«Das ist keine Mickey-Mouse-Übung»: Fünf Ostschweizer Kantone haben offiziell beschlossen, in der Spitalplanung zusammenzuarbeiten

Die Kantone St.Gallen, beide Appenzell, Graubünden und Glarus wollen eine kantonsübergreifende Vergabe von Spitallisten. Die Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren der fünf Ostschweizer Kantone unterzeichneten an einer Medienkonferenz eine Absichtserklärung.

Luca Ghiselli
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Diese fünf Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren wollen bei der Spitalplanung künftig zusammenspannen: Rolf Widmer (Glarus), Yves Noël Balmer (Appenzell Ausserrhoden), Heidi Hanselmann (St.Gallen), Antonia Fässler (Appenzell Innerrhoden) und Peter Peyer (Graubünden).

Diese fünf Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren wollen bei der Spitalplanung künftig zusammenspannen: Rolf Widmer (Glarus), Yves Noël Balmer (Appenzell Ausserrhoden), Heidi Hanselmann (St.Gallen), Antonia Fässler (Appenzell Innerrhoden) und Peter Peyer (Graubünden).

Bilder: Nik Roth

Das Wichtigste in Kürze:

  • Im Dezember 2019 machte Heidi Hanselmann, die scheidende St.Galler Gesundheitschefin, in der TVO-Sendung «Zur Sache» eine Ankündigung, die in der ganzen Ostschweiz aufhorchen liess: Man wolle in der Gesundheitsversorgung über die Kantonsgrenzen hinweg bei Spitallisten partnerschaftlich zusammenarbeiten.
  • Die Unterzeichnung einer entsprechenden Absichtserklärung kündigte Hanselmann für das erste Quartal 2020 an. Und tatsächlich: Am Mittwochvormittag haben sich die Gesundheitsdirektorinnen und Gesundheitsdirektoren der Kantone St.Gallen, beider Appenzell, Graubünden und Glarus in Rapperswil-Jona getroffen, um diese Erklärung zu unterzeichnen.
  • Bei der Kooperation handelt es sich um eine Schweizer Premiere: Zum ersten Mal arbeiten gleich fünf Kantone gemeinsam an einer Spitalplanung.
  • Der Kanton Thurgau ist (noch) nicht dabei. Wie Heidi Hanselmann an der Medienorientierung bekanntgegeben hat, habe der Thurgauer Regierungsrat Jakob Stark aber Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. Die Absichtserklärung ist denn auch so formuliert, dass sich auch nach der Erstunterzeichnung am Mittwoch weiterer Kantone anschliessen können.

«Keine Mickey-Mouse-Übung» sei das, sagte der Glarner Gesundheitschef Rolf Widmer am Mittwochvormittag im Rapperswiler Rathaus. Neben ihm sassen seine Pendants aus den Kantonen St.Gallen, beider Appenzell und Graubünden. Die fünf Gesundheitsdirektoren haben eine Absichtserklärung unterzeichnet. Damit unterstreichen die Kantone ihren Willen, eine gemeinsame Spitalplanung im stationären Angebot zu erreichen. Im Mittelpunkt der Planung steht der Versorgungsbedarf und die Versorgungssicherheit der Bevölkerung, so der O-Ton an der Medienkonferenz.

In zwei Jahren sollen Ergebnisse der Modellplanung vorliegen

Mit der Unterzeichnung der gemeinsamen Absichtserklärung ist der erste Schritt getan. Bis die fünf Ostschweizer Kantone aber wirklich gemeinsam ihre Spitallisten planen, dauert es noch. Zunächst soll in einer Projektgruppe bestehend aus Fachpersonal der fünf Gesundheitsdepartemente unter der Federführung einer externen Projektleitung eine sogenannte Modellplanung entstehen.

Laut dem Ausserrhoder Gesundheitschef Yves Noël Balmer sollen damit die Auswirkungen der gemeinsamen Planung auf verschiedene Kriterien geprüft werden. Dazu gehören die Qualität und die Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringer und die Versorgungssicherheit. Laut Balmer sollen die Ergebnisse dieser Modellplanung bis 2022 vorliegen.

«Das eine tun, das andere nicht lassen»

Auf die St.Galler Spitalstrategie haben die überkantonalen Bestrebungen indes keine Auswirkung. Das eine tun, das andere nicht lassen, sagte die St.Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann an der Medienkonferenz vom Mittwoch. Details liess sie sich nicht entlocken, für morgen Donnerstag ist eine Medienorientierung der Regierung angekündigt. Dann soll die finale Spitalbotschaft präsentiert werden.

Der Thurgau könnte später dazustossen

Ein Ostschweizer Kanton fehlte in Rapperswil: der Thurgau. Heidi Hanselmann sagte, der Thurgauer Regierungsrat Jakob Stark habe sich in einem Schreiben gestern an einer Zusammenarbeit interessiert gezeigt. «Er hat uns gratuliert», sagte Hanselmann. Die Absichtserklärung sei bewusst so formuliert, dass sich zu einem späteren Zeitpunkt weitere Kantone der Kooperation anschliessen können.

Unser Kommentar zur überkantonalen Spitalplanung:

Der Liveticker zum Nachlesen:

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