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Junge Ostschweizer in der Schuldenfalle: Wie sieht die Prävention an Schulen aus?

Lehrlinge gehen gut mit ihrem Geld um, wie eine Studie zeigt. Die Zahl der verschuldeten 20- bis 30-Jährigen ist hingegen hoch. Der Leiter der Schuldenberatung Caritas St.Gallen/Appenzell fordert mehr Prävention.
Katharina Brenner
Der durchschnittliche Lohn der befragten Lehrlinge liegt bei 750 Franken pro Monat.(Bild: Walter Bieri/Keystone)

Der durchschnittliche Lohn der befragten Lehrlinge liegt bei 750 Franken pro Monat.(Bild: Walter Bieri/Keystone)

Die 20- bis 30-Jährigen sind nicht nur verstärkt von Schulden betroffen, sie suchen auch vermehrt Rat. Die Zahl der 18- bis 25-Jährigen in der Schuldenberatung Caritas St.Gallen/Appenzell nimmt zu. Warum? Lorenz Bertsch, Leiter der Schulden­beratung, nennt zwei Gründe. Wer keine Lehre gemacht oder mehrere abgebrochen habe und mit Mitte 20 im Tieflohnsegment arbeite, sei besonders gefährdet.

Der zweite Grund: mangelnde Finanzkompetenz. Ob Kantischüler oder nicht – der Bildungsgrad sage nichts übers ­Finanzwissen aus. Dieses sollte gemäss Bertsch Teil der Allgemeinbildung sein. Mit dem Lehrplan 21 habe sich das gebessert. Der Verein Finance Mission will Jugendlichen spielerisch Finanzkompetenz vermitteln. Er stellt ein digitales Lernspiel und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Träger sind das Syndicat des Enseignants Romands, der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz sowie die Schweizerischen Kantonalbanken.

Wer den ersten Lohn erhalte, müsse beispielsweise wissen, wie hoch die Miete sein dürfe, sagt Bertsch. Er sieht Ausbildungsstellen, Schulen und vor allem Berufsschulen in der Verantwortung. Wenn Kapazitäten fehlten, sollten sie sich Hilfe von Externen holen können. Seine Stelle erhalte öfters Anfragen, müsse aber häufig absagen, da die Ressourcen fehlten.

Budget und Umgang mit Geld als Teil des Unterrichts

Serge Ludescher vom St.Galler Amt für Berufsbildung verteidigt die Berufsfachschulen: Alle Lernenden, unabhängig vom Bildungsgang, hätten während ihrer Ausbildung allgemeinbildenden Unterricht oder wirtschaftliche Fächer, in denen die Themen Budget und Umgang mit Geld und Lohn behandelt werden.

«Wir können daher sicherstellen, dass alle unsere Lernenden im Laufe ihrer Ausbildung mit diesem Thema konfrontiert und ­darauf sensibilisiert werden.»

Wie sieht es an den Volksschulen aus? «Die Schülerinnen und Schüler der Volksschule werden auf der Oberstufe im Fach Wirtschaft mit verschiedenen Finanzaspekten konfrontiert», sagt Alexander Kummer, Leiter des St.Galler Amts für Volksschule. In diesem Fach würden die Lehrpersonen wichtige Kompetenzen zu Themen wie Budgetplanung, Schuldenspirale, Jugendverschuldung oder Vertragsbedingungen vermitteln. «Die Volksschule hat die Aufgabe, die Erziehungsberechtigten in der Erziehung der Kinder zu lebensbejahenden, tüchtigen und gemeinschafts­fähigen Menschen zu unterstützen.» Dabei dürfe nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Hauptverantwortung bei den Erziehungsberechtigten liegt.

Besseres Finanzwissen in der Deutschschweiz

Aufschlüsse über das Finanzverhalten von Lehrlingen gibt eine Prognos-Studie im Auftrag des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken. Rund 1000 Lehrlinge aus der ganzen Schweiz und aus verschiedenen Branchen wurden befragt. Ihr durchschnittlicher Lohn liegt bei 750 Franken; bei den meisten zahlen die Familien für Wohnen und Essen.

Ergebnisse für einzelne Kantone liegen nicht vor, nur für die Sprachregionen. In der Deutschschweiz haben Schülerinnen und Schüler ein besseres Finanzwissen als in der Romandie. Nach der Schulzeit hält dieser Unterschied an: Die Lehrlinge in der Deutschschweiz beantworteten signifikant mehr Fragen zum Finanzwissen korrekt als Lehrlinge aus anderen Sprachregionen.

Erkenntnisse der Studie: Die Befragten verfügen über gute praktische Kenntnisse vor allem bei Finanzthemen, mit denen sie im Alltag konfrontiert sind.

«Bei Finanzfragen, welche beim Übergang zur Selbstständigkeit für die Jugendlichen relevant werden, sehen sie weniger gut aus – wie etwa bei Versicherungsthemen oder der Verzinsung von Ersparnissen.»

Interessant ist der Unterschied beim Alter: Über 40 Prozent der Befragten unter 18 Jahren gehen konsequent sparsam mit Geld um. Von den 20- bis 24-jährigen Befragten sind es ­lediglich noch 15 Prozent – die Altersgruppe, die vermehrt Rat bei der Schuldenberatung Caritas St.Gallen/Appenzell sucht.

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