Kreisgericht Mels
Vier Messerstiche wegen 1000 Franken Schulden: Mann aus Österreich zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt

Ein Italiener aus Österreich ersticht in der Schweiz fast einen Kollegen wegen Geldschulden. Das Kreisgericht in Mels spricht ihn nun der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig und verhängt fünfeinhalb Jahre Gefängnis.

Reinhold Meier
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Der Angeklagte verletzte sein Opfer mit vier Messerstichen zwischen Bauchnabel und Brustbein.

Der Angeklagte verletzte sein Opfer mit vier Messerstichen zwischen Bauchnabel und Brustbein.

Symbolbild: Kantonspolizei St.Gallen

Es ging ums Geld. Das spätere Opfer war dem Angeklagten 1000 Franken schuldig, konnte den Betrag aber nicht zurückzahlen. So traf man sich diesseits des Rheins, am Wohnort des Opfers, um die Sache zu besprechen. Es gab Streit, man plante, den Disput im Freien fortzusetzen, fuhr mit dem VW-Bus ins Toggenburg hinauf und stritt sich in einem Waldstück weiter. Der Beschuldigte wurde dabei handgreiflich, versetze seinem Schuldner Ohrfeigen, schlug dann mit den Fäusten zu und schliesslich mit einem Holzstück.

Streit eskaliert im Schlafzimmer

Unter diesem Druck einigte man sich, dass der Schuldner sein Fernsehgerät als Pfand herausgeben sollte. Also, zurück in die Wohnung. Dort schnappte sich der Angeklagte den Fernseher, um ihn in sein Auto zu laden. Doch das wollte nun der Andere wieder nicht, nahm ihm den TV wieder weg. Irgendwie landete man im Schlafzimmer. Da zückte der Angeklagte ein Messer aus der Hosentasche und stach viermal auf sein Opfer ein, zwischen Bauchnabel und Brustbein.

Anstatt ins Spital zu gehen, kümmerten sich die beiden erst einmal um frische Kleider und provisorische Verbände aus Küchenpapier. Dann fuhren sie in der Gegend herum, kauften sich an einer Tankstelle etwas ein und gelangten schliesslich in den Raum Sargans. Erst mindestens nach zwei Stunden nach der Tat, womöglich noch länger, lieferte der Mittdreissiger sein Opfer endlich zur ärztlichen Behandlung ab.

Er selbst fuhr danach über die Grenze ins Landeskrankenhaus nach Feldkirch und liess dort seine eigene Handverletzung behandeln. Sei beim Bergsteigen passiert, gab er an. Beim Opfer wurden derweil Stiche in der Lunge, dem Dünndarm und der Leber diagnostiziert, zudem Hämatome an Kopf und Gliedern.

Angeklagter bereut die Tat und weint täglich

Die Ermittler stellten rasch den Zusammenhang zwischen den beiden Behandlungen her. So fiel der Verdacht bald auf den Angeklagten. Er hatte zwar bei der ersten Einvernahme noch herumgedruckst und sich als Retter des Opfers dargestellt, schliesslich habe er ja für Erste Hilfe gesorgt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch keinen Anwalt, später gestand er seine Tat vollständig. Ausserdem beschäftige ihn die Sache sehr, er weine viel, praktisch jeden Tag und würde alles tun, um die Tat rückgängig zu machen, zeigt er sich reuig.

Er machte jedoch geltend, er sei auch provoziert worden. Als das Opfer etwa im Schlafzimmer eine Schublade öffnete, habe er befürchtet, dass es ein Messer suche. In dieser unübersichtlichen Situation sei es dann zum Handgemenge mit den Stichen gekommen. Deutlich wurde auch, dass seelische Instabilitäten in der Dynamik zwischen den Kontrahenten eine wichtige Rolle spielten. Namentlich der Beschuldigte hatte nach einer frühen Leidensgeschichte kaum je richtig ins Leben finden können.

Lange Freiheitsstrafe und Therapie

Die Anklage wollte einen Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und qualifizierter Körperverletzung. Sie forderte fünfeinhalb Jahre Freiheitsentzug und zehn Jahre Landesverweis, zudem eine therapeutische Massnahme im Strafvollzug. Auch für den Verteidiger standen Schuldspruch und Landesverweis ausser Frage, er plädierte jedoch für ein geringeres Strafmass von drei Jahren und hob die dringende Notwendigkeit einer Behandlung und Therapie hervor.

Das Gericht entschied antragsgemäss. Das Strafmass setzte es bei fünfeinhalb Jahren fest, wobei die fünfmonatige Untersuchungshaft angerechnet wird, ebenso wie der schon laufende vorzeitige Strafvollzug. Dem Opfer sprach es eine Genugtuung von 5000 Franken zu und verwies weitere Forderungen auf den Weg des Zivilprozesses. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von rund 30'000 Franken obliegen dem Verurteilten. Er muss auch die Kosten für die Vertretung des Opfers übernehmen sowie die Genugtuungsleistung.

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