Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Junge Albaner in der Schweiz beherrschen ihre Muttersprache oft nur noch mündlich»

Wie lange halten Einwanderer an ihrer Herkunftssprache fest? Entscheidend sei die Grösse der Gemeinschaft und ihr innerer Zusammenhalt, sagt Albanologe Basil Schader.
Michael Genova
Fans der albanischen Fussballnationalmannschaft feiern den 1:0 Sieg gegen Rumänien an der Europameisterschaft 2016 in der Innenstadt von St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Fans der albanischen Fussballnationalmannschaft feiern den 1:0 Sieg gegen Rumänien an der Europameisterschaft 2016 in der Innenstadt von St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Die häufigste Fremdsprache im Kanton St.Gallen ist Albanisch und wird meist von Einwanderern aus Mazedonien und Kosovo gesprochen. Dass Albanisch die Rangliste anführe, hänge mit der Grösse der hiesigen albanischen Gemeinschaft zusammen, sagt Basil Schader, Albanologe und emeritierter Dozent an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Die Grösse der Gemeinschaft sowie ihr innerer Zusammenhalt bestimmten massgeblich, wie lange eine Einwanderergruppe an ihrer Sprache festhalte. Auch der regelmässige Besuch der Herkunftsländer in den Ferien sei wichtig, sagt Schader.

Basil Schader, Albanologe und emeritierter Dozent an der Pädagogischen Hochschule Zürich (Bild: PD)

Basil Schader, Albanologe und emeritierter Dozent an der Pädagogischen Hochschule Zürich (Bild: PD)

Als Beispiel für einen besonders langen Spracherhalt nennt er die Amish People in Amerika und Kanada, die ab 1720 aus der Schweiz und Süddeutschland einwanderten. «Sie haben ihr altertümliches Deutsch teilweise bewahrt.» Der Grund: Als stark abgeschlossene Gemeinschaften pflegen sie kaum Beziehungen zur umliegenden Gesellschaft. Eine vergleichbare Parallelgesellschaft bilden heute die Türken im Berliner Viertel Kreuzberg.

Im Laufe der Zeit können sich die Sprachkenntnisse von Migranten allerdings auch verändern. «Die jungen Albaner in der Schweiz beherrschen ihre Muttersprache oft nur noch in mündlicher Form», sagt Schader. Viele sprächen ein sehr dialektal gefärbtes Albanisch. Die Sprachkenntnisse reichten zwar noch immer aus, um sich in ihrer Gemeinschaft zu verständigen.

«Doch von der albanischen Schriftsprache sind sie abgeschnitten.»

Diese Veränderung habe unter anderem damit zu tun, dass im Gegensatz zu früher weniger albanische Kinder den Unterricht in heimatlicher Sprache und Kultur besuchen. Die Zäsur kam laut Schader mit dem Kosovo-Krieg im Jahr 1999. Bis dahin schickten viele Eltern in den Sprachunterricht, weil sie ihre Kinder auf eine mögliche Rückkehr in die alte Heimat vorbereiten wollten. Nach dem Krieg kam ihnen diese Perspektive abhanden – die Schweiz wurde zum neuen Bezugspunkt.

In der dritten Generation ist die Herkunftssprache bedroht

Die Secondos, die zweite Generation von Zuwanderern, sind meist noch stark in der Sprache ihrer Eltern verwurzelt. In der dritten Generation könne es vorkommen, dass nur noch passive Kenntnisse der Ursprungssprache vorhanden seien, sagt Stephan Schmid, Titularprofessor für italienische Sprachwissenschaft an der Universität Zürich. «Wenn hingegen beide Elternteile Secondos sind, lebt die Ursprungssprache of auch in der dritten Generation weiter.»

Das Nebeneinander zwischen Herkunfts- und Ankunftssprache wird laut Schmid in der Wissenschaft mit dem 3-Generationen-Modell erklärt, das im Melting Pot USA entwickelt wurde. Während die erste Generation noch bruchstückhafte Kenntnisse der Sprache des Einwanderungslandes habe, sei die zweite Generation mehr oder weniger zweisprachig. In der dritte Generation seien schliesslich nur noch Fragmente der Herkunftssprache vorhanden.

Doch das ist eine Vereinfachung, wie ein Blick in die Schweiz zeigt. Sprachforscher fanden heraus, dass die erste Einwandergeneration in der Romandie und im Tessin die Umgebungssprache viel schneller annahm als in der Deutschschweiz. Dies könne damit zusammenhängen, dass zum Beispiel das Spanische mit dem Französischen und Italienischen verwandt ist. In der Deutschschweiz hingegen erschwert das Nebeneinander von Dialekt und Hochsprache die Integration der Zuwanderer.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.