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Johann Schneider-Ammann feiert in St.Gallen seine Nachfolgerin: «Karin Keller-Super, merci beaucoup!»

Der Kanton St.Gallen feiert in St.Gallen und Wil seine neu gewählte Bundesrätin Karin-Keller-Sutter unter dem Titel «Mehr Ostschweiz in der Schweiz». Das Highlight am Festakt ist die humorige Rede ihres Vorgängers Johann Schneider-Ammann.
Marcel Elsener
Am Donnerstag wurde Karin Keller-Sutter feierlich in Wil empfangen. (Bild: Urs Bucher)

Am Donnerstag wurde Karin Keller-Sutter feierlich in Wil empfangen. (Bild: Urs Bucher)

Bitte, nicht noch eine Gratulation. Es stand Karin Keller-Sutter ins Gesicht geschrieben, an jenem tristen grauen Spätmärztag im St.Galler Pfalzkeller, sie wirkte erschöpft, angespannt, wie sie am Ende einen Moment allein war, die meisten Leute schon weg. Die St.Galler Bevölkerung hatte überraschend zahlreich und euphorisch den Gesamtbundesrat gefeiert, als er seine Sitzung «extra muros» in der Gallusstadt abhielt. Die Ständeratspräsidentin konnte das Bad in der Menge ihres Kantons nur beschränkt geniessen: Auf Schritt und Tritt vorzeitig als Bald- , Fast- oder Sowieso-Bundesrätin begrüsst und beklatscht zu werden, war ihr sichtlich unangenehm.

Welch Unterschied nun an diesem zwar sehr kalten, aber wolkenlos sonnigen Mittdezembertag in der Lokremise: Ob innig-herzlich, nüchtern-förmlich oder gekünstelt-theatralisch («Ich verneige mich vor dir» und zum Handkuss in die Knie), sie nimmt all die Gratulationen, Glückwünsche und Umarmungen dankbar an. Strahlt, zwinkert, lacht, und bemüht sich, allen gerecht zu werden, ob Freunden, Wegbegleitern oder – den wenigen – Unbekannten.

Zumindest am Festakt im Theatersaal sind es fast ausschliesslich Bekannte aus der nationalen, kantonalen und lokalen Politik. «Ein tolles Gefühl nach all diesen Wochen», sagt sie zu uns. Und meint dabei den «Wahlkampf» und die Hearings, doch gewiss auch die lange Wartezeit zuvor.

(Bild: Urs Bucher)(Bild: Urs Bucher)
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Die Ostschweiz empfängt ihre Bundesrätin Karin Keller-Sutter

Johann Schneider-Ammann mit symbolischem Schlüssel

Ende November 2017 an der Wahlfeier der Ständeratspräsidentin in Wil war es Johann Schneider-Ammann gewesen, der die Spekulationen auf seinen vorzeitigen Rücktritt zugunsten von KKS genährt hatte.

«Obwohl es mir verboten wurde», schmunzelt JSA jetzt, nach dem «leicht angetönten» Vorspuren habe er «Wort gehalten, wie es sich für einen Politiker gehört.» Und er erklärt nochmals den damaligen Verweis auf den St.Galler FDP-Ständerat Karl Hoffmann, der die kleine Kammer vor 1890 zweimal präsidiert hatte, aber nie Bundesrat wurde; das wurde später sein Sohn. «Wofür es früher zwei Männer brauchte, schaffst du allein.»

Mit einer betont humorvollen, gut getimten Rede – er freut sich übers Rednerpult, kokettiert mit seinem legendär holprigen Französisch – bejubelt JSA nun offiziell seine Nachfolgerin. Der er gern den Schlüssel für sein (Wirtschafts-)Departement überreicht hätte, nun ist es symbolisch ein Lebkuchen-Schlüssel («Good luck my friend»), «die Medien werden Futter suchen, aber auf uns kannst du zählen.» Zum Schluss nochmals auf Französisch: «Karin-Keller-Super, merci beaucoup».

Viele Gratulanten kamen aus dem ganzen Kanton angereist um die neue Bundesrätin Karin Keller-Sutter zu feiern.

Viele Gratulanten kamen aus dem ganzen Kanton angereist um die neue Bundesrätin Karin Keller-Sutter zu feiern.

