«Jeder Unfall ist einer zu viel»: Was die Kantonspolizeien St.Gallen und Thurgau zum zweiten Schiessunfall eines Polizisten in diesem Jahr sagen

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr hat sich in der Ostschweiz ein Beamter mit der Dienstwaffe verletzt. Jedoch passieren verhältnismässig wenige Unfälle mit Dienstwaffen.

Dinah Hauser
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Mit der Waffe schützen Polizisten sich und andere. Es kann aber auch zu Unfällen kommen. (Bild: Benjamin Manser)

Mit der Waffe schützen Polizisten sich und andere. Es kann aber auch zu Unfällen kommen. (Bild: Benjamin Manser)

Unvermittelt löste sich ein Schuss aus der Pistole. Bei einer Schiessausbildung der Kantonspolizei St.Gallen im Gossauer Breitfeld hat sich ein Polizist am Donnerstag in den Oberschenkel geschossen. Er wurde vom Rettungsdienst ins Spital gebracht, heisst es in einer Mitteilung. Glücklicherweise seien keine Hauptgefässe verletzt worden.

In der Ostschweiz ist dies bereits der zweite Unfall mit einer Dienstwaffe in diesem Jahr. Der erste Vorfall geschah Ende März. Ein 41-jähriger Polizist befand sich auf dem Polizeiposten Sulgen, als sich ein Schuss aus seiner Dienstwaffe löste. Er verletzte sich am Unterschenkel.

«Beim Holstern kann es vorkommen, dass sich ein Schuss löst»

Für Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, ist der Unfall in Gossau eine neue Erfahrung: «In den zehn Jahren, in denen ich für die Kantonspolizei St.Gallen tätig bin, war der Unfall in Gossau der erste mit einer Dienstwaffe, bei dem ein Mitarbeiter verletzt wurde.» Aus den vergangenen drei Jahren sind jedoch fünf weitere Vorfälle bekannt, allerdings ohne Verletzungen. Nur einer der Vorfälle ereignete sich beim Entladen.

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher Kantonspolizei St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher Kantonspolizei St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

In den anderen Fällen löste sich ein Schuss beim Zurückstecken der Waffe ins Holster. «Ein Polizist trägt seine Waffe immer bei sich», sagt Krüsi. Da könne es vorkommen, dass beim Holstern der Abzug an einem Schlüssel oder Jackenlasche festhänge und sich ein Schuss löse. «Solange die Waffe aber im Holster steckt, stellt die Pistole keine Gefahr dar», sagt Krüsi.

Beim Reinigen löste sich ein Schuss

Im Thurgau gab es in den vergangenen fünf Jahren noch einen weiteren Unfall mit einer Dienstwaffe. Anfang Mai 2015 wurde in Frauenfeld ein 28-Jähriger bei einer Weiterbildung der Ostschweizer Polizeikonkordats in Frauenfeld am Unterschenkel verletzt. Bei Reinigungsarbeiten an der Pistole löste sich ein Schuss und verletzte den Polizisten am Unterschenkel. Die beiden Appenzell hingegen verzeichnen keine Schiessunfälle in den vergangenen Jahren.

Bei über 1000 Ostschweizer Polizisten, die tagtäglich mit ihrer Dienstwaffe unterwegs sind, geschehen verhältnismässig also wenig Unfälle. «Natürlich ist jeder Unfall einer zu viel», sagt Krüsi.

Matthias Graf, Mediensprecher der Thurgauer Kantonspolizei. (Bild: Andrea Stalder)

Matthias Graf, Mediensprecher der Thurgauer Kantonspolizei. (Bild: Andrea Stalder)

Alle Waffen sind als geladen zu betrachten

«Die Polizisten sind im Umgang mit der Waffe sehr gut aus- und weitergebildet», sagt Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Zudem würden die elementaren Sicherheitsvorschriften immer wieder repetiert. «So sind etwa alle Waffen als geladen zu betrachten, bis wir uns persönlich vom Gegenteil überzeugt haben.» Zudem sollte die Waffe nie auf ein Ziel gerichtet werden, das man nicht treffen will, und der Finger befindet sich nur bei gewollter Schussabgabe am Abzug. Nicht zuletzt muss sich ein Polizist seines Zieles sicher sein. «Im Training, aber auch im Einsatz achten wir immer darauf, dass wir diese Grundsätze einhalten», sagt Graf.

Auch im St.Gallischen nehmen Polizistinnen und Polizisten regelmässig an Trainings teil. Die Schiessausbildung verlaufe anders als jene eines Hobby- oder Sportschützen. «Polizisten müssen nicht Punkte machen. Wir müssen die Waffe als letztes Mittel einsetzen, um uns und andere zu schützen», sagt Krüsi. Deswegen müsse jeder Polizist aus allen möglichen Lagen schiessen können. Mit links, mit rechts, aus der Bewegung, in der Hocke. «Und bei solchen Trainings ist während meiner Dienstzeit noch nie etwas passiert.»