Jugendliche raubten Passanten aus

Mit Messer und Schlagring ausgerüstet überfielen drei Jugendliche in der Stadt St. Gallen mehrere Passanten. Das Kreisgericht bestraft einen von ihnen mit Unterbringung, die anderen beiden mit bedingtem Freiheitsentzug.

Claudia Schmid
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ST. GALLEN. Drei Jugendliche – zwei Schweizer und ein Serbe – mussten sich gestern wegen qualifizierten Raubs und anderer Delikte vor Kreisgericht verantworten. Die heute 18-Jährigen verübten die Überfälle im vergangenen Jahr. In der Befragung des vorsitzenden Richters gaben sie sich kleinlaut. Sie hätten die Opfer ausgeraubt, um an Geld für den Ausgang zu kommen, erklärten sie. In der Zwischenzeit bereuten sie ihre Straftaten.

Bedroht und geschlagen

Die Beschuldigten überfielen die Passanten in unterschiedlicher Besetzung. Der junge Serbe war zunächst im April 2012 mit zwei anderen Kollegen in der Stadt St. Gallen unterwegs. Sie beschlossen, Geld zu beschaffen. Auf der Blumenaustrasse, der Singenbergstrasse und auf dem Kreuzbleicheweg trafen sie auf ihre späteren Opfer. Die nächste Raubserie ereignete sich im Herbst während der Olma-Zeit. Bei dieser waren auch die beiden anderen Jugendlichen dabei, die gestern vor Gericht standen. Auf der Burgstrasse, dem Kreuzbleicheweg und der Rickenstrasse in Bruggen hielten sie erneut Passanten an, um ihnen Geld und Handys abzunehmen.

Bei den sechs Überfällen gingen die Jugendlichen alles andere als zimperlich vor. Sie setzten Messer und Schlagring ein und schlugen die Opfer. Einem der Passanten fügten sie einen Messerstich zu, der laut Anklageschrift ohne medizinische Behandlung zu einem bedrohlichen Lungenkollaps hätte führen können.

Auf gutem Weg

Zwei der drei jungen Männer wurden in den vergangenen Monaten mit elektronischen Fussfesseln (Electronic Monitoring) überwacht statt ins Heim gesteckt. Dadurch konnten sie weiterhin in ihrem Elternhaus bleiben. Es handelt sich um ein Pilotprojekt (Ausgabe vom 2. Oktober). Alle drei stehen unter persönlicher Betreuung und befinden sich in einer Therapie. Ihr Therapeut stellte ihnen eine recht positive Prognose. Ihnen sei die Schwere ihrer Tat bewusst, und sie setzten sich ernsthaft damit auseinander, erklärte er an der Gerichtsverhandlung. Sie brauchten aber weiterhin Therapie, um künftig ein selbstverantwortetes Leben führen zu können. Eines ihrer Probleme sei die fehlende Empathie gegenüber ihren Opfern. Doch auch in diesem Punkt hätten sie Fortschritte gemacht.

Der Jugendanwalt beantragte für den Jugendlichen mit dem grössten Tatanteil eine Unterbringung, verbunden mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren, für die beiden anderen bedingte Freiheitsstrafen von zwei und zweieinhalb Jahren. Bei den meisten der Überfälle hätten die Beschuldigten bandenmässig gehandelt und ihre Opfer in Lebensgefahr gebracht.

Einsicht vorhanden

Die drei Verteidiger beantragten mildere Strafen. Sein Klient sperre sich nicht gegen die Unterbringung und werde dort bis zu seinem Lehrabschluss in drei Jahren bleiben, betonte der erste. Der Jugendliche habe keine einfache Jugend gehabt. Sein Vater sei wegen verübter Straftaten in seine Heimat ausgeschafft worden, seine Mutter nicht in der Lage, ihm den nötigen Halt zu geben. Der zweite Verteidiger erklärte, sein Mandant habe während des laufenden Strafverfahrens seine Lehre erfolgreich abgeschlossen. Dies sei ihm zugute zu halten. Für Jugendliche handle es sich um schwere Straftaten, sagte der dritte Verteidiger. Zum Glück hätten die Fälle rasch aufgeklärt werden können, damit für die Beschuldigten eine Wende eingetreten sei.

Therapie weiterführen

Das Kreisgericht St. Gallen verurteilte den jungen Serben zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Sie wird zugunsten einer Unterbringung in einer geeigneten Einrichtung aufgeschoben. Die beiden Schweizer erhielten bedingte Freiheitsstrafen von 20 und 14 Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren. Alle drei müssen eine Busse von 50 beziehungsweise 100 Franken bezahlen. Ausserdem ordnete das Gericht die Weiterführung der persönlichen Betreuung und der ambulanten Therapie an.

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