Freilich gilt der Dank der neuen FDP-Bundesrätin explizit auch ihrem «unermüdlichen» Vorgänger, dem «lieben Hannes». Doch wäre KKS nicht KKS, wenn sie in ihrer Festrede nicht ernsthaft ihren Antrieb und die Herausforderungen betonen würde: Sie bittet um ehrliche Kritik und Unterstützung im Amt, sie wolle «eine Bundesrätin des Dialogs» sein und die Bodenhaftung nie verlieren:

«Das reale Leben findet nicht im Bundeshaus statt, sondern draussen in den Familien, bei der Arbeit, in den Schulen – überall, wo die Menschen in unserem Land tätig sind.»

Und sie appelliert an eine sachliche, lösungsorientierte politische Auseinandersetzung: «Wir sind vielleicht eine etwas polarisierte, aber keine gespaltene Gesellschaft.» Einen Lacher hat sie dann doch auch noch parat, verpackt im Gruss an die alt Bundesräte Arnold Koller und speziell Hans-Ruedi Merz: «Wir haben nicht nur die Liebe zur Ostschweiz und den Säntis gemeinsam, sondern den gleichen Coiffeur, obwohl das nicht ersichtlich ist.»

Ob Schneider-Ammanns Hochform und Humor («Er ist wirklich lustig, vor allem seit der Druck weg ist», meint einer) gehen die anderen Reden etwas unter. Der St.Galler Regierungspräsident Stefan Kölliker (SVP) würdigt die Brückenbauerin, die mit «ihrem starken Gerechtigkeitssinn und ihrer Hartnäckigkeit» bereits als Klassenchefin an der Kanti aufgefallen sei.

Köllikers Marken-Kürzel und Rechsteiners Katholiken-Ehrung

Die Marke KKS stehe für «kompetent, kommunikativ und souverän. Oder für konstant, kompromissbereit und stockbürgerlich. Oder für katholisch, keine Allüren und stark vernetzt.» Und «ganz persönlich» ist sich Kölliker sicher, dass nach der Anspannung bei KKS auch ihre weiteren Eigenschaften zum Vorschein kämen:

«Menschlichkeit, Herzlichkeit, Spontanität.»

Der St.Galler SP-Ständeratskollege Paul Rechsteiner, angekündigt als «ein Teil des Dream Teams, der seine bessere Hälfte verliert», strich nochmals die «günstige Konstellation für intelligente Problemlösungen» hervor, etwa für den Bahnausbau: «Eins plus eins ist dann eben mehr als zwei.» Bei den wichtigsten Weichenstellungen für eine moderne Schweiz – Tagsatzung Sonderbund und Landsgemeinde Schänis im 19. Jahrhundert – seien «liberale Katholiken entscheidend» gewesen, wie KKS eine ist. Mit ihrer «Cleverness» verspreche sie einen «Spirit» in einem Bundesrat, der «noch Luft nach oben hat», sagt Rechsteiner. Unter den aufmerksamen Zuhörern: die bislang bekannten Ständeratskandidaten Beni Würth (CVP) und Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP).

Im Innenhof der Lokremise dominiert das politische Personal: Normales Volk, das ohne Verbandelung mit KKS aus reiner Freude und Gwunder gekommen ist, fehlt grösstenteils. Aber es gibt die ganz gewöhnlichen St.Gallerinnen und St.Galler, die der Bundesrätin ihren Dank oder ihre Bewunderung bekunden und mehr oder weniger scheu um ein Foto bitten. Gut zweihundert Personen, schätzt die Frau hinter dem fast leeren Glühweinkessel, seien es gewesen, die Berliner, Zitronenkuchen, Brownies und Rhabarberfladen alle restlos weg. Immerhin, eine schöne Zahl, bei dieser Kälte. Und das eigentliche Fest steht ja erst bevor – in Wil.

«Da wird sie sich wirklich unters Volk mischen, das wollten wir unbedingt», erklärt die Wiler CVP-Stadtpräsidentin Susanne Hartmann.

Zum Stolz der Ostschweiz, «endlich mal etwas zu feiern zu haben», wie mehrfach zu hören ist, kommt bei der Wiler Delegation unverkennbar der Stolz hinzu, für einen Moment Polit-Kantonshauptstadt zu sein. Also ab auf Extrazug, nach Mozart (Streichquartette) nun wieder mit Marschmusik, die Polizeimusik gibt den Rhythmus vor, St.Galler Marsch, «Front And Center», «Ravanello». Wie hat doch Stefan Kölliker gesagt: «Den Punkrock kannst du dir dann zuhause wieder anhören.» Mit oder ohne Gummibärchen, von denen KKS seit ihrer Wahl schon ein halbes Kilo verdrückt hat.

Hier geht es zum Liveticker der Feier und zum Text über die Feier in Wil:

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