Joe Zinnbauer – wer war das noch?

Silvan Lüchinger
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Die Reife einer Gesellschaft lässt sich ablesen an ihrem Umgang mit den schwächsten Mitgliedern. Dazu gehören heutzutage unbestritten auch die Tiere. Unverständlich darum, dass ein Streit um Grenzabstände den Bau des neuen Papageien- und Büsihofs in Neckertal verzögert. Wo man doch genau weiss, wie viele alleinerziehende Papageien von Ergänzungsleistungen abhängig sind. Da haben es die Wüstenschiffe in Neukirch an der Thur besser. Seit zehn Jahren ist der Gnadenhof für betagte Kamele in Betrieb, und noch nie hat jemand dort nachts einen Menschen abgestellt. Tierfreunde hoffen jetzt, dass auch die beiden Appenzell ihren Beitrag für das Tierwohl leisten. Zum Beispiel mit einer Auffangstation für Mehlwürmer und Heuschrecken, die schutzligen Köchen zwischen Friteuse und Pfanne gefallen sind.

Joe Zinnbauer – wer war das noch? Knapp einen Monat ist der Mann weg, und schon redet kein Mensch mehr von ihm. Dabei war der gebürtige Bayer über Monate das Ärgernis einer ganzen Region. Reihte mit dem FC St. Gallen Niederlage an Niederlage, trieb die Fans zur Weissglut und die Sponsoren in den Aufstand. Jetzt ist ein neuer Trainer da, der Vorstand ist neu formiert und alles läuft wie geschmiert. Zwar gehen immer noch Spiele verloren, aber darüber regt sich kaum jemand auf. Zinnbauer hätte zuletzt auch eine Siegesserie hinlegen können, man hätte ihn zum Teufel gewünscht. Immer klarer wird denn auch, dass er gar nicht wegen des sportlichen Misserfolgs gehen musste. Ohne ihn und ohne Dölf Früh an der Vereinsspitze ist der Vorstand wieder handlungsfähig. Endlich kann er mit Ajeti den besten Stürmer verkaufen.

Am kantonalen Mädchentag in Rapperswil erhalten die angehenden Frauen Einblick in die Arbeitswelt abseits der traditionellen Rollenbilder. Darum werden nebst einem Theaterworkshop auch Schmink-, Frisier- und Manikürekurse angeboten. Tätigkeiten, die im Alltag Buben vorbehalten sind. Umgekehrt stehen am Bubentag Kampfspiele und eine Anleitung zum Töfflifrisieren im Angebot. Da lernen die Jungmänner, wie man sich während der Balz um die angemalten Mädchen prügelt und wie man aus dem Pfupferli flotte 50 rauskitzelt. Der Kanton zahlt mit, die Kursleitung haben verdankenswerterweise Jugendstaatsanwaltschaft und Kantonspolizei übernommen.

Maienzeit ist Badezeit. In fast der Hälfte aller Ostschweizer Frei- und Hallenbäder schwimmt allerdings zu viel Chlorat und Bromat mit. Ausweichen in den Bodensee ist nur bedingt eine Alternative – das Wasser hat gerade einmal 13 Grad. Damit es zu Saisonbeginn wieder einmal gesagt ist: Baden wird masslos überschätzt.

Wer an einer Miss-Wahl mitmachen will, muss von Natur aus gut proportioniert sein und ein hübsches Lärvchen haben. Durchschnittsfrauen sind chancenlos. Das war einmal. Am Wettbewerb «Miss Bodensee International» kann auch starten, wer in einer hinteren Reihe stand, als der Herrgott die Schönheit verteilte. Jede Teilnehmerin erhält gratis eine kosmetische Aufhellung aller gelben Zähne und Pflegeprodukte für das Stroh auf dem Kopf. Der Siegerin winken zudem 1000 Euro in bar, gespendet vom Schönheitschirurgen Werner Mang. Die Wahl findet in der Lindauer Bodenseeklinik statt. Zufällig gehört sie Werner Mang. Daran kann man sich stören. Aber praktisch ist das schon. Wer es nicht schafft, kann gleich dableiben und die Formen für nächstes Jahr zuschneiden lassen. Mang hat die Nase dafür.

Silvan Lüchinger

silvan.luechinger

@tagblatt.ch