Jahresrückblick
Vom Erdboden verschluckt, Heisshungerattacken und verbrannte Millionen: Die skurrilsten Ostschweizer Polizeimeldungen 2020

24 Millionen verbrannte Schweizer Franken, eine halsbrecherische Liebe zum Smartphone oder ein neuinterpretierter Drive-in: Die skurrilsten Highlights der Ostschweizer Polizeimeldungen lassen die Wahl zwischen Kopfschütteln, Schmunzeln oder einfach nur Staunen.

Tabea Leitner, Viola Priss
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Schadenfreude gilt zwar an und für sich als karmaschädlich. Da in diesem Jahr, einer gewissen Mikrobe sei Dank, aber so ziemlich alle bis dato geltenden Regeln für ungültig erklärt wurden, gilt auch in diesem Punkt: Freude ist gut für das virengeplagte Karma - auch die Schadenfreude.

Es darf also geschmunzelt werden beim Schaulaufen der kuriosesten, bizarrsten und verblüffendsten Polizeimeldungen, die 2020 die Ostschweizer Medien belebten, in einem sonst von Schwere geprägten Jahr.

Der Gewissens-Zerbissene

Ein 37-jähriger Mann war mit dem Auto von Bad Ragaz Richtung Freudenberg unterwegs. Als er in einer Quartierstrasse einen Gartenzaun auf der rechten Fahrseite rammte, kümmerte ihn das nicht gross, und er fuhr weiter.

Der Gartenzaun ist nach dem Selbstunfall nicht mehr zu retten, genauso wenig wie der Fluchtversuch des Täters.

Der Gartenzaun ist nach dem Selbstunfall nicht mehr zu retten, genauso wenig wie der Fluchtversuch des Täters.

Bild: Kantonspolizei St.Gallen

Nach einer Weile plagte ihn sein schlechtes Gewissen so sehr, dass er zur Unfallstelle zurückkehrte. Eine schlechte Idee. Dort streifte er diesmal ein Auto, welches auf der linken Seite parkiert war. Der Mann flüchtete erneut. Wenig später konnte die Kantonspolizei St.Gallen den fahrunfähigen Mann auffinden.

Der Connaisseur

Ein Dieb der elitären Sorte verschaffte sich in Appenzell Innerrhoden Zugang zu zwei Hotels. Im Visier: kein geringeres Diebesgut als hochwertigen Whisky. Der Jugendliche inspizierte die erste Hotelbar gründlich, ehe er sich für drei Flaschen des edlen Tropfens nebst Lautsprechern und einer Taschenlampe entschied. Offenbar war damit das Equipment für die Hausparty aber noch nicht komplett, sodass er den Diebeszug in einer zweiten Gaststätte fortsetzte. Dort entsprach allerdings nichts den Ansprüchen des jungen Connaisseurs - er verliess jenes Hotel, ohne irgendetwas mitzunehmen.

Wenn schon, denn schon

Während des Lockdowns kontrollierte die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden einen Gastrobetrieb in Herisau. Vom vornherein erhielten die Beamten einen Hinweis, dass die Besitzer des Restaurants trotz Covid-19-Verordnung Gäste bewirtet haben. Tatsächlich trafen die Polizisten auf ein geöffnetes Lokal. Als wenn die Missachtung des Verbots nicht schon genug gewesen wäre, beschäftigten sich die Gäste mit illegalen Glücksspielen. Die Polizei stellte an diesem Abend mehrere tausend Franken und diverse Glücksspielautomaten sicher. Da stellt sich die Frage, ob man während des Lockdowns seine Spielchen nicht unauffälliger hätte treiben können.

Vom Erdboden verschluckt

Dass man auf dem Heimweg nach einer wilden Partynacht nicht auf die schlausten Ideen kommt, ist keine Neuigkeit. Ein betrunkener Jugendlicher aus Weesen entfernte in seinem Wohnquartier Schachtdeckel. Seine beiden Kollegen waren von der Aktion nicht sonderlich begeistert. Dennoch musste einer der beiden dem Haupttäter dabei helfen, einen besonders schweren Deckel zu beseitigen.

