Glosse

Kabel-TV und Senioren sind Auslaufmodelle

Seniorenwohnungen, Vaterschaftsurlaub, Maulkörbe und zerstrittene Kirchgemeinden: Was die Ostschweiz dieser Tage beschäftigt.

Silvan Lüchinger
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Silvan Lüchinger

Silvan Lüchinger

20 Angefragte sagten ab. Schliesslich erbarmte sich Toni Brunner der Appenzeller. Der Toggenburger Ex-Nationalrat wird neuer Präsident des Stoss-Schützenverbandes. Mit Brunner als Zugpferd will der Verband von zuletzt noch 400 auf wieder 1000 Teilnehmer am historischen Schiessen kommen. Wenn Brunner dereinst als Präsident zurücktritt, ist die Nachfolge bereits geregelt. Wie auch in Bern wird Esther Friedli übernehmen.

Das Haus «5egg» in Flawil ist bezugsbereit. Es bietet Seniorenwohnungen und Wohnungen mit Pflegeangebot, die Nachfrage ist vorhanden. Bis sie den Fernseher einschalten können, müssen sich die neuen Bewohner aber noch gedulden. Ein Kabelanschluss ist nämlich nicht vorhanden. Kabel-TV sei ein Auslaufmodell, meinen die Planer, und haben die Stecker weggespart. Wie wahr. Die Alten können ja miteinander singen statt fernsehen. Eine Brille brauchen sie dann grad auch nicht mehr.

Der Innerrhoder alt Nationalrat Arthur Loepfe engagiert sich im Komitee gegen den Vaterschaftsurlaub. Er ärgert sich über die Unersättlichkeit, mit der neue Sozialleistungen verlangt werden. Familie sei Privatsache, sagt der CVP-ler. «Wer Kinder will, muss sich halt organisieren.» Wer keine mehr will, hat gut reden.

In der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg ist der Wurm drin. Das Pastoralteam und die Kirchenverwaltungen sind so zerstritten, dass es zu einer ganzen Reihe von Abgängen kommt. Dabei wäre die Sache so einfach: «Liebet einander, wie ich Euch geliebt habe», heisst es im Johannesevangelium. Höher im Kurs als die Bibel scheint im Toggenburg aber Schillers Wilhelm Tell zu stehen: «Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.»

Eigentlich sollte ja der Advent eine besinnliche Zeit sein. Im Fürstentum ist das anders. Ab 15. Dezember gelten im Liechtensteiner öffentlichen Verkehr neue Tarife – und Maulkorbpflicht für alle Hunde, die nicht in einem Behälter transportiert werden können. Seit das bekannt ist, verbeissen sich Befürworter und Gegner ineinander. Viel Lärm um nichts, muss man feststellen. Wie gross die Behälter sein dürfen, steht nämlich nirgends geschrieben.

Salmsacher Eltern haben angeregt, dass Väter und Mütter künftig mit den Lehrern Duzis sein sollten. Die Schulkommission kann sich für die Idee nicht begeistern. Dabei hat sie viel für sich. Wie soll man ein Kind in die Kanti bringen, wenn man mit dem Lehrer per Sie ist? Anzustreben ist das Du. Wenn die Aufnahmeprüfung in die Hosen geht, kann man dem fehlbaren Lehrer immer noch wieder «Sie Tubel» sagen.