Blumenautomaten.

Nina Rudnicki
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24 Stunden Käse von A bis Z: Käse-Automat in Waldkirch. (Bild: Nina Rudnicki)

24 Stunden Käse von A bis Z: Käse-Automat in Waldkirch. (Bild: Nina Rudnicki)

Es ist erstaunlich, für was es alles Automaten gibt. Und vor allem, was das über die Umgebung und die Bewohner aussagt. In diversen Orten in der Ostschweiz stehen zum Beispiel Blumenautomaten. Ideal für Ehemänner, die gern den Hochzeitstag vergessen und nach Ladenschluss ein Gebinde kaufen wollen. In München finden sich Automaten, aus denen auf Knopfdruck Sonnenbrillen und Goldbarren rutschen. Protz, das passt hier hin. In der Münchner Schickeria ist neben «coffee to go» anscheinend auch «gold to go» angesagt. An Schlauchomaten fährt man mit dem Velo in Berlin vorbei. Bei so vielen alten Hipster-Rädern ist ein Automat mit Ersatzschläuchen die beste Geschäftsidee überhaupt.

Unbändige Lust

In der Ostschweiz säumen seit einiger Zeit Käse-Automaten die Wege. Zunächst in der Stadt St. Gallen, genauer in St. Georgen, vor einem kleinen Quartierlädeli. Darum ist er zuerst gar nicht aufgefallen. Seltsamer war jener an der Singenbergstrasse in der Nähe der Spitäler. In Waldkirch fand sich einer vis-à-vis des Golfplatzes. Und die neuste Entdeckung steht mitten in Oberbüren. Für drei Franken gibt es auf der Nummer 33 «Bretterkäse». Und wer auf die 43 drückt, dem poltert für vier Franken ein Stück «Svizzaroma Provence» entgegen.

Kampf ums Überleben

Die Käseautomaten sind die Idee von Didi Risi aus Waldkirch. Zusammen mit ihrem Mann betreibt sie hier die letzte Käserei des Dorfs. «Vor 15 Jahren waren es noch zwölf», sagt sie. «Und auch wir kämpfen mit unserer Käserei ums Überleben.» Vor gut einem Jahr haben sie deshalb eine neue Käsesorte entwickelt, den «722er». 722, weil dieser Käse so viele Jahre nach Gründung der Alten Eidgenossenschaft erstmals produziert wurde. Nun muss ihn nur noch jemand mögen. «Die Automaten sind bestens dafür geeignet, herauszufinden, welche Variante den Kunden am besten schmeckt», sagt Didi Risi. Und das sei heutzutage bei der grossen Auswahl gar nicht so einfach. Wenn man etwa einen neuen Käse in den Supermarkt bringen wolle, vergehe schnell mal ein Jahr mit Verhandlungen. «Wenn die Leute ihn dann nicht mögen und kaufen, war alles vergebene Mühe.»

Von St. Gallen nach Rümlang

Die Risis haben die Marktforschung also gleich selbst in die Hand genommen. Aber trotz der originellen Idee und der auffälligen Käseautomaten ist das gar nicht so einfach. Jene zwei Automaten in St. Gallen wurden bereits wieder abmontiert und danach in Gossau und im zürcherischen Rümlang aufgestellt. Und jener in Oberbüren stand zuerst in Sulgen, wo er zu wenig gut lief.

«Es braucht viel Engagement, damit die Automaten überhaupt jemand wahrnimmt. Und wenn sie jemand wahrnimmt, dass er tatsächlich auch etwas kauft», sagt Didi Risi. Auf Facebook betreibt sie daher einen Käsomat- und Foodblog. Hier gibt es nebst den neusten Informationen über die Käse auch Rezepte. Der «Schmelz Mi» etwa scheint ein Allrounder zu sein. Er passt in Rösti, Safranrisotto, Gratin und Polenta. Auch in den Automaten verkauft er sich äusserst gut.

Was sagen die Käseautomaten nun eigentlich über uns Ostschweizer aus? Zumindest, dass uns Käse nach Ladenschluss genauso wichtig ist wie Blumensträusse. Aber vielleicht ist gerade diese Feststellung Käse.

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