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Fangkrise am Bodensee: 1833 Kormorane fressen fünfmal mehr Fisch, als die Angler aus dem See holen

Die Fischer am Oberseeufer haben 2017 das zweitniedrigste Fangergebnis seit 1936 erzielt. Konkurrenz machen ihnen 1833 Kormorane und Millionen von Stichlingen.
Christoph Zweili
Die Kormoranpopulation am Bodensee wächst. (Bild: Getty)

Die Kormoranpopulation am Bodensee wächst. (Bild: Getty)

Der niedrige Nährstoffgehalt im Bodensee lässt die Fischerträge im Bodensee seit Jahren einbrechen. Die Anrainerstaaten sahen sich daher 2015 nach zähem Ringen gezwungen, die Zahl der Berufsfischer-Patente erstmals seit 1934 deutlich zu reduzieren und neu zu verteilen. 2017 setzten gerade noch 96 Berufsfischer ihre Schwebnetze am Obersee – zehn Thurgauer und acht St. Galler sind es im laufenden Jahr. Und die Fangerträge brechen weiter ein: Die gestern veröffentlichte Auswertung der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) weist für das Jahr 2017 das zweitniedrigste Fangergebnis seit 1936 aus.

Rückgänge sind bei fast allen Fischarten zu verzeichnen. Beim Felchen, mit 65 Prozent Anteil am Gesamtfang der meistgefangene Fisch im See, liegt der Ertrag mit 194,8 Tonnen deutlich unter dem zehnjährigen Mittel von 408 Tonnen. Der Barschertrag ist vom niedrigen Niveau von 28,1 Tonnen nochmals auf 26,5 Tonnen zurückgegangen (siehe Tabelle). Mit 35 Tonnen machen inzwischen weniger gefragte Fischarten wie Weissfische und Brachsen einen bedeutenderen Anteil am Gesamtfang der Berufsfischer aus – allerdings brachen auch diese Erträge um 16,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Bei den Aalen und Hechten gingen die Erträge um sechs Prozent auf 13,1 und 11,9 Tonnen zurück. Die Seeforellenfänge lagen wie im Vorjahr bei 2,5 Tonnen, der Seesaibling-Ertrag brach auf 800 Kilogramm ein.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Angelfischern. Sie erreichten mit 49,4 Tonnen zwar ein höheres Fangergebnis als 2016: Dieser Ertrag liegt aber um sechs Prozent unter dem Zehnjahresmittel. Um einen Fünftel zugenommen haben die Fänge beim Hecht (3,1 Tonnen), dessen Anteil am Gesamtfang mittlerweile über 37 Prozent beträgt. Insgesamt wurden am Obersee (Schweiz, Bayern, Baden Württemberg, Vorarlberg) 11702 Angelkarten ausgegeben, 935 weniger als 2016.

Vögel entnehmen fünfmal mehr Fische als die Angler

Der Bestand der Kormorane am Ober- und Untersee hat weiter zugenommen. Die 1833 Vögel haben im vergangenen Jahr 200 bis 260 Tonnen Fisch aus dem See und dem Mündungsgebiet entnommen – fünfmal mehr als die Angler am gesamten Obersee mit 50 Tonnen. Die Fänge der Berufsfischer betrugen 300 Tonnen.

Gemäss Bevollmächtigtenkonferenz ist der Brutbestand der Kormorane von 454 (2016) auf über 500 Paare 2017 gestiegen, dies ausschliesslich am baden-württembergischen Ufer. In der Fussacher Bucht in Vorarlberg wurde ein Anwachsen der Kolonie durch Vergrämungsmassnahmen verhindert. Laut IBK braucht es «ein wirksames Kormoranmanagement rund um den See».

Die Felchenbestände im Bodensee gehen allerdings nicht nur wegen des Nährstoffmangels im See zurück. Der Stichling, ein im Schnitt fünf bis acht Zentimeter grosser eingeschleppter Winzling, tritt als direkte Konkurrenz auf. Er macht sich nicht nur über Laich und Larven der Felchen her, sondern raubt ihnen auch das bisschen Futter, das noch da ist. Die Fischereiforschungsstelle Langenargen untersucht Herkunft und Verbreitung der Stichlinge. Ein Interreg-Projekt soll nun weitere Aufschlüsse zu Nährstoffrückgang, Klimawandel, gebietsfremden Arten und anderer Stressfaktoren auf das Ökosystem Bodensee bringen. Von einem Teilprojekt werden Ergebnisse erhofft, wie die negativen Auswirkungen der massenhaft auftretenden Stichlinge auf die heimischen Fischarten reduziert werden können.

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