Der Ticker zum Nachlesen: «Wer das Tragen einer Maske verweigert, muss das Coiffeur-Geschäft sofort wieder verlassen» – so verlief die Lockerung des Lockdowns in der Ostschweiz

Die Gewerbler haben darauf gewartet, heute ist es für einige soweit. Sie dürfen nach über einem Monat Zwangspause ihre Läden wieder öffnen. Allerdings unter bestimmten Bedingungen. Wir berichten laufend im Liveblog.

Linda Müntener, Raphael Rohner
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Montag, 27. April - 18:42 Uhr

Zeitversetzt in die Physiotherapie

(kbr) Noch vor der Mitarbeiterin am Empfang begrüssen einen die bekannten Hinweise: Abstand halten, Hände waschen, bei Fieber und Husten zuhause bleiben. Der Gang, der in die Räume der Therapie Guntlisbergen führt, ist lang und schmal und leer. Neben der Tür steht ein Desinfektionsmittelspender. «Der stand schon vor Corona dort. Aber jetzt wird er von den Patienten viel häufiger benutzt», sagt Björn Guntlisbergen hinter seinem Mundschutz. Gemeinsam mit seiner Frau führt er die Praxis für Physiotherapie in Kreuzlingen. Über Mittag findet er am Montag Zeit für ein Gespräch. Dann steht der nächste Termin an, so geht es weiter bis am Abend.

Physiotherapeut Björn Guntlisbergen hat  nach dem Notbetrieb einen dichten Terminplan

Physiotherapeut Björn Guntlisbergen hat nach dem Notbetrieb einen dichten Terminplan

Bild: Donato Caspari

Sie seien aktuell zu 80 Prozent ausgelastet. In den vergangenen Wochen waren es um die 10 Prozent – akute Fälle oder auch Behandlungen nach Operationen waren trotz Lockdown erlaubt. Guntlisbergen sagt: «Wir haben Kurzarbeit angemeldet. Ich bin dem Kanton sehr dankbar, wie schnell und unbürokratisch das ging.» Acht Physiotherapeuten gehören zum Team. Sie arbeiten jetzt zeitversetzt. Guntlisbergen hat seine Termine am Montag zur vollen und halben Stunde. Sein Kollege jeweils um Viertel nach und Viertel vor. Das soll Begegnungen vermeiden.

Guntlisbergen appelliert auch an die Eigenverantwortung der Patienten: Wer Fieber oder Husten habe, solle zu Hause bleiben.

«Für uns war Hygiene schon immer sehr wichtig. Es ändert sich jetzt nicht viel.»

Die Liegen hätten sie auch schon vor der Krise nach jeder Behandlung desinfiziert und jeder Patient habe sein eigenes Handtuch gehabt. Dennoch hat Guntlisbergen ein Schutzkonzept für die Zeit nach dem Lockdown erarbeitet. Dazu gehört, dass Therapeuten während der Behandlung immer Schutzmasken tragen. Er selbst habe sich nach einer Stunde daran gewöhnt. «Mal sehen, wie es im Sommer wird.»

Die Mittagssonne fällt durchs Fenster in den Therapieraum. Was Guntlisbergen schwer fällt: «Dass wir uns keine Hand mehr geben.» Es sei hygienisch sehr wichtig, klar. «Aber was unser Zusammenleben angeht, bedauere ich es.» Überhaupt kommen die Leute mit einer Skepsis. «Sie sagen es nicht, aber ich spüre das.» Manche Patienten wollen vorerst keinen Termin. Zu riskant. Beispielsweise, weil sie gerade eine Chemotherapie durchlaufen.

Im Wartezimmer sitzen inzwischen zwei Personen, ein Mann und eine Frau. Vier Stühle trennen die beiden voneinander. Sie lächeln sich kurz an, blicken dann beide schweigend in den Raum. Neben dem Stuhl des Mannes lehnen Krücken. Zeitschriften können sie keine lesen. Die liegen aus Hygienegründen vorerst nicht aus.

Montag, 27. April - 16:58 Uhr

Die gewohnte Vertrautheit beim Coiffeur-Besuch fehlt

(sko) Schnipp, schnapp, Haare ab. Im Eilzugstempo schnippelt die Schere von Sylea Hari. Kurzhaarschnitt, Sommerfrisur. Hauptsache, die Winterwolle kommt endlich weg. So der Wunsch des Kunden vor dem Spiegel auf dem Designerstuhl, ausgerüstet mit gewöhnungsbedürftigem Mundschutz. Hari sagt:

«Wer das Tragen verweigert, muss das Geschäft sofort wieder verlassen.»

