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KADERSCHMIEDE KANTI TROGEN: Promis auf dem Land

Die Kantonsschule Trogen liegt abgeschieden inmitten der Appenzeller Hügel. Auch deswegen war sie im letzten Jahrhundert bevorzugter Ausbildungsort für Jugendliche behüteter Elternhäuser aus aller Welt. Viele Absolventen wurden berühmt.
Julia Nehmiz
Der Linolschnitt zeigt den Campus der Kantonsschule Mitte der 1960er-Jahre. (Bild: Wikimedia)

Der Linolschnitt zeigt den Campus der Kantonsschule Mitte der 1960er-Jahre. (Bild: Wikimedia)

Julia Nehmiz

julia.nehmiz@ostschweiz-am-sonntag.ch

Und jetzt also ein Nobelpreisträger. So einen würde sich jede Schule gerne ans Revers heften. Die Kantonsschule Trogen hat kurz vor ihrem 200. Geburtstag nun einen in ihren Reihen: Jacques Dubochet.

Jacques Dubochet, Biophysiker, Nobelpreisträger, Kanti Trogen 1958–1960. (Bild: KEYSTONE)

Jacques Dubochet, Biophysiker, Nobelpreisträger, Kanti Trogen 1958–1960. (Bild: KEYSTONE)

Der Ausserrhoder Regierungsrat Alfred Stricker ist stolz, dass sein Kanton ein bisschen – Dubochet besuchte die Kanti von 1958 bis 1960 – am Ruhm des Nobelpreisträgers teilhaben darf. Denn: «Jacques Dubochet hat in Trogen auf die Erfolgsspur seines Lebens gefunden, die Kantonsschule hat die Weichen gestellt.»

Doch Jacques Dubochet ist nicht der einzige Schüler, der es zu etwas gebracht hat: Mö­venpick-Gründer Ueli Prager, Ex-«Blick»-Chefredaktor Peter Übersax, die Unternehmer Max, Thomas und Stephan Schmid­heiny, Unternehmer Michael Hilti, Frauenrechtlerin Elisabeth Pletscher, alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz, Robert Holzach, Verwaltungsratspräsident der Schwei­zerischen Bankgesellschaft. Das sind einige der berühmten Ex-Trogener-Schülerinnen und -Schüler.

In Trogen fern von bösen Verlockungen der Stadt

Ihre Blütezeit hatte die Kanti Trogen vor allem in den 1910er- bis 1930er-Jahren. Unter Rektor Ernst Wildi stiegen die Schülerzahlen markant, Eltern aus Japan, USA, Südamerika wollten ihre Kinder nach Trogen schicken. Das lag zum einen an Mundpropaganda, sagt Gerold Ebneter. Er ist Archivar und Mediathekar des Gymnasiums, im Auftrag des Ausserrhoder Staatsarchivs durchforstet er die alten Akten, Unterlagen und Dokumente der Kantonsschule. Er hat die Wikipedia-Einträge verfasst, und er sagt: Industrielle und Unternehmer waren untereinander vernetzt. Es sprach sich rum, dass die Kinder in Trogen eine gute Ausbildung erhielten.

Dort, mitten in den Appenzeller Hügeln, ohne öffentliche Verkehrsanbindung, waren die Jugendlichen fern von den bösen Verlockungen der Grossstadt. Kein Kino, kein Alkohol, kein Varieté, stattdessen gute Appenzeller Höhenluft und permanente Aufsicht durch Lehrer oder Dorfbewohner. «Diese Abgeschiedenheit war für viele Eltern ein wichtiger Grund, ihre Sprösslinge nach Trogen zu schicken», sagt Ebneter. So war das auch beim ehemaligen «Blick»-Chefredaktor Peter Übersax. «Ich bin, wie man so sagt, in Basel ‹vom Charä gheit›. Ich hatte in einem Alter, in dem man so etwas damals noch nicht für statthaft hielt, eine Liebesaffäre», erzählte er einmal in einem Interview. Er wurde aus der Schule geworfen und kam nach Trogen.

