Jodlerin Nadja Räss gibt in der Klangwelt den Ton an

Nadja Räss wird die erste Intendantin von Klangwelt Toggenburg. Sie übernimmt Anfang 2012 die künstlerische und operative Verantwortung – mit einem Konzert.

Regula Weik
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Klang und Töne bestimmen ihr Leben – und so habe sie sich gefreut und auch geehrt gefühlt, als die Anfrage kam, ob sie die Nachfolge von Peter Roth antreten möge, sagt Nadja Räss. Die Jodlerin und Gesangspädagogin lebt zwar in der Innerschweiz – was sich nächstes Jahr ändern wird –, doch ihre Beziehungen in die Ostschweiz sind vielfältig. In ihrem Pass steht unter Bürgerort: Appenzell. «Darauf bin ich immer stolz gewesen und bin es noch heute», sagt sie. Auch sei sie seit Kindsbeinen mit dem Brauchtum der Ostschweiz verbunden – dank der und durch die Verwandtschaft.

Steckenpferd organisieren

Nadja Räss singt, jodelt und komponiert. Sie unterrichtet und gibt Kurse, sie erarbeitet Jodel-Lehrmittel und hat die «Jodel-Academy Nadja Räss» ins Leben gerufen. Und sie prägt das aktuelle Bild des Schweizer Jodels.

Was reizt sie, diese vielfältige künstlerische Tätigkeit gegen die Gesamtleitung von Klangwelt Toggenburg einzutauschen? Ihre künftige Aufgabe sei «nicht so weit weg von ihren heutigen Jobs», sagt sie, «ich sehe es daher nicht als ein Eintauschen, vielmehr als ein gegenseitiges Befruchten.» Sie habe diverse Leidenschaften: singen, unterrichten und organisieren – «ein Steckenpferd von mir».

Organisieren? Das passt so gar nicht zum Bild der kreativen, aber meist chaotischen Künstler-Gilde. Nadja Räss weiss darum, die Frage sei auch in den «Bewerbungsgesprächen» aufgekommen. «Nicht alle Künstler sind chaotisch. Für mich ist eine gewisse Struktur im Leben wichtig.» Und dann: «Mein Sternzeichen ist die Jungfrau – vielleicht drückt diese etwas durch.»

Die 32-Jährige wird ab kommenden Januar das Programm von Klangwelt Toggenburg gestalten – und damit den Musiker und Initianten der Klangwelt, Peter Roth, ablösen. Über ihn hat sie zur Klangwelt Toggenburg gefunden. Sie trat mehrmals am Naturstimmenfestival auf, unterrichtete im Rahmen der Klangkurse – und sie ist Initiantin des Jodelsymposiums; es fand 2010 erstmals statt.

«Die Klangwelt Toggenburg», sagt Nadja Räss, «ist die richtige Antwort auf die Hektik unserer Welt, weil mit einem vielfältigen Angebot Menschen die Gelegenheit gegeben wird, sich selbst zu finden und so dem Alltag zu entfliehen.» Zudem ein Projekt, das sich auf verschiedenen Ebenen intensiv mit dem hiesigen Brauchtum auseinandersetzt.

Nicht auf den Kopf stellen

Wie will sie ihre vielfältigen Engagements – Intendantin, Jodlerin, Pädagogin – unter einen Hut bringen? Sie habe Respekt vor der neuen Aufgabe. Und, zugegeben, es sei viel – «mein Tag hat auch nur 24 Stunden». Doch sie habe ein tolles Team im Rücken.

Ihre Vorfreude ist gross: «Ich bin gerne das neue Gesicht der Klangwelt Toggenburg», sagt sie. Gleichzeitig ist für sie «sonnenklar»: «Ich stelle den Laden nicht auf den Kopf. Doch es wird im Zuge einer Neuorganisation, die bereits eingeläutet ist, ein paar Neuerungen geben.» Ab Herbst wird Nadja Räss öfter in der Gegend sein, später dann ihr Büro in der renovierten Klangschmiede in Alt St. Johann beziehen – «es riecht dort noch sehr nach neu», sagt sie und lacht. Doch das Haus passe bestens zu ihr – «hier trifft alt auf neu». Oder sie zu ihm. Denn auch sie packt als Jodlerin immer wieder «alte Sachen in ein neues Gwand».

Ihre «Amtseinsetzung» wird klangvoll sein: Nadja Räss gibt am 1. Januar ein Konzert, zusammen mit den Alder-Buebe und Wolfgang Sieber.