«Jetzt müssen alle am gleichen Strick ziehen»: Thurgauer Grosser Rat will mehr Anstrengungen für den Erhalt der Artenvielfalt

Die Biodiversität steht unter Druck. Jeder könne etwas tun, so der Appell im Thurgauer Grossen Rat.

Christian Kamm
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«Jetzt müssen alle am gleichen Strick ziehen»: SVP-Kantonsrat Daniel Vetterli (Rheinklingen).

«Jetzt müssen alle am gleichen Strick ziehen»: SVP-Kantonsrat Daniel Vetterli (Rheinklingen).

Bild: Andrea Stalder

Mathis Müller (Grüne, Pfyn) weiss, wovon er spricht. Als diplomierter Biologe kennt er sich in Fragen der Artenvielfalt naturgemäss aus. Dass die Biodiversität ein grosses Thema geworden sei, müsse einerseits zu denken geben.

Umgekehrt freue es ihn aber, dass das Problem auch von der SVP aufgenommen worden sei. In der Tat war eine Interpellation aus SVP-Landwirtschaftskreisen dafür verantwortlich, dass das Parlament über die Entwicklung der Artenvielfalt im Thurgau debattierte.

Erste Fortschritte sind erkennbar

In ihrer Antwort hatte die Regierung die Diskussionsrichtung vorgegeben: Der Zustand der Biodiversität sei weiter kritisch:

«Lebensräume und Arten stehen weiterhin unter Druck.»

Nach zehn Jahren Biodiversitätsmonitoring und zahlreichen Anstrengungen seien jedoch erste Fortschritte erkennbar, sagte Regierungsrätin Carmen Haag im Grossen Rat. «Das ermutigt, die Anstrengungen fortzusetzen.» Jetzt müssten alle am gleichen Strick ziehen, «sonst werden wir den Rückgang der Artenvielfalt nicht nachhaltig stoppen können», appellierte Daniel Vetterli (SVP, Rheinklingen) namens der Interpellanten.

Kritik an Schottergärten

Die Landwirtschaft habe ihre Aufgaben aus Sicht der SVP-Fraktion gemacht, sagte deren Sprecher Urs Schär (Langrickenbach). Man stelle bald das Doppelte der geforderten Biodiversitäts-Flächen zur Verfügung. «Keine Amtsstelle kann das Problem alleine lösen», sagte Ruth Kern (FDP, Frauenfeld). Vielmehr müsse jeder einen Beitrag leisten. Wie anderen Votanten ist Kern der Trend zu Schottergärten anstelle von begrünten Vorgärten ein Dorn im Auge. «Entsteint unsere Gärten», forderte in diesem Zusammenhang Martin Nafzger (SP, Romanshorn). Und ortete grosses Potenzial bei den Landbesitzern.

Neue Wege gehen, auch wenn sie weh tun

Lukas Madörin (EDU, Weinfelden) fiel bei einem Sonntagsspaziergang durch Weinfelden auf, «wie die Biodiversität unter Druck ist». Gerade bei künstlich angelegten Bächen würden oft falsche Sträucher und Pflanzen gesetzt. Gleichzeitig forderte Madörin den Mut, «Unbequemes auszusprechen und neue Wege zu gehen, auch wenn sie weh tun». In einigen Voten wurde die Volksinitiative «Biodiversität Thurgau» ins Spiel gebracht, die bald im Parlament beraten wird. Er freue sich darauf, sagte GLP-Kantonsrat Stefan Leuthold (Frauenfeld). Und betonte:

«Die Natur braucht den Menschen nicht, aber der Mensch braucht die Natur."

Josef Gemperle (CVP, Fischingen) sagte, dass die Biodiversität uns alle angehe, nicht nur die Landwirtschaft. Die Regierung tue sich schwer, Land- und Forstwirtschaft für die Fortschritte zu loben.

Mehrere Redner sahen bei Strassenböschungen Potenzial für mehr Artenvielfalt. Das werde zur Zeit abgeklärt, sagte Carmen Haag. «Wir prüfen, wo die besonders wertvollen Böschungen sind.»

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