Mövenpick-Gründer auf Strolchenfahrt

Ebneter betont: Trogen sei keine Eliteschule gewesen, Bauernkinder und Industriellensprösslinge wurden gleich behandelt. Auch diese Bodenständigkeit wurde geschätzt. Wer die Schule besuchte, musste in Trogen schlafen und essen. Da das Schulkonvikt aber nicht alle Schüler aufnehmen konnte, entstand ein reges Pensionatsleben im Dorf. Die Lehrer verdienten schlecht, sie nahmen 4 bis 40 Schüler in Pension. Zur Blütezeit gab es im Dorf 49 Pensionen für knapp 260 Schülerinnen und Schüler. Diese Ära endete mit dem Aufkommen der öffentlichen Verkehrsmittel in den 1970er-Jahren.

In dieser Zeit schwand auch Trogens Exklusivität. Andere Kantonsschulen entstanden, mehr innerkantonale als ausserkantonale Schüler besuchten nun die Ausserrhoder Kanti. Und heute ist es eine Kantonsschule wie jede andere auch. Die stolz ist auf ihre Geschichte – gegründet 1821 als «Lehr- und Erziehungsanstalt für die Söhne der gebildeten Stände» – und auf die stattliche Liste berühmter Absolventen. Für Gerold Ebneter sind dabei neben alt Bundesrat Merz vor allem Ueli Prager und Elisabeth Pletscher die herausragendsten Persönlichkeiten, die Trogen hervorgebracht hat.

Ueli Prager, Unternehmer, Gründer Mövenpick, Kanti Trogen 1929–1935. (Bild: KEYSTONE)

Ueli Prager, Unternehmer, Gründer Mövenpick, Kanti Trogen 1929–1935. (Bild: KEYSTONE)

Der Mövenpick-Gründer und Hotelierssohn besuchte die Kanti von 1929 bis 1935. Er war wohl ein Lausbub: Im Archiv der Kanti findet sich ein Briefwechsel über eine Lausbubenspritzfahrt mit dem Auto seines Vaters, bei der es zu einem Unfall kam, glücklicherweise jedoch niemand verletzt wurde. Später enthüllte Ueli Prager, dass er fast von der Schule geflogen wäre, weil in seiner Nachttischschublade ein Aufklärungsbuch gefunden wurde. Prager blieb der Schule Zeit seines Lebens verbunden, er vermachte ihr gar eine Stiftung. Die Zeit in Trogen habe einen entscheidenden Grundstein für sein Leben gelegt: Charakter, Herzlichkeit und Teamgeist seien auch im Gastgewerbe zentrale Anforderungen.

Elisabeth Pletscher, Frauenrechtlerin, Cheflaborantin Unispital ZH, Kanti Trogen 1921–1928. (Bild: KEYSTONE)

Elisabeth Pletscher, Frauenrechtlerin, Cheflaborantin Unispital ZH, Kanti Trogen 1921–1928. (Bild: KEYSTONE)

Elisabeth Pletschers Verhältnis mit Schmidheiny

Auch Elisabeth Pletscher blieb der Kanti lange verbunden. Sie besuchte diese von 1921 bis 1928, als eines der ersten Ausserrho-der Mädchen. Zwar hatte bereits 1895 der damalige Rektor befunden, man müsse auch Mädchen aufnehmen – es ging ihm allerdings mehr um seine Tochter als um Gleichberechtigung. Doch seitdem waren Mädchen in Trogen zugelassen. Pletscher wurde Jahre später zur ersten Präsidentin des Kantonsschulvereins Trogen gewählt. In dieser Position gründete sie dort das Mädchenkonvikt. Vorher konnten Mädchen nur in teureren Pensionen wohnen. Noch eine Anekdote weiss Ebneter: In einem Sketch, der in Elisabeth Pletschers Ausbildungszeit aufgeführt wurde, wurde ihr ein Verhältnis mit Max Schmidheiny angedichtet. Ob da ein wahrer Kern dran war? Die beiden haben sich zumindest gekannt, Schmidheiny machte ein Jahr vor Pletscher Matura.

Über den Nobelpreisträger ist nichts solches bekannt. Im Archiv finden sich keine Dokumente über den nun vielleicht berühmtesten Trogener Ex-Schüler.

Der letzte auf der Liste berühmter Absolventen Aufgeführte ist der Ausserrhoder Ständerat Andrea Caroni, Matura in Trogen 1999. Ist der alte Glanz der Schule dahin? Nein, sagt Gerold Ebneter. «In den nächsten fünf Jahren kommen sicher zwei weitere Namen auf die Liste der berühmten Absolventen.» Die aktuellen seien einfach noch zu jung, um schon berühmt zu sein.

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