Die 27-jährige Geschäftsführerin von Hairstylist Pierre in Frauenfeld kümmert sich am ersten Tag nach dem Lockdown – wie viele Berufskollegen – um die Haarpracht von Herrn und Frau Ostschweizer. «Ich bin froh, dass ich endlich wieder arbeiten kann», sagt sie. Da nehme sie nach der sechswöchigen Zwangspause Mundschutz, Handschuhe und ständiges Desinfizieren gerne in Kauf.

Besuch bei Coiffeur Pierre in Frauenfeld: Sowohl der Kunde als auch die Coiffeuse müssen einen Mundschutz tragen.

Besuch bei Coiffeur Pierre in Frauenfeld: Sowohl der Kunde als auch die Coiffeuse müssen einen Mundschutz tragen. 

Bild: Donato Caspari

«Einige haben mir für einen Schnitt viel Geld geboten», sagt sie. Ihr Schmunzeln lässt sich für einmal bloss an den Lachfalten um ihre Augen erkennen. Zu kürzeren Haaren sind während der Krise aber höchstens ihr Ehemann oder ihre Eltern gekommen.

Waschen, Schneiden, Föhnen. Die eigentliche Arbeit Sylea Haris hat sich kaum verändert. «Wir bedienen derzeit nur zehn Kunden gleichzeitig», sagt sie. Den Ohrbügel der eigenen Maske darf man nur beim Stutzen der Koteletten kurz lösen. Nicht um Gott und die Welt dreht sich für einmal das Gespräch, sondern voraussehbar ums Thema Corona. Im Fünfminutentakt schaut an der Kasse jemand vorbei, der sich spontan die Haare schneiden lassen möchte. Fehlanzeige. «Wir haben keine Chance, Sie müssen sich etwas gedulden», sagt Haris Mitarbeiterin höflich. Die Agenda des Geschäfts quillt beinahe über. Hari sagt:

«Das Telefon lief schon zu Beginn des Lockdowns heiss.»

Einen ähnlichen Andrang erleben auch andere Coiffeure, in Frauenfeld, in der Ostschweiz, im ganzen Land. «Sorry, wir sind total ausgebucht», heisst es bei anderen Coiffeurs auf telefonische Anfrage. Umso glücklicher schätzt sich der sonst so uneitle Chronist, dass er spontan einen Termin bekommen konnte. Wie zu Prä-Corona-Zeiten endet der Haarschnitt nach einer knappen halben Stunde. Spiegel links, Spiegel rechts. «Danke, alles bestens.» Hari bedankt sich zuvorkommend, der Kunde ist zufrieden. Obwohl die Tage ab jetzt für alle Coiffeure streng und mit Überstunden lang werden dürften, freut sich Hari über das wieder eingekehrte Leben im Coiffeursalon.

Fazit: Winterwolle weg, der Sommer kann kommen, der Besuch hat sich gelohnt. Das Gefühl aber bleibt, dass trotz Interaktion die sonst so gewohnte Vertrautheit fehlt. Bei der Verabschiedung haben wohl beide gehofft, dass die Mundschutzpflicht bis zum nächsten Besuch fällt.

16:02 Uhr

«Mit Maske schwatzt man weniger» – St.Galler Coiffeur Bättig konnte es kaum erwarten, wieder zu eröffnen

Rolf Bättig, Mitinhaber des Coiffeur- und Parfümeriegeschäfts Bättig in der St.Galler Altstadt, hat heute zum ersten Mal beim Haareschneiden eine Maske getragen. Sein Fazit: «Mit Maske schwatzt man weniger. Und man gewöhnt sich daran.»

Rolf Bättig: «Man gewöhnt sich an die Maske.»

Rolf Bättig: «Man gewöhnt sich an die Maske.»

Chrisitina Weder

(cw) Bättig hat es kaum erwarten können, das Geschäft wieder zu öffnen. «Es ist toll, dass wir zu den ersten zählen.» Neben dem Maskentragen gibt es für ihn eine zweite entscheidende Veränderung in seinem Geschäft: Er darf nicht mehr gleich viele Kundinnen und Kunden bedienen wie vor dem Lockdown. Um den geforderten Abstand zu gewährleisten, ist nur jeder zweite Platz besetzt. Für die Angestellten bedeutet dies, dass sie im Schichtbetrieb arbeiten.

