Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Junge St.Galler Witwe: «Der Weg zum neuen Glück ist hart, aber machbar»

Vor einem Jahr startete die junge Witwe Martina in ein neues Abenteuer: Sie zog mit ihren beiden Mädchen, ihrem neuen Partner und dessen Sohn in ein Haus im Kanton St.Gallen. Inzwischen gehört auch eine gemeinsame Tochter dazu – das einzige Kind der Familie, das mit Mama und Papa aufwachsen kann.
Maria Kobler-Wyer
Martina zeigt auf dem Laptop ein Bild mit ihren drei Töchtern: Sie will anderen Witwen helfen, wieder glücklich zu werden. (Bild: Ralph Ribi)

Martina zeigt auf dem Laptop ein Bild mit ihren drei Töchtern: Sie will anderen Witwen helfen, wieder glücklich zu werden. (Bild: Ralph Ribi)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Das Haus liegt etwas abgelegen an einem Waldesrand im Kanton St.Gallen, im Garten stehen ein Pool, ein Trampolin, eine Reckstange und eine Schaukel – ein richtiges Paradies für Kinder. Hier wohnt die junge Witwe Martina* seit rund einem Jahr, zusammen mit ihren beiden Mädchen, ihrem Partner* und dessen Sohn. Seit eineinhalb Jahren gehört ein weiteres Mädchen zur Familie. Sie ist die gemeinsame Tochter des Paares. «Sie ist ein kleiner Sonnenschein», sagt Martina. Speziell ist auch ihr Geburtstag: Sie ist im Juni geboren – in dem Monat, in welchem ihr Mann vor fünf Jahren verstorben ist. «Jetzt kann ich mich wieder auf diesen Monat freuen», sagt Martina. «Für mich ist das ein Zeichen von Marco.»

Die Kleinste ist zudem das einzige Kind der Familie, das mit seinen leiblichen Eltern aufwachsen darf. «Aber niemand ist eifersüchtig auf sie», sagt die 33-Jährige. «Das finde ich sehr spannend.» Im Gegenteil: Das kleine Mädchen wird von allen verwöhnt. Die achtjährige Tochter sagte einmal:

«Sie hat Glück, dass sie einen Papa hat.»

Die Zweitklässlerin verlor ihren eigenen Vater, als sie zweieinhalb Jahre alt war. Ihre Schwester war damals erst neun Monate alt. In Erinnerung an ihren Papa, der an einem Hirntumor verstarb, wünschten sich die beiden Mädchen am neuen Wohnort ein Plätzchen im Garten, das alle sehen können. «Mein Partner hat das Papi-Plätzli hergerichtet», sagt Martina. «Das zeigt mir, wie viel ihm meine Töchter bedeuten.»

Ein Plätzchen für den verstorbenen Papa: Die Mädchen haben das Herz im Garten liebevoll dekoriert. (Bild: Ralph Ribi)

Ein Plätzchen für den verstorbenen Papa: Die Mädchen haben das Herz im Garten liebevoll dekoriert. (Bild: Ralph Ribi)

Überhaupt windet Martina dem neuen Mann an ihrer Seite ein Kränzchen. «Er ist sehr fair, er benachteiligt niemanden», sagt sie. «Er macht keinen Unterschied zwischen seinen und meinen Kindern.» Als alleinerziehender Vater kennt auch er die Situation, die ganze Verantwortung für ein Kind zu tragen. Obwohl Martina die Zeit, welche sie alleine mit den Kindern gewohnt hat, nicht negativ in Erinnerung hat, freut sie sich nun, dass sie von ihrem Partner unterstützt wird. «Allerdings muss ich jetzt auch mehr Kompromisse eingehen», sagt die dreifache Mama. In der Familie soll es Platz für die Bedürfnisse jedes einzelnen haben. «Das ist der Schlüssel zum Ganzen und zugleich eine grosse Herausforderung. Aber ich denke, dass das in jeder Familie so ist.»

Kreativität und Sport helfen

In ihrer Familie hat es auch viel Platz für Emotionen. Immer wieder gibt es schwere Momente zu bewältigen – etwa an Geburtstagen oder an Weihnachten. In solchen Situationen brauche es mehr Verständnis. «Mein Partner nimmt nicht alles persönlich», sagt Martina. «Das finde ich bewundernswert.» Immer wieder tauchen auch Verlustängste auf – gerade bei ihrer Ältesten. «Seit unserem Umzug hat sie aber einen Riesenwandel durchgemacht», sagt Martina. «Sie hat einen anderen Gesichtsausdruck und ist viel selbstbewusster.» Das Mädchen kann genau benennen, was es bedrückt. Sie sagt etwa: «Ich bin traurig, weil Papa nicht da ist.» Ausserdem ist sie sehr kreativ und hat viele Ideen. «Wie ihr Vater», sagt Martina. Ihre sechsjährige Schwester drückt ihre Gefühle mit Sport statt Worten aus. «Sie kann schon mal eine Stunde auf dem Trampolin springen», sagt Martina.

