Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

JUBILÄUM: Umstrittenes Unikum

Mit den Tunnel-Schnecken bei der Kreuzbleiche ist die St. Galler Stadtautobahn bis heute einzigartig. Doch ihrer Eröffnung vor 30 Jahren blieb der Bundesrat aus umweltpolitischen Gründen fern. Stattdessen wurde gegen die «Schnittwunde» protestiert.
René Hornung
Eine Luftaufnahme der Autobahn kurz vor der Eröffnung am 1. Juli 1987. (Bilder: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St. Gallen)

Eine Luftaufnahme der Autobahn kurz vor der Eröffnung am 1. Juli 1987. (Bilder: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St. Gallen)

René Hornung

nachrichten@ostschweiz-am-sonntag.ch

Als vor 30 Jahren der damalige St. Galler Bauchef, Regierungsrat Willi Geiger, das grün-weisse Band zur Autobahneröffnung durchschnitt, musste er dies ohne Begleitung von Bundesrat Leon Schlumpf tun. Das lag wohl auch an der erheblichen politischen Nervosität jener Zeit. Denn 1987 geriet die Fertigstellung der SN1 – wie die Stadtautobahn damals hiess – mitten in die Zeit heftiger Umweltdiskussionen. Die Luftreinhalteprogramme und die hohe Schadstoffbelastung in der Stadt machten Schlagzeilen. Ein halbes Jahr später, im November 1987, bei der Eröffnung der Walenseeautobahn, war das politische Klima ­anders. Dort zündete Verkehrsminister Schlumpf Böllerschüsse zur Eröffnung.

In der Stadt St. Gallen war lange über die Linienführung und dann vor allem um den «Splügenanschluss» gestritten worden – den Anschluss St. Fiden. Nur wenige Tage vor der Eröffnung hatte nochmals eine kleine Gruppe von Opponenten auf der fertigen, aber noch nicht befahrenen Strasse vor dem Tunnelportal in St. Fiden gegen den «Autowahn» und die Quartierzerstörung protestiert. Auch an der Eröffnung selber kam es zu einem kurzen, aber legendären Intermezzo: Paul Rechsteiner und der damalige SP-Sekretär Hans Fässler entrollten neben den offiziellen Gästen ein Spruchband mit der Aufschrift «Eröffnung der Schnittwunde». Alt-Regierungsrat Simon Frick persönlich versuchte den ­beiden das Spruchband zu entreissen. Sofort stellten sich Polizisten so auf, dass der Protest von den Kameras nicht zu ­sehen war. Danach aber lief alles nach Programm.

Um die Stadt oder durch sie hindurch?

Gefeiert wurde im (heute nicht mehr existierenden) Schützengartensaal. In den Reden wurden die langen Auseinandersetzungen erwähnt, der Tenor blieb nüchtern. Der Opposition wurde gar ­attestiert, sie habe Verbesserungen erreichen können. Auch wenn die Stadt­bevölkerung nie über die Autobahn habe abstimmen können, habe sie den Entscheidungsprozess sehr wohl beeinflussen können, so der damalige SP-Stadtpräsident Heinz Christen.

Der Grundsatzentscheid zum Bau der A1 zwischen Winterthur und St. Margrethen fiel in Bern 1956, 1960 wurde die Strecke ins Nationalstrassennetz aufgenommen. Für die Umfahrung oder die Durchfahrt der Stadt St. Gallen wurden zahlreiche Varianten gezeichnet und diskutiert: Die weiträumige Umfahrung im Norden (von Winkeln direkt zum Anschluss Meggenhus) hätte nach Ansicht der Planer den innerstädtischen Verkehr zu wenig entlastet. Deshalb wurden «stadtnahe Halbumfahrungen» studiert. Eine Südumfahrung stand ebenso zur Diskussion wie eine Variante, welche die westlichen Stadtteile durchfahren wollte. Schliesslich entschied sich Bern 1968 für die heutige Linienführung, die damals «Variante Nord» hiess. Der Entscheid blieb nicht unwidersprochen. Die Eisenbahnergenossenschaft Schoren lancierte dagegen 1971 eine Petition und verlangte die weiträumige Nordumfahrung.

Am meisten Aufmerksamkeit erhielten die Gegner des «Splügenanschlusses». Vier Autobahnanschlüsse auf knapp zehn Kilometern seien ein «Europarekord», kritisierten sie. Sie wollten die Eingriffe in St. Fiden verhindern und sammelten mit einer Petition 15000 Unterschriften. Unter den Opponenten waren damals nicht nur SP-Politiker, sondern auch der Landesring mit Franz Jaeger. Auch Spitalärzte wandten sich gegen das Bauwerk. Die Argumente: Ein innerstädtischer Anschluss bringe nur Mehrverkehr. Ausserdem werde der Bahnhof St. Fiden verkümmern, denn er sei kaum mehr erreichbar und die Autobahn zerschneide das Quartier. Doch der Kanton St. Gallen wollte den Anschluss. Nur so erreiche man in der Stadt auch eine Verkehrsentlastung. Dies sei nötig, denn der Anteil des Transitverkehrs betrug damals nur zwanzig Prozent. Die lokalen Diskussionen schlugen sich auch im Nationalrat nieder. Dieser stimmte dem Anschluss St. Fiden nur knapp zu.

Zehn Jahre Bauzeit für zehn Kilometer

Die Bauarbeiten begannen in den frühen 1980ern. Als erstes wurde die alte Splügenbrücke über die Gleise beim Bahnhof St. Fiden abgebrochen, 1983 wurde die heutige Verbindung vom Knoten St. Fiden an der Rorschacher Strasse hinüber an die Splügen- und Kolumbanstrasse eröffnet. Der Autobahnbau dauerte noch weitere vier Jahre, denn die Geologie, vor allem im Hang zwischen dem Sitterviadukt und der Ein- und Ausfahrt Schoren, war schwierig und beschäftigte die Ingenieure immer wieder. Verzögerungen gab es auch, weil die Umweltauflagen im Laufe der Planung verschärft wurden und die Tunnellüftung nochmals neu geplant werden musste.

Realisiert wurde die zehn Kilometer lange Stadtautobahn schliesslich in zehn Jahren Bauzeit. Sie kostete 780 Millionen Franken. Herz der Strecke ist der 1,4 Kilometer lange Rosenbergtunnel und der Stichtunnel zum Anschluss Kreuzbleiche. Dieser Anschluss ist mit seinen unterirdischen Tunnelschnecken bis heute ein Unikum im Strassenbau.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.