Jetzt wird's eng für Gecaj

Der oberste kosovarische Gerichtshof revidiert nach einer Intervention der Unmik sein Gecaj-Urteil – der St. Galler Lehrermörder darf jetzt ausgeliefert werden. Er ist aber untergetaucht.

Umberto W. Ferrari
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ST. GALLEN. Knapp eineinhalb Jahre konnte Ded Gecaj, der 1999 den St. Galler Lehrer Paul Spirig erschoss, unbehelligt in Kosovo leben. Noch im März des vergangenen Jahres hatte der oberste Gerichtshof Kosovos die Auslieferung Gecajs an die Schweiz untersagt, da er zur Tatzeit Bürger Serbiens war. Im April dieses Jahres stiess er sein eigenes Urteil nach Intervention der Unmik, der Übergangsverwaltung der UNO für Kosovo, wieder um. Seit 9. April ist es damit zulässig, Gecaj an die Schweiz auszuliefern.

Auslieferung längst nicht sicher

«Zulässig heisst aber noch nicht, dass Gecaj im Falle seiner Verhaftung automatisch an die Schweiz ausgeliefert wird», sagte Folco Galli, Sprecher des Bundesamts für Justiz, gestern auf Anfrage. «Vor einer Auslieferung müsste die Regierung des Kosovo diesem Schritt zustimmen», sagt Galli. Das sei alles andere als eine Formsache, denn längst nicht jedes Land liefere eigene Staatsbürger im Rahmen eines Strafverfahrens an einen Drittstaat aus – auch die Schweiz nicht.

Kleiner Bewegungsspielraum

Dennoch wird der Bewegungsspielraum für Ded Gecaj sehr klein. Er muss damit rechnen, im eigenen Land verhaftet zu werden. In allen übrigen Staaten wird er ohnehin schon seit Jahren durch einen internationalen Haftbefehl der Schweiz gesucht.

Ded Gecaj ist jedoch untergetaucht, sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Möglicherweise befindet er sich in Albanien, denn am 24. Juli dieses Jahres trat er dort in einer TV-Sendung auf, um nach seiner Tochter zu suchen.

Sie war von ihrem Vater missbraucht und misshandelt worden und lebt mit einer neuen Identität irgendwo in der Schweiz. schauplatz ostschweiz 44