Für sie selber ist der Austausch mit einer Kollegin wichtig, die im gleichen Monat wie Martina ihren Mann verloren hat. Kraft und Stärke tankt die 33-Jährige aber auch aus ihrem Urvertrauen. «Nach dem Tod von Marco habe ich mich gefühlt wie ein Computer, der auf null heruntergefahren wurde», sagt die Witwe.

«Ich habe nur noch funktioniert und mich gefragt, was ich zum Leben brauche.»

Dabei sei ihr bewusst geworden, wie wenig man zum Leben brauche. «Was nicht zu mir gehört, habe ich losgelassen», sagt sie. «Ich habe meinen inneren Frieden gefunden.»

Facebook-Gruppe für Witwen

Deshalb möchte die St.Gallerin nun auch anderen Verwitweten helfen, wieder ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Auf Facebook hat sie die Gruppe «Angel in Heaven – Wir sind nicht alleine» zum Austausch eingerichtet. Bereits zwei Treffen haben stattgefunden, an denen Verwitwete und ihre Kinder Schicksale, Geschichten und Gefühle teilen konnten. Sie möchte Betroffenen Tipps geben, was sie tun können, um sich besser zu fühlen. Denn: «Der Weg zum neuen Glück ist hart», sagt Martina. «Es ist aber machbar, wenn man bereit ist, das Erlebte zu verarbeiten.» So wünscht sie sich, dass auch die anderen Verwitweten wie sie wieder sagen können: «Ich bin glücklich und zufrieden.» Allerdings stellt sie fest, dass in der Bevölkerung Tod und Trauer immer noch sehr negativ behaftet sind und viele nicht gerne darüber reden. «Ich hatte früher selber Angst vor dem Tod», sagt Martina. «Heute weiss ich, dass ich keine Angst davor haben muss.»

Dankesfest im Garten

Martina hat in den vergangenen fünf Jahren viel Unterstützung erhalten – besonders von ihrer Schwiegermutter. «Sie hat ein grosses Herz und ist immer für uns da», sagt die 33-Jährige. Aber auch zahlreiche weitere Menschen haben Martina auf ihrem Weg begleitet. Um ihnen allen zu danken, organisierte sie Ende Juni ein Fest. «Alles hatte mit Marco zu tun. Mit dem Dankesfest wollte ich zugleich Marcos 40. Geburtstag feiern sowie an seinen fünften Todestag erinnern», sagt Martina. Das Fest konnte bei wunderschönem Wetter stattfinden, alles klappte wie erhofft. «Ich wusste, dass es perfekt wird», sagt die junge St.Gallerin. «Das war ein Zeichen von Marco.»

Eine glückliche Familie

Das Dankesfest fand im Garten vor dem Haus statt. Dort steht auch ein kleines Häuschen – der Lieblingsplatz von Martina. Hierhin zieht sie sich gerne zurück. Manchmal sitzt aber auch ihr Partner neben ihr.

«Dann bestellen wir uns eine Pizza und geniessen die Zeit als Paar», sagt Martina.

Denn seit sie zusammenwohnen, ist es nicht einfacher geworden, bewusst Zeit zu zweit zu verbringen. Ihr neues Glück hat die junge Witwe aber zweifelsohne gefunden.

Auch die Mädchen fühlen sich wohl in ihrem neuen Zuhause. Die Zweitklässlerin malt am Gartentisch, die Kindergärtnerin übt an der Reckstange, die Kleinste strahlt über beide Backen und verschickt Küsschen – Bilder einer glücklichen Familie. Einer Familie, die nach allem, was sie erlebt hat, ihr Glück besonders zu schätzen weiss.

* Das Paar möchte nicht mit ganzem Namen erwähnt werden

«Jung verwitwet und trotzdem glücklich»

Seit rund 2,5 Jahren schreibt Martina auf Facebook ihren Blog «Jung verwitwet und trotzdem glücklich». Hier gibt sie einen Einblick in ihr Familienleben. Sie möchte mit ihrem Blog aufzeigen, dass es trotz schwierigen Umständen möglich ist, ein positives und glückliches Leben zu führen. (maw)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.