Neu steht am Eingang und an jedem Platz ein Fläschchen Desinfektionsmittel bereit. Kundinnen und Kunden erhalten auf Wunsch auch eine Schutzmaske. Allerdings sagt Bättig:

«Haare schneiden und färben ist mit Maske nicht möglich.»

Denn die Hygienemasken, die er von der Stadt zur Verfügung gestellt bekommen hat, müssen am Hinterkopf zusammengebunden werden.

Für die Angestellten ist das Tragen einer Maske dagegen Pflicht. Das sei zwar noch ungewohnt, sagt einer von ihnen. «Aber ich habe es mir schlimmer vorgestellt.» Ansonsten sei die Arbeit dieselbe, und es gehöre schon vieles zur Routine: Kämme und Scheren seien schon bisher nach jedem Gebrauch desinfiziert worden. Und beim Haarwaschen sei er es gewohnt, Handschuhe zu tragen.

In den vergangenen Tagen war öfter zu hören, ein Besuch beim Coiffeur gleiche künftig einer medizinischen Konsultation. Doch die Kundinnen, die sich an diesem Morgen die Haare schneiden oder färben lassen, sehen das anders. Zwar müssen sie sich ihren Kaffee nun selber beim Automaten holen. «Aber es ist alles tipptopp», findet eine Frau, die ein Heftli durchblättert. Sie werde sich danach die Hände desinfizieren.

Ein Kundin sagt: «Es ist fast wie immer – einfach etwas weniger geschäftig.»

Ein Kundin sagt: «Es ist fast wie immer – einfach etwas weniger geschäftig.»

Christina Weder

Auch eine andere Kundin sagt: «Es ist fast wie immer – einfach etwas weniger geschäftig.» Sie fühle sich sicher und habe keine Bedenken sich anzustecken. Ihren Termin hat die Kundin schon vor längerem abgemacht. Sie sei froh, dass sie ihn wahrnehmen könne. «Sonst hätte ich den Besuch beim Coiffeur vermisst.» Tatsächlich konnten es viele Kunden kaum erwarten, einen Termin zu vereinbaren. In den vergangenen Tagen habe das Telefon fast pausenlos geklingelt, erzählt eine Angestellte. Während dem Lockdown hätten sich manche Kunden per Mail und via Facebook nach Tipps erkundigt, wie sie sich selber die Haare schneiden könnten. Das ist nun nicht mehr nötig.

14:40 Uhr

Autos stehen bei der Landi St.Margrethen in der Warteschlange bis auf der Strasse

Alle Einkaufswägeli sind im Umlauf.

Alle Einkaufswägeli sind im Umlauf. 

Linda Müntener

Keine Einkaufswägeli mehr bei der Landi in St.Margrethen. Nachdem sich schon heute Morgen pünktlich zur Ladenöffnung um 8 Uhr etwa 50 Leute in die Schlange stellten, herrscht auch am Nachmittag Hochbetrieb. Parkeinweiser regeln den Verkehr auf dem Parkplatz, die Autos stehen teils bis zur Strasse in der Warteschlange. Die Landis hatten zwar auch während des Lockdowns geöffnet, allerdings mit eingeschränktem Sortiment. Jetzt sind auch wieder Garten- und Baumarktartikel erhältlich.

14:30 Uhr

«Die Menschen sind verunsichert» – im Physiocenter Gossau gewöhnt man sich daran, mit Schutzmasken zu arbeiten

Im Therapiecenter Gossau werden Patientinnen und Patienten behandelt. Die Physiotherapeuten tragen zur Behandlung Schutzmasken. «Etwas gewöhnungsbedürftig ist das schon, doch können wir so immerhin die Leute behandeln», sagt Physiotherapeut Ron d'Hollosy. Doch seien bedeutend weniger Patienten als sonst: «Die Menschen sind verunsichert. Sie rufen an und wollen wissen, wie sicher es sei zur Therapie zu kommen.» So fallen viele Termine ins Wasser. Doch sei man gewappnet und habe Massnahmen getroffen, um die Patienten zu schützen.

«Die Leute rufen an und wollen wissen, wie sicher es sei zur Therapie zu kommen.»

«Die Leute rufen an und wollen wissen, wie sicher es sei zur Therapie zu kommen.»

Raphael Rohner
14:18 Uhr

«Willkommen zurück» im Gallusmarkt – «Da lacht mein Herz.»

Am Boden sind Wartebereiche abgeklebt worden.

Am Boden sind Wartebereiche abgeklebt worden.

