JAHRHUNDERTBAUWERK: Die Mineure sind fast durch

Trotz eines Baustopps Mitte Mai erreichen die Appenzeller Bahnen beim St. Galler Ruckhaldetunnel vorzeitig ein wichtiges Zwischenziel: Nach knapp einem Jahr erfolgt kommende Woche der Durchstich zwischen Nord- und Südportal.

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Der Ruckhaldetunnel ist über 700 Meter lang. (Bild: Michel Canonica)

Der Ruckhaldetunnel ist über 700 Meter lang. (Bild: Michel Canonica)

Der Meilenstein wird früher als geplant erreicht. Noch im Juni hatten die Appenzeller Bahnen mitgeteilt, dass der Durchstich im Ruckhaldetunnel in St. Gallen im August erfolgen solle. Nun kommt es bereits am kommenden Donnerstag zum historischen Ereignis. Um Punkt 11 Uhr sollen das südliche und das ­nördliche Teilstück, mit deren Vortrieb vor knapp einem Jahr begonnen worden war, zusammenwachsen. Damit ist ein wichtiges Zwischenziel beim Bau des über 700 Meter langen Tunnels zwischen dem Güterareal und dem Riethüsli-Quartier erreicht.

Dass die Appenzeller Bahnen noch vor wenigen Wochen einen späteren Zeitpunkt für den Durchstich erwartet hatten, erklärt die stellvertretende Mediensprecherin Sabrina Huber mit erhöhtem Wassereintritt beim Südportal des Tunnels Mitte Mai. «Nach jenem Ereignis haben wir für den verbleibenden Vortrieb etwas vorsichtiger geplant.» Damals war pro Sekunde ein Liter Wasser mehr in den Tunnel eingetreten als üblich. Da die Arbeiten zu jenem Zeitpunkt unter dem Nestweiher stattfanden, musste untersucht werden, ob das Wasser aus diesem in den Tunnel abfloss. Dafür wurden die Bauarbeiten während dreier Tage unterbrochen. «Gleichzeitig ging der Vortrieb im Norden schneller voran als wir gedacht hatten. Das hat den Unterbruch wieder ausgeglichen», sagt Huber.

Die Geologie war am Ende günstig

Nach dem Wassereintritt, der den Tunnelvortrieb im südlichen Teilstück auf einer Länge von rund 50 Metern verlangsamt hatte, ist es laut Huber zu keinen weiteren Verzögerungen gekommen – im Gegenteil. «Auf den letzten Metern waren die geologischen Bedingungen auf beiden Seiten sehr günstig. Es ging deshalb schneller vorwärts als erwartet.» Daher könne der Durchstich nun bereits am kommenden Donnerstag gefeiert werden.

Anwohner in erträglichem Ausmass belastet

Mit der Feier endet für die Mineure der herausforderndste Teil der Arbeit. «Auch wenn im Vorfeld die Geologie erforscht wurde, ist der Vortrieb immer mit ­Unsicherheiten verbunden», sagt Huber. Die Arbeiten, die nun anstünden, seien besser planbar. In den nächsten Monaten werden die Tunnelsohle und das Gewölbe betoniert. Danach wird bis zur Einweihung im Oktober 2018 die Bahninfrastruktur eingebaut.

Die Auswirkungen auf das Riethüsli-Quartier dürften dabei noch einmal zurückgehen, wie Hannes Kundert, Präsident des Quartiervereins, vermutet. «Ich denke nicht, dass die kommenden Bauarbeiten eine hohe Belastung für das Quartier darstellen.» Der Tunnelvortrieb sei für einige Bewohner mit Lärm und – wegen der anfänglichen Sprengungen beim Nordportal – mit Vibrationen verbunden gewesen. «Doch auch diese Belastungen hatten ein erträgliches Ausmass.»

Der Ruckhaldetunnel ist das Herzstück der Durchmesserlinie, die künftig eine direkte Verbindung von Appenzell über St. Gallen nach Trogen sowie den Viertelstundentakt ermöglicht. Die Kosten für die Durchmesserlinie belaufen sich auf 90 Millionen Franken und werden von den Kantonen St. Gallen, Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden sowie dem Bund getragen.

Tobias Hänni

tobias.haenni@ostschweiz-am-sonntag.ch