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Jede fünfte Sexarbeiterin hat eine Krankheit, ohne es zu wissen: Die St.Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi fordert, dass der Bundesrat handelt

Eine Studie des Kantonsspitals St.Gallen zeigt, dass viele Sexarbeiterinnen an einer Geschlechtskrankheit leiden, ohne dies zu bemerken. Für regelmässige medizinische Tests fehle oft das Geld, sagt SP-Nationalrätin Barbara Gysi. Sie verlangt vom Bundesrat Lösungsvorschläge.
Adrian Vögele, Bern
Viele Sexarbeiterinnen können sich regelmässige medizinische Tests finanziell nicht leisten. (Bild: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Viele Sexarbeiterinnen können sich regelmässige medizinische Tests finanziell nicht leisten. (Bild: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Geschlechtskrankheiten treten in der Schweiz seit einigen Jahren wieder häufiger auf. Die Zahl der Ansteckungen mit HIV stagniert zwar, dafür bereitet sich beispielsweise Tripper wieder aus. Besonders betroffen sind Prostituierte, wie eine Studie des Kantonsspitals St.Gallen zeigt. An der Klinik für Infektiologie wurden über 600 Sexarbeiterinnen auf Infektionen getestet, wie die «Sonntagszeitung» berichtete. Der Befund: Jede fünfte Prostituierte leidet an einer Geschlechtskrankheit – ohne etwas davon zu wissen, weil sie keine Beschwerden oder Symptome hat. Besonders häufig sind Tripper, Chlamydien und Syphilis.

Chefarzt Pietro Vernazza warnte: «Werden die Frauen nicht behandelt, besteht eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit. Freier können die Infektionen in ihre Familien tragen.» Vernazza plädierte dafür, den Frauen den Zugang zur Tests zu erleichtern und sie finanziell zu unterstützen, etwa via Krankenkasse: «Eine Idee könnte die Befreiung von der Franchise sein», sagte er gegenüber der «Sonntagszeitung».

«Oft fehlt das Geld für regelmässige Tests»

Barbara Gysi, St.Galler SP-Nationalrätin (KEYSTONE/Peter Schneider)

Barbara Gysi, St.Galler SP-Nationalrätin (KEYSTONE/Peter Schneider)

Diesen Ball nimmt SP-Nationalrätin Barbara Gysi an: Sie hat am Donnerstag eine Interpellation eingereicht. Darin konfrontiert sie den Bundesrat mit den Studienergebnissen und möchte wissen, wie dieser die Gesundheitsversorgung und Prävention bei Frauen und Männern im Sexgewerbe zu verbessern gedenkt. Oft fehle diesen das Geld, um sich regelmässig testen zu lassen. «Doch unerkannte Infektionen und Übertragung ziehen wesentlich höhere Kosten nach sich als ein regelmässiger Check und eine rasche Behandlung», so Gysi.

Sie fragt den Bundesrat, ob er bereit sei, die Tests für Sexarbeiterinnen von der Franchise auszunehmen – und welche Möglichkeiten er für Prostituierte sieht, die sich illegal in der Schweiz aufhalten und deshalb keine Krankenversicherung haben. Auch auf der Seite der Freier brauche es mehr Prävention. Leider nähmen die Freier die Verantwortung, sich und andere zu schützen, oft nicht wahr.

Kanton St.Gallen baut Kooperation mit Praxen auf

Vor allem die Deutschschweiz habe Nachholbedarf, stellt Gysi fest: In der Romandie seien die Netzwerke zur Gesundheitsförderung von Sexarbeiterinnen besser ausgebaut. Sie erkundigt sich, inwiefern der Bund solche Aktivitäten unterstützen könne. «Wichtig ist, dass alle Sexarbeiterinnen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben», sagt die SP-Nationalrätin. In St.Gallen gibt Maria Magdalena, die Beratungsstelle für Personen im Sexgewerbe, Gutscheine für die medizinischen Tests ab. «Das ist aber meines Wissens eine Ausnahme», sagt Gysi – anderswo gebe es das nicht.

Die Gutscheine von Maria Magdalena könnten bei der Infektiologie des Kantonsspital St.Gallen oder in der Frauenpraxis in Sargans eingelöst werden, sagt Martina Gadient, Fachbereichsleiterin Sucht und Sexual Health im St.Galler Gesundheitsdepartement. Der Test ist dann gratis - die allenfalls nötige Behandlung müssen die Sexarbeiterinnen aber selber veranlassen und finanzieren. «Die Zusammenarbeit mit weiteren dezentralen und spezialisierte Praxen ist im Aufbau, damit der niederschwellige Zugang zum Testen und Behandeln im ganzen Kanton gewährleistet ist», so Gadient.

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