Christina Weder

(cw) «Willkommen zurück» heisst es auf einem Schild vor der Abteilung Bau und Hobby im Gallusmarkt in St.Gallen. Verkaufspersonal steht zur Genüge bereit. Offensichtlich hatten die Verantwortlichen mit mehr Kundschaft gerechnet. Doch der grosse Ansturm bleibt aus. Im Gallusmarkt muss man sich nicht in die Schlange stellen. Und die am Boden abgeklebten Wartebereiche bleiben leer. Die Abteilung ist zwar gut besucht – «aber nicht stärker als an einem normalen Frühlingstag», wie eine Verkäuferin sagt.

Besonders gefragt sind an diesem Morgen Blumen, Gartenkräuter und Erde. Ein fast 80-jähriger Senior schiebt ein paar blühende Topfpflanzen vor sich her. Er habe diesen Moment kaum erwarten können, sagt er:

«Ich bin fast vergitzelt. Rund 90 Prozent meiner Zeit verbringe ich alleine in meiner Wohnung und halte mich an die Verhaltensvorschriften. Aber das lasse ich mir nicht nehmen: Endlich Blumen zu kaufen. Für mich ist das ein Aufsteller. Da lacht mein Herz.»

Der bald 80-Jährige hat keine Bedenken sich anzustecken. Es habe ja genügend Platz, man könne sich gut aus dem Weg gehen.

«Wenn man so viel daheim ist, muss man es doch wenigstens schön haben».

«Wenn man so viel daheim ist, muss man es doch wenigstens schön haben».

Ähnlich sehen das zwei Frauen, die sich bei den Blumentöpfen umschauen. «Man kommt gut aneinander vorbei.» Unterdessen seien sie es sich gewohnt, Abstand zu halten: «Eine Wagenlänge ist perfekt.» Sie haben Thymian, Salbei, Cherrytomaten und Blumen in Weiss-, Violett- und Rosatönen in ihren Einkaufswagen geladen. «Wir wollen den Balkon verschönern», sagt eine von ihnen. «Wenn wir so viel Zeit zu Hause verbringen, wollen wir es doch schön haben.» Nun fehlt noch ein Sack Erde.

Wenig Andrang herrscht in der Abteilung Bau und Hobby bei den Pinseln und Farbtöpfen. Ein älterer Herr schaut sich in aller Ruhe um. Er sei nun pensioniert und suche eine Kleinigkeit zum Basteln. Zudem habe er vor, ein paar Ausbesserungen an seinem Haus vorzunehmen. «Nichts Besonderes», sagt er. Ein paar Schritte weiter schaut sich ein Vater bei den Fahrrädern um. Er suche das erste Fahrrad für seine kleine Tochter. Stützrädli sollte es haben und möglichst ihren Wünschen entsprechen. Er sei froh, dass der Alltag langsam aber sicher wieder zurückkehre.

13:51 Uhr

Blumen Specker in Rheineck: Unter «einigermassen normalen Umständen» bedienen

Voller Parkplatz auch bei Blumen Specker in Rheineck. Das Garten- und Blumenfachgeschäft hat die Eingänge von Gärtnerei und Laden getrennt, im Laden dürfen sich vier Personen aufhalten. Das Team freut sich, dass es die Kundschaft unter «einigermassen normalen Umständen» wieder persönlich bedienen kann. Lieferservice und Selbstabholung bleiben aber weiterhin möglich.

Die Kundschaft kommt: Bei Blumen Specker in Rheineck ist der Parkplatz voll.

Die Kundschaft kommt: Bei Blumen Specker in Rheineck ist der Parkplatz voll.

Linda Müntener
Die Eingänge von Gärtnerei und Laden bleiben vorläufig getrennt.

Die Eingänge von Gärtnerei und Laden bleiben vorläufig getrennt.

12:54 Uhr

Keine Scheu vor dem Arztbesuch

(lim) Ab dem heutigen Tag können auch alle planbaren, medizinischen und chirurgischen Eingriffe in den Spitälern wieder durchgeführt werden. Der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden ruft dazu auf, sich bei einem Problem nicht zu scheuen, den Arzt oder das Spital zu kontaktieren. «Wir sind bereit.»

Wie sich die Ostschweizer Spitäler und Praxen auf diesen Tag vorbereitet haben, lesen Sie hier.

12:26 Uhr

Volle Boxen in Autowaschanlage Goldach

Frühlingsputz: Bei der Selbstbedienungs-Autowaschanlage Uniwash in Goldach sind alle Boxen besetzt. Wer sein Auto waschen will, muss warten.

