JUGENDDELEGIERTE: Für die Jugend nach New York

Jedes Jahr reist ein junger Schweizer oder eine junge Schweizerin an die UNO-Hauptversammlung nach New York. In diesem Jahr ist es die HSG-Studentin Sabine Fankhauser.

Arcangelo Balsamo
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Sabine Fankhauser studiert und lebt seit zwei Jahren in St. Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Sabine Fankhauser studiert und lebt seit zwei Jahren in St. Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Arcangelo Balsamo

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@tagblatt.ch

Seit zwei Jahren studiert und lebt Sabine Fankhauser in St. Gallen. Ihr Studienfach: Internationale Beziehungen. Ihr Lieblingsort in der Stadt: Drei Weieren. Die Olma ist für sie «der Hammer» und das Säulirennen «mega cool». Die 21-Jährige fühlt sich ­offensichtlich wohl in der Ostschweiz. Und wenn sie beginnt, von ihrer Wahlheimat zu schwärmen, könnte man meinen, sie stamme aus der Region. Ihr Dialekt lässt sie jedoch auffliegen. Die HSG-Studentin ist in Riehen, einem kleinen Vorort von Basel, aufgewachsen. Das hört man.

Seit Beginn des Jahres ist Sabine Fankhauser UNO-Jugenddelegierte. Anfang Oktober reist sie nach New York und vertritt an der Hauptversammlung die Anliegen der Schweizer Jugendlichen. Seit Mai hat sie sich dafür mit zahlreichen Jugendlichen in der Deutschschweiz getroffen. «Ich war bei Jungparteien, Jugendorganisationen und in Schulen, um mit möglichst vielen Jugendlichen über ihre Anliegen zu sprechen», so Fankhauser. Dabei habe sie zu Beginn versucht, einen gemeinsamen Nenner zu finden. «Ein Ding der Unmöglichkeit.» Mit regionalen Differenzen habe dies nichts zu tun. «Ein Ostschweizer Jugendlicher hat nicht zwangsläufig andere Anliegen als ein Zürcher oder ein Basler.» Entscheidender sei, ob man in einer Schule nachfrage oder in einer Organisation, die bestimmte Interessen vertritt, beispielsweise eine Jungpartei. «Klimaschutz war in Schulklassen ein viel grösseres Thema als sonstwo – abgesehen von den Jungen Grünen. Jugendparteien und -organisationen stuften dafür die Bildung wichtiger ein.» Oft genannte Themen seien auch Integration von Migranten, Digitalisierung, Frauenrecht, hierbei insbesondere die Lohngleichheit, und die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender.

Bewerbungsgespräch in drei Sprachen

Die Idee, sich einmal für das Amt der UNO-Jugenddelegierten zu bewerben, hatte die 21-Jährige vor etwa zwei Jahren. «In einem Magazin wurde die Delegierte, die nach New York an die Generalversammlung gehen durfte, vorgestellt und ich dachte mir: Wow, mega cool.» Daraufhin habe sie den Artikel herausgerissen und beiseite gelegt. «Vor einem Jahr bin ich beim Aufräumen zufällig darauf gestossen, und ich habe mich beworben.»

Wer Jugenddelegierter wird, entscheidet die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände, die in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten das Projekt leitet. Das Amt hat man jeweils für ein Jahr inne, und im Folgejahr fungiert man als Mentor für die ­neuen Delegierten.

Das Bewerbungsgespräch wird jeweils auf Englisch und in zwei Landessprachen geführt. In Fankhausers Fall: Deutsch und Französisch. «Es dauerte eineinhalb Stunden. Dabei wurde immer wieder die Sprache gewechselt», erinnert sie sich. Zu ihrem weiteren Sprachfundus zählt die Studentin auch Spanisch. Zudem würde sie gerne Arabisch lernen. «Im Moment fehlt mir aber die Zeit dazu.»

Sie wolle ihre «einmalige Chance», die Schweizer Jugend zu vertreten, möglichst gut nutzen. In dieser Zeit bleiben andere Aufgaben auf der Strecke. Beispielsweise ihre Funktion im Eventmanagement des HSG-Vereins «Student impact». Für ihren Einsatz als UNO-Jugenddelegierte erhält sie keinen Lohn. «Ich erhalte von der Uni voraussichtlich acht Kreditpunkte. Das ist gleich geregelt wie bei einem Praktikum. Nur verdient man dort», so Fankhauser. Dass man kein Geld erhalte, findet sie gut. «So melden sich nur Leute, denen die Aufgabe am Herzen liegt.» Es sei ihr ein grosses Anliegen, dass sich Jugendliche mehr einbringen können. «Schliesslich gehen die Dinge, die derzeit verhandelt werden, in Zukunft vor allem uns Jugendliche etwas an.» Deshalb möchte sie junge Menschen auch für die UNO und deren Anliegen sensibilisieren. «Es geht mir nicht darum, alle von der Organisation zu überzeugen. Sondern ich möchte, dass alle verstehen, um was es sich bei den Vereinten Nationen handelt. Ich habe nämlich festgestellt, dass dies viele in meinem Alter gar nicht wissen.»

«Es gibt zu wenig Jugenddelegierte»

In New York wird die Studentin die Eröffnungsrede für die Schweiz halten. Ausserdem organisiert sie ein Arbeitsfrühstück, an dem sie die Anliegen der Schweizer Jugendlichen vortragen wird. Deshalb habe sie aktuell auch viel um die Ohren.

Auf ihre Zeit in der US-Metropole freut sie sich bereits. «Ich bin vor allem gespannt auf die ­Jugenddelegierten der anderen Länder.» Zurzeit haben nur etwa 35 Länder Jugenddelegierte. «Wenn man bedenkt, dass die UNO 193 Mitgliedsstaaten zählt, ist das nicht genug», sagt Fankhauser. Deshalb werde sie sich auch dafür einsetzen, dass künftig mehr Länder mitmachen. Denn es liege an den Mitgliedsstaaten, die Delegierten zu stellen, und nicht an der UNO.

«Ich möchte für frischen Wind sorgen und aufzeigen, dass Jugendliche sich kreativ und innovativ einbringen können. Ja sogar sollten.» Es sei wichtig, dass man mehr auf die Jungen höre. «Schliesslich machen Jugend­liche rund 25 Prozent der Welt­bevölkerung aus.»

Ob der jungen Frau dies gelingt, wird sich in einer Woche zeigen, wenn sie an der UNO-Generalversammlung ihren bisher grössten Auftritt hat.