Jeanne d'Ampf in allen Gassen: Wie die Wiler Politikerin Erika Häusermann immer wieder von sich reden macht

Immer wieder schafft es die Wiler GLP-Stadtparlamentarierin Erika Häusermann in die Schlagzeilen. Jüngst etwa mit der Aufforderung, Benedikt Würth solle seine Ständeratskandidatur zurückziehen, wenn er nicht als Frauenverhinderer in die Geschichte eingehen will. Häusermanns politisches Vorpreschen gereicht ihr nicht immer zum Vorteil.

Roman Hertler
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Die Wiler GLP-Stadtparlamentarierin Erika Häusermann und EX-SVP-Kantonsrat Herbert Huser 2014 an einem Spitalpodium in Uzwil. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Wiler GLP-Stadtparlamentarierin Erika Häusermann und EX-SVP-Kantonsrat Herbert Huser 2014 an einem Spitalpodium in Uzwil. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die französische Nationalheldin und Märtyrerin Jeanne d’Arc darf als frühe Feministin betrachtet werden. Obwohl sie damals einen Mann protegierte. Nachdem ihr die heilige Katharina wiederholt in Visionen erschienen war, prophezeite Jeanne d’Arc 1429 die Inthronisierung Karls VII. Ebenso unerschrocken und visionär politisiert Erika Häusermann. Ob Partei-, Umwelt-, Spital-, Sozial- oder Integrationspolitik: Die Hansine Dampf in vielen politischen Gassen steht zu ihren Überzeugungen. Im Kantonsrat ergreift sie das Wort zwar nicht mehr. Bei den letzten Wahlen hat sie auf eine neuerliche Kandidatur verzichtet, wohlwissend, dass es für die Grünliberalen ohnehin eng würde.


Auch im Wiler Stadtparlament ist sie nach Parteiaustritten und der Implosion ihrer Fraktion die letzte GLP-Mohikanerin und somit kaum noch hörbar. Verstummt ist Erika Häusermann deswegen keineswegs. Erhebt sie ihre Stimme, ist ihr mediale Aufmerksamkeit gewiss. Soeben geschehen mit dem offenen Brief an Benedikt Würth, den sie zusammen mit ihrer Kollegin vom Frauenforum Wil, Verena Gysling, verfasst hat.

Darin wird dem CVP-Regierungsrat weisgesagt, er würde als Frauenverhinderer in die Geschichte eingehen, wenn er seine Ständeratskandidatur nicht zurückziehe. Hochqualifizierte, politikerfahrene Frauen würden durch das Vorpreschen eines amtierenden Regierungsrats abgeschreckt. Ob dieses Argument auch aus feministischer Perspektive standhält, bleibt dahingestellt. Die GLP distanzierte sich gestern offiziell von Häusermanns Schreiben.


Mindestens so prophetisch wie ihre Prognose zu Würths Eingang in die Annalen war Häusermanns Medienmitteilung vor zwei Jahren. Damals wollte sie eine Gruppe alter Buchen retten, die wegen eines Umbauprojekts aus Sicherheitsgründen gefällt werden sollten. Häusermann verschickte eine Medienmitteilung mit Aussagen des Försters, noch bevor sie sich mit diesem getroffen hat. Offenbar lag für sie auf der Hand, was er sagen würde.


Öfters begibt sich Häusermann auf Schmusekurs mit der SVP. 2014 etwa, als sie gemeinsam mit dem damaligen Kantonsrat Herbert Huser den Neubau eines Zentrumsspitals Rüthi statt der Erneuerung der Spitäler in Altstätten und Grabs forderte. Der Vorschlag blieb chancenlos. Jüngst blies sie erneut ins SVP-Horn, als sie forderte, das Wiler Departement für Soziales, Jugend und Alter solle nicht bei ­Dario Sulzer verbleiben. In SP-Händen liefen die Sozialkosten komplett aus dem Ruder, so Häusermanns Warnung. Den Beweis blieb sie schuldig.


In kreuzritterlicher Manier preschte die Wilerin im vergangenen Frühling gegen die Einbürgerung des Wiler Imams Bekim Alimi vor. Mit ihrem Fragenkatalog an den islamischen Theologen aus Mazedonien – mitunterzeichnet wiederum von Verena Gysling – schaffte sie es in die nationalen Schlagzeilen. Häusermann erachtete es als zwingend, dass Alimi vor seiner Einbürgerung Fragen beantwortet wie: Dürfen Männer Frauen schlagen? Oder: Darf ein muslimisches Mädchen Velo fahren?

Der Schuss ging nach hinten los. Der Philosoph Michael Rüegg sprach von einer «potenziell gefährlichen Gesinnungsprüfung». Der ehemalige SP-Stadtparlamentarier Kilian Meyer bezeichnete die Fragen als «inquisitorisch» und «demütigend». FDP-Fraktionspräsident Mario Breu sagte, anstatt das Einbürgerungsverfahren zu diskutieren, sei eine in «vielen Fällen unpassende Islamdebatte» geführt worden. Und die CVP kündigte an, der Einbürgerung «fast einstimmig» zuzustimmen. Alimi, der seit über 20 Jahren in der Schweiz lebt und im Auftrag von Verkehrsministerin Doris Leuthard den Gotthard-Basistunnel miteingeweiht hat, wurde mit 26 zu 10 Stimmen eingebürgert. Eine Gegenstimme fehlte allerdings: Jene von Erika Häusermann. Sie weilte am Abstimmungstermin in den Ferien.