Frühlingsputz: Bei der Selbstbedienungs-Autowaschanlage Uniwash in Goldach sind alle Boxen besetzt. Wer sein Auto waschen will, muss warten.

Linda Müntener
12:25 Uhr

Kosmetikerin Nicole Siegenthaler aus Amriswil: «Wer im Hygienebereich arbeitet, ist sowieso gut aufgestellt.»

(lim) Nicole Siegenthaler ist für die nächsten drei Wochen ausgebucht. Das hat aber nicht nur mit dem Ende des Lockdowns zu tun. Denn in ihrem Kosmetikstudio in Amriswil werden Termine schon vier bis acht Wochen im Voraus abgemacht. «Ich habe Termine, die während des Lockdowns stattgefunden hätten, nicht abgesagt, sondern nach hinten verschoben», sagt sie. Sie ist sehr froh, dass sie und ihre Mitarbeiterin nun wieder loslegen können.

In ihrem Studio in Amriswil empfängt Nicole Siegenthaler ab heute wieder Kundinnen und Kunden.

In ihrem Studio in Amriswil empfängt Nicole Siegenthaler ab heute wieder Kundinnen und Kunden.

pd

Vom Kosmetikverband hat Nicole Siegenthaler ein Schutzkonzept als Grundlage erhalten – am Donnerstag. Das war zwar kurzfristig, für die Kosmetikerin sind die darin geregelten Massnahmen aber kein Problem. «Wer im Hygienebereich arbeitet, ist in der Regel sowieso gut aufgestellt», sagt sie.

Die Anzahl Personen pro 10 Quadratmeter wird beschränkt, Nicole Siegenthaler und ihre Mitarbeiterin arbeiten ohnehin in je einer eigenen Kabine. Masken konnte sie bei ihrem Lieferanten nachbestellen, neu tragen Kundinnen und Mitarbeiterinnen während der Behandlung eine solche. Einzige Ausnahme: die Gesichtsbehandlung. Dort trägt – das liegt in der Natur der Sache – weiterhin nur die Kosmetikerin eine Maske.

11:30 Uhr

Reges Treiben vor dem Jumbo in Arbon

Der Parkplatz vor dem Jumbo in Arbon ist voll besetzt, es herrscht ein reges Treiben. Schlange stehen muss man vor dem Eingang aber (noch) nicht. Dafür wartet man an den Kassen länger. Die Kundinnen und Kunden schieben volle Einkaufswagen vor sich her – die meisten kaufen Blumen und Erde. Pro Einkaufswagen oder Einkaufskorb dürfen maximal zwei Leute gleichzeitig das Geschäft betreten, am Boden gibt es Abstandsmarkierungen. Für den Einkauf haben einzelne Kunden kleine Lieferwagen gemietet – andere schnallen sich die Packung Erde kurzerhand auf den Gepäckträger.

Erde und Blumen sind begehrt im Jumbo in Arbon.

Erde und Blumen sind begehrt im Jumbo in Arbon.

Linda Müntener
11:29 Uhr

Der erste Burger nach Wochen

Eine Verkäuferin des McDonald in Abtwil wartet auf den ersten Kunden im McDrive.

Eine Verkäuferin des McDonald in Abtwil wartet auf den ersten Kunden im McDrive.

Raphael Rohner
11:25 Uhr

Der Gastraum des McDonalds bleibt noch zu, McDrive ist wieder offen: «Wir sind top motiviert»

Sven Matthisson, McDonalds-Franchisenehmer St.Gallen und St.Margrethen, freut sich auf die Wiedereröffnung der McDrives:

10:52 Uhr

Autowaschen war dringend nötig: «Ich lege Wert auf Sauberkeit»

(ts) Ran an den Schlauch und weg mit dem Dreck: So lautete nach wochenlanger Zwangspause schon am Montagmorgen das Motto in den Waschanlagen, an denen man das Auto eigenhändig reinigen kann. Nach wochenlanger Absperrung herrschte schon kurz nach der Wiederöffnung bei der Anlage von Uniwash in Grabs in der Region St.Galler Rheintal-Werdenberg reges Treiben.

Voll Rohr wird der klebrige Blütenstaub weggewaschen.

Voll Rohr wird der klebrige Blütenstaub weggewaschen.

