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JUGENDARBEIT: "Verbotene Pornos kursieren fast überall" - unterwegs mit dem Chef des Jugenddienstes der St.Galler Kantonspolizei

Minderjährige, die extra untertauchen, um in einer Vermisstmeldung aufzutauchen, gehören zu Cornel Bürklers Abteilung. Der Chef des Jugenddienstes der Kantonspolizei St. Gallen über seinen Berufsalltag.
Ursula Wegstein
Cornel Bürkler spielt mit: der Jugendpolizist am Freitagabend an der Eröffnung des Jugendtreffs Degersheim. (Bild: Michel Canonica)

Cornel Bürkler spielt mit: der Jugendpolizist am Freitagabend an der Eröffnung des Jugendtreffs Degersheim. (Bild: Michel Canonica)

Ursula Wegstein

ursula.wegstein@ostschweiz-am-sonntag.ch

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier:<strong><em>www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Oberbüren im Fürstenland. In einem Bürogebäude inmitten des Industriegebiets arbeiten fünf der insgesamt elf Polizistinnen und Polizisten des Jugenddienstes der Kantonspolizei St. Gallen.

«Nein. Bei uns war früher sicher nicht alles besser», sagt der Chef, Cornel Bürkler. Er spricht leise und überlegt. Einfach habe es die Jugend heute sicher nicht, sagt er in Anspielung auf die neuen Medien, welche den Alltag der Jungen prägen. «Dadurch haben wir heute alle mehr Druck. Unter den Jugendlichen kommt noch der Gruppendruck dazu.»

Cornel Bürkler, Anfang 40, trägt Jeans und Sneakers. Die Jugendsprache beherrscht er aus dem Effeff. Als Kind wollte er mal Polizist, mal Pilot werden. Nach einer Ausbildung zum Sanitärzeichner hat er sich dann doch für die Polizei entschieden. Inzwischen ist er seit 18 Jahren bei der Kantonspolizei St. Gallen, davon elf Jahre im Jugenddienst.

Die 48-Stunden- Challenge

Was ihn nach seinem Frühsport vor allem antreibt, ist die Abwechslung. Er weiss nie genau, was ihn im Laufe des Tages alles erwarten wird. «Das ist das Gute an unserer schnelllebigen Zeit, dass ich mich immer wieder mit neuen Themen beschäftigen kann.» Sich damit zu befassen, was unter Jugendlichen gerade so angesagt ist, ist Teil seines Jobs. Jugendkultur und Jugendphänomene. Er erzählt von der sogenannten «48-Stunden-Challenge»: Jugendliche schliessen in den sozialen Medien Wetten dar­über ab, dass es ihnen gelingt, 48 Stunden verschwunden zu bleiben – und unterdessen möglichst viele Vermisstmeldungen zu generieren.

Ein anderes Thema auf dem Schreibtisch von Cornel Bürk- ler war das sogenannte «Blue Whale»-Phänomen, bei dem Jugendliche von einem Paten innerhalb von 50 Tagen zu allen möglichen Selbstverletzungen bis hin zum eigenen Suizid angestiftet worden sein sollen. Das Thema stellte sich allerdings als «Fake-News» heraus. «Es erscheint mir sehr wichtig, mehr Prävention im Hinblick auf ‹Fake-News› in den sozialen Netzwerken zu betreiben. Ich stelle unter den Jugendlichen oftmals eine grosse Naivität fest», so der Leiter des Jugenddienstes. Zur jugendlichen Unsicherheit und fehlender persönlicher Reife käme häufig noch die Unfähigkeit hinzu, auch einmal das Wort «Nein» zu gebrauchen. «Was in den neuen Medien noch so alles auf uns zukommt, macht mir am meisten Angst», sagt Bürkler.

«Verbotene Pornos kursieren fast überall»

Aufgrund des veränderten Freizeitverhaltens unter Jugendlichen, das inzwischen weniger draussen, dafür um so mehr in den sozialen Medien stattfindet, hat der Jugenddienst auch mit verschiedenen Straftaten zu tun. Die zwei grössten Themen sind Betäubungsmittelkriminalität und verbotene Pornografie. Mehr als die Hälfte aller Straftaten, die von Jugendlichen im Kanton St.Gallen im Jahr 2017 begangen worden sind, fallen unter das Betäubungsmittelgesetz. Mit Drogenhandel, meist Marihuana, finanzieren sich Jugendliche ihren Eigenkonsum.

Verbreiteter ist die Onlinepornografie. «Verbotene Pornografie kursiert praktisch überall», so der Polizist. «Wenn ich in einer Schule anfangen würde, die Handys zu kontrollieren, würde ich in jedem Fall etwas finden.» Dann muss die Polizei von Amtes wegen Ermittlungen aufnehmen. Viele Schüler wüssten nicht, was erlaubt und was verboten ist. Und würden dann aus allen Wolken fallen, wenn die Polizei ihr Smartphone auswertet und einzieht.

Extreme Videos unter Jugendlichen im Umlauf

Frustriert das nicht, wenn man täglich mit so etwas zu tun hat? Sieht man da nur noch überall das Schlechte? «Unser Job ist es auch, zu informieren und zu sensibilisieren. Die Jugend ist nicht schlecht», sagt er. «Die Jugendlichen imitieren die Erwachsenen. Wir wollen die Jugendlichen schützen.» Das Schöne an seiner Arbeit sei, dass Jugendliche noch aus ihren Fehlern lernten und sich «auf den richtigen Weg» bringen liessen. «Ausserdem sind sie ehrlicher als Erwachsene», sagt Bürkler. Manchmal sei er allerdings selbst überrascht, an welch abartigen Dingen sich manche belustigen. Pornografie mit Tieren oder abscheuliche Szenen bis hin zu Hinrichtungen gehören dazu. Solche Inhalte würden auch weiterverschickt. Das alles bei der Ermittlung und Auswertung anschauen zu müssen, sei oft keine leichte Aufgabe. «Man muss abschalten können, wenn man am Abend nach Hause geht.» Abschalten, das versucht er mit Sport.

Während des Mittagessens bekommt er eine Nachricht vom aktuellen Gesundheitszustand einer Polizeikollegin, die vor kurzem beim Absperren der Autobahn von einem Kleintransporter angefahren worden ist und mit schweren Verletzungen im Spital liegt. Noch etwas, das ihm sichtlich nahegeht.

Zu Besuch im Jugendtreff. (Bild: Michel Canonica)

Zu Besuch im Jugendtreff. (Bild: Michel Canonica)

Zu Besuch im Jugendtreff. (Bild: Michel Canonica)

Zu Besuch im Jugendtreff. (Bild: Michel Canonica)

Zu Besuch im Jugendtreff. (Bild: Michel Canonica)

Zu Besuch im Jugendtreff. (Bild: Michel Canonica)

Zu Besuch im Jugendtreff. (Bild: Michel Canonica)

Zu Besuch im Jugendtreff. (Bild: Michel Canonica)

Zu Besuch im Jugendtreff. (Bild: Michel Canonica)

Zu Besuch im Jugendtreff. (Bild: Michel Canonica)

Zu Besuch im Jugendtreff. (Bild: Michel Canonica)

Zu Besuch im Jugendtreff. (Bild: Michel Canonica)

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