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«Junge wollen sich gesellschaftlich nicht mehr engagieren»: Der Ostschweiz gehen die Blutspender aus

Die Nachfrage nach Spenderblut ist in der Ostschweiz kürzlich massiv gestiegen. Gleichzeitig fehlt es an Blutspendern. Grund dafür ist die überalterte Gesellschaft – aber auch, dass weniger Junge zur Spende bereit sind.
Urs-Peter Zwingli
Die Stiftung Blutspende SRK Ostschweiz braucht etwa 12000 Blutprodukte pro Jahr. Es gibt aber nur noch etwa 7000 Spenderinnen und Spender – Tendenz sinkend. (Bild: Michel Canonica)

Die Stiftung Blutspende SRK Ostschweiz braucht etwa 12000 Blutprodukte pro Jahr. Es gibt aber nur noch etwa 7000 Spenderinnen und Spender – Tendenz sinkend. (Bild: Michel Canonica)

Im Osten der Stadt St.Gallen fliesst Blut. Rund 6000 Liter des Lebenssaftes werden im dortigen Blutspendezentrum jährlich entnommen, aufbereitet und an Spitäler und Kliniken weiterverkauft. Doch nun droht das Blut langfristig knapp zu werden. Wie die Stiftung Blutspende SRK Ostschweiz in einem Aufruf schreibt, ist die Nachfrage nach Blutprodukten in den letzten Monaten «massiv gestiegen», während die Spenderzahlen sinken. «Zwar konnte der Bedarf der Spitäler bislang gedeckt werden. Steigt die Nachfrage aber weiterhin, fehlt es dauerhaft an Blutspendern», heisst es im Aufruf, der etwa via Flyer in der Öffentlichkeit gestreut wird.

«Im vergangenen Jahr haben wir zwischen 500 und 1000 Blutprodukte mehr gebraucht als im Vorjahr. Dies bei einem Jahresbedarf von rund 12000 Produkten», präzisiert Jutta Thierbach, Ärztin und Geschäftsleiterin der Stiftung Blutspende SRK Ostschweiz. Genaue Zahlen lägen noch nicht vor, dennoch sei es schon jetzt dringend nötig, neue Spender zu gewinnen. «Wir spüren die Überalterung der Gesellschaft: Viele Spender, die jahrzehntelang zu uns gekommen sind, scheiden aus Sicherheitsgründen aus, wenn sie um die 65 bis 70 Jahre alt sind. Gleichzeitig rücken zu wenig Junge nach», sagt Thierbach. Von einem Notstand sei man zwar weit entfernt, der aktuelle Blutbedarf sei gedeckt. «Doch wir müssen eine nachhaltige Versorgung für die nächsten Jahre sichern.»

Tatsächlich nahm die Spenderzahl im Kanton St.Gallen und beiden Appenzell von 2015 bis 2017 um über 500 Personen auf rund 7000 ab, wie es im letzten Jahresbericht der Stiftung heisst. Diese versorgt alle Spitäler und Kliniken in den drei Kantonen mit Blutprodukten. Dazu gehören Blutkonserven sowie vom Blut separierte Thrombozyten (Blutzellen, die die Gerinnung unterstützen). Eine grosse Region ist also auf den Blutfluss aus der Stadt St.Gallen angewiesen. Rund die Hälfte des Spenderblutes wird bei mobilen Spendeaktionen abgezapft, verarbeitet wird aber alles zentral.

Gemeinsam Spenden und Kaffee trinken – das ist vorbei

Jutta Thierbach erklärt sich die «fehlende Spendergeneration» mit der demografischen Entwicklung – aber auch mit geänderten Lebensgewohnheiten: «Früher war Blutspenden insbesondere auf dem Land ein sozialer Anlass, nach dem man gemeinsam den offerierten Kaffee trank. Heute funktioniert das aber immer weniger, für städtische Gebiete gilt das umso mehr.» Sie vermute zudem, dass die Blutspende mit einer sinkenden Bereitschaft der jüngeren Generation konfrontiert sei, sich gesellschaftlich zu engagieren. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei anderen freiwilligen Tätigkeiten.

In den vergangenen Jahren hat die Stiftung ihre Marketingmassnahmen verstärkt. Etwa mit einem neuen Werbeauftritt und regelmässigen Spendenaufrufen auf Social Media. Dazu gehören auch kreative Aktionen: So erhielten Neuspender vorübergehend Gutscheine für eine Olma-Bratwurst oder ein Kinoticket. Im Sommer 2018 wurden zudem Tickets fürs Open Air St.Gallen unter Erstspendern verlost. Parallel dazu werden regelmässige Blutspender ans Spenden erinnert. Das Ziel der Stiftung ist, so «Stammkunden» zu gewinnen, die über Jahre dabeibleiben.

«Blutbedarf ist nur begrenzt planbar»

Was zum erhöhten Blutbedarf geführt hat, kann Thierbach nicht abschliessend sagen. Sie vermute ganz einfach eine gestiegene Patientenzahl in den Spitälern und Kliniken. Grundsätzlich gehe die Entwicklung in der Medizin nämlich dahin, dass weniger Blutprodukte gebraucht würden: Verbesserte Operationstechniken verursachen geringere Blutverluste, und für Blutanalysen werden Patienten kleinere Probenmengen entnommen. Zudem werden Bluttransfusionen tendenziell später eingesetzt. «Die aktuelle Entwicklung mit kurzfristigen Spitzen in der Nachfrage zeigt aber, dass der Blutbedarf trotz komplexer Steuerungssysteme nur begrenzt planbar ist», sagt Thierbach. Eben darum sei man auf eine solide, auch flexibel auf Aufrufe reagierende Spenderbasis dringend angewiesen.

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