Thomas Schwizer

«Es war lästig, dass ich das Auto nicht waschen konnte», sagte Ernst Bänziger aus Buchs. Er lege Wert auf Sauberkeit. Das gelte ums Haus herum ebenso wie bezüglich des Autos. Deshalb freute er sich, dass er dem Blütenstaub und dem Saft der Bäume, die auf dem Auto klebten, mit Hochdruck zu Leibe rücken konnte. Für die durch Corona bedingte Schliessung der Waschanlagen und Staubsaugerplätze bringt Hans Rothenberger aus Buchs, der die Staubsaugeranlage nutzte, Verständnis auf. Man berühre ja die gleichen Geräte wie jene, die sie gleich vorher benutzt habe. Das sei bezüglich Hygiene sicher nicht gut.

Ein anderer Autobesitzer, der am Montagmorgen diese Waschanlage benutzt hat, hinterfragt deren verordnete Schliessung während der vergangenen Wochen. «Nur wenige Kilometer weiter, im benachbarten Fürstentum Liechtenstein, waren ja die meisten Anlagen in Betrieb.» So unterschiedliche Regelungen im Gebiet Werdenberg-Liechtenstein würden keinen Sinn machen. Bei den immer offenen Grenzen leuchte ihm nicht ein, warum das Autowaschen drüben erlaubt war und hüben nicht.

10:45 Uhr

Gartenvirus ist stärker als die Angst: Vor der Landi in Herisau warten die Leute auf Einlass

(ke) Um 7.45 Uhr hat sich vor der Landi Herisau bereits eine Schlange gebildet. Die Gartenbesitzer aus dem Appenzellerland sind nach sechswöchiger Abstinenz dringend auf Setzlinge und Gartenzubehör angewiesen. Landi-Geschäftsführer Ivo Koller freut sich, dass er die Gartenabteilung wieder öffnen darf. «Die Kunden konnten zwar während des Lockdowns bei uns Waren online bestellen und abholen. Das bedeutete aber einen erheblichen Mehraufwand bei relativ kleinem Umsatz.»

Schon um 7.45 Uhr bildete sich eine Schlange vor der Landi in Herisau.

Schon um 7.45 Uhr bildete sich eine Schlange vor der Landi in Herisau.

Karin Erni

50 Personen darf der Laden aufgrund seiner Grösse aufnehmen. Doch Koller lässt nach 30 Eintritten bereits stoppen. Er macht sich Sorgen, dass in der doch relativ engen Gartenabteilung die Mindestabstände nicht eingehalten werden und kontrolliert dies persönlich nach. Doch die Kundinnen und Kunden erweisen sich als geübt mit den Coronaregeln und bewegen sich kontrolliert durch die Gänge. Viel Zeit zum gemütlichen Stöbern bleibt aber nicht. Die Einkaufswägen werden schnell mit dem Nötigsten gefüllt.

Endlich wieder Blumen kaufen: Diese Kundin mit Schutzmaske freut sich darüber.

Endlich wieder Blumen kaufen: Diese Kundin mit Schutzmaske freut sich darüber.

Karin Erni

Nach fünf Minuten stehen die ersten Hobbygärtner mit ihrer «Beute» schon an der Kasse. Sie habe für die Mutter und die Grossmutter auch eingekauft, sagt eine junge Frau lachend, als sie auf ihren vollen Einkaufswagen angesprochen wird. Ivo Koller verlegt seinen Arbeitsplatz derweil auf den Parkplatz. Immer mehr Autos drängen heran und er muss dafür sorgen, dass sie sich nicht gegenseitig blockieren.

10:18 Uhr

Haar färben mit Maske

Als der Bundesrat die Lockerungen verkündete, klingelte Judith Treschls Telefon sturm. Die Coiffeuse aus Rorschacherberg ist für die nächsten zwei Wochen ausgebucht. Sie wird 14 Tage durcharbeiten. «Ich freue mich sehr, dass es wieder losgeht», sagt sie. Finanziell hätte sie einen weiteren Lockdown-Monat stemmen können, die Arbeit und ihre Kundinnen und Kunden hat sie aber sehr vermisst.

Judith Treschl in ihrem Coiffeursalon in Rorschacherberg.

Judith Treschl in ihrem Coiffeursalon in Rorschacherberg.

Linda Müntener

An diesem Morgen, kurz vor zehn Uhr, bedient sie schon ihre zweite Kundin. Haare färben. Judith Treschl trägt eine Maske – «für mich eine Selbstverständlichkeit » – Kundinnen erhalten auf Wunsch ebenfalls eine. Jeder Kunde erhält einen neuen Umhängemantel, dieser wird danach gewaschen. Überall steht Desinfektionsmittel parat. Um die Flächen besser reinigen zu können, hat Judith Treschl Deko weggeräumt.

Alles Massnahmen, welche die Selbständige gut umsetzen kann. Dass sie nun mit Handschuhen Haare schneiden muss, sei aber schwierig, die Haare gleiten nicht mehr gut durch die Finger. Auch, dass man gemäss Schutzkonzept keine Magazine auslegen darf, hält sie für unverhältnismässig. «Wir müssen pragmatisch bleiben. Es braucht jetzt gesunden Menschenverstand.»

09:54 Uhr

Blumenkauf mit Maske: Grosser Ansturm auf Geranienerde und Blumenkisten

Schon eine Halbestunde vor Beginn der Ladenöffnung im St.Galler Obi standen in der Tiefgarage und vor den Eingangstüren Dutzende Leute mit Einkaufswagen Schlange. Die Stimmung bei den Einkaufenden ist teils gereizt: «Ich kann keinen Tag mehr warten, mein Gemüse und die Blumen müssen jetzt unter die Erde», sagt ein Mann der bei den Einkaufswagen vordrängelte. Eine Frau weiter hinter in der Schlange trägt eine Maske im Gesicht: «Ich dachte, es wäre schlau am frühen Morgen zu gehen, falsch gedacht», sagt sie.

Dann öffnen die Türen zum Heimwerker-Laden und die Leute strömen herein. «Es müssen strikte Regeln befolgt werden», sagt Ivo Bertschinger, der Leiter der Filiale. Er huscht von einer Ecke der Filiale in die andere. Sein Telefon klingelt im Minutentakt. Bertschinger koordiniert so gut er kann. Die Massnahmen im Geschäft sind vielseitig: So müssen die Kundinnen und Kunden ihre Hände desinfizieren und im Laden können sie sich nur auf eingezeichneten Einbahnstrassen bewegen. Auch die Menge der Kunden ist begrenzt. «Jetzt brauchen wir alle viel Geduld. Wir müssen sehr sorgfältig arbeiten, damit die Sicherheit der Leute gewährleistet bliebt», sagt Bertschinger und muss wieder ans Telefon.

Die Wägeli-schiebenden Einkäufer müssen sich auch im Laden gedulden: Es staut im Gartencenter. Es werden stapelweise Säcke Blumenerde auf die Wagen gelegt, Blumenkisten und Setzlinge eingekauft. Ein Familienvater kauft acht Tomatenstauden und Töpfe:

«Es ist so langweilig daheim ohne etwas im Garten tun zu können. Wir sind mega froh, dass wir nun endlich losgärtnern können.»

Auch eine ältere Dame hat sich eingedeckt. Rund zwei Dutzend Blumensetzlinge und in ihrem Einkaufswagen. Dazu auch Erde und eine Giesskanne. Sie trägt Gummihandschuhe und ist sauer:

«Man hätte doch dieses Zeug auch schon viel früher verkaufen können. Was sollen denn Leute wie ich sonst die ganze Zeit machen?»

Ein Risiko gehe sie nicht ein, auch wenn sie über 65-jährig ist, sagt sie: «Wenn ich nichts im Garten machen kann, gehe ich ein – so einfach ist das.» Andere Kunden sehen das nicht so und sind einfach aus Neugierde im Gartencenter. Ein 66-jähriger Mann kauft sich einen Sonnenschirm und einen Schirmständer. Mehr brauche er nicht, sagt er. Er wollte sich nur umsehen.

09:53 Uhr

Einbahnverkehr im Baumarkt

09:36 Uhr

Nummer ziehen für Einlass ins «Bluemehüsli»

Beim «Bluemehüsli» in Rorschach/Rorschacherberg müssen die Kundinnen und Kunden eine Nummer ziehen. Hat es keine mehr, heisst es: warten.

09:31 Uhr

Kundenzahl im Blumenladen «Vergissmeinnicht» in Rorschacherberg beschränkt

Das Blumengeschäft Vergiss mein nicht in Rorschacherberg macht auf die Wiedereröffnung aufmerksam. Die Kundenzahl wird beschränkt – selbst im Aussenbereich dürfen sich maximal drei Kunden gleichzeitig aufhalten.

09:30 Uhr

Das Einkaufen im Baumarkt muss mit Warten verdient werden

09:29 Uhr

Marktleiter des Obi-Baumarkts: «Wir haben im Laden Einbahnverkehr»

09:27 Uhr

Ein Kunde vor der Eröffnung  im Baumarkt: «Ich brauche den Baumarkt, um daheim arbeiten zu können»

08:50 Uhr

Schlange stehen vor dem Obi Baumarkt in St.Gallen

Der Nachholbedarf ist gross: Kundinnen und Kunden warten vor dem Obi Baumarkt in St.Gallen, bis sie in den Laden können.

Der Nachholbedarf ist gross: Kundinnen und Kunden warten vor dem Obi Baumarkt in St.Gallen, bis sie in den Laden können.

Raphael Rohner
08:50 Uhr

Berufsmasseurin Sandra Burgermeister aus Romanshorn: «Ich freue mich auf jeden, der jetzt wieder kommt»

Sandra Burgermeister kann ihre Massagepraxis heute wieder öffnen.

Sandra Burgermeister kann ihre Massagepraxis heute wieder öffnen.

Bild: PD

(lim) Eine Ostschweizerin, die heute ihre Praxis wieder öffnet, ist Sandra Burgermeister. Die diplomierte Berufsmasseurin mit medizinischer Ausbildung musste nach dem Lockdown Mitte März ihre Massagepraxis in Romanshorn schliessen. «Ich freue mich auf jeden, der jetzt wieder kommt», sagt sie. Die Gefühlslage in ihrer Kundschaft sei geteilt – die einen hätten sofort einen Termin gebucht, andere wollten sicherheitshalber noch etwas zuwarten. «Ich verstehe beides», sagt sie.

Das Konzept des BAG dient als Grundlage für die Schutzmassnahmen. Einen Abstand von zwei Metern einzuhalten, sei bei einer Massage natürlich nicht möglich. «Ich bin da ja direkt am Kunden dran.» Schutzmasken hat die Berufsmasseurin zur Hand, auch wenn das Maskentragen für sie eine seltsame Vorstellung ist. Kundinnen und Kunden bekommen auf Wunsch ebenfalls eine Maske. Sie sagt:

«Ich werde mein Bestmögliches geben, um meine Kundinnen und Kunden zu schützen.»

Hygienemassnahmen seien in einer Massagepraxis auch ohne Corona an der Tagesordnung, die Tücher werden nach jedem Kunden ausgetauscht. Jetzt gelten verschärfte Regeln. Nach jedem Kunden wird sämtliches Material gewechselt – so auch der Schutzanzug der Massageliege – und gewaschen. Ausserdem putzt Sandra Burgermeister nach jedem Kunden die Praxis und desinfiziert den Raum. Für die Selbständige stellt das einen erheblichen Mehraufwand dar. Und: Sie musste zusätzliches Material anschaffen. «Das sind für mich natürlich zeitliche und finanzielle Einbussen», sagt sie. Sandra Burgermeister ist froh, dass sie ihre Praxis alleine betreibt und keine Mitarbeitenden beschäftigt. Dies würde die Sicherheitsvorkehrungen noch komplizierter gestalten.

08:48 Uhr

(lim) Die Gärtnereien rechnen damit, dass sich die Leute jetzt mit massenhaft Pflanzen-Artikeln eindecken werden. Das Gartencenter Rutishauser aus Züberwangen ist für die Wiedereröffnung gerüstet:

08:45 Uhr

Der Fahrplan des Bundes

(lim) Der Bundesrat sieht einen schrittweisen Ausstieg aus dem Lockdown vor. Heute, am 27. April, wieder öffnen dürfen:

  • Bau- und Gartenfachmärkte (einschliesslich Gärtnereien und Blumenläden)
  • Betriebe mit personenbezogenen Dienstleistungen mit Körperkontakt wie Coiffeure, Massagen, Tattoo-Studios und Kosmetik
  • Einrichtungen zur Selbstbedienung wie Solarien, Autowaschanlagen oder Blumenfelder

Wieder erlaubt sind ausserdem ambulante Behandlungen in Spitälern sowie Arzt- und Physiotherapiepraxen.

Ab dem 11. Mai sollen sämtliche Schulen und Detailhandelsgeschäfte wieder öffnen. Ab dem 8. Juni ist geplant, auch Mittel-, Berufs- und Hochschulen sowie Freizeiteinrichtungen wie Museen und Zoos wieder zu öffnen. Noch unklar ist, wie die Regelungen bezüglich Grossveranstaltungen und Gastronomie aussehen.

08:30 Uhr

Guten Morgen und willkommen zu unserem Liveblog. Heute ist der Tag, an dem diverse Geschäfte nach dem Lockdown wieder öffnen dürfen – unter bestimmen Sicherheitsvorkehrungen. Wir sind in der Ostschweiz unterwegs und zeigen, wie die Geschäfte, Mitarbeitenden und Kunden mit der neuen Situation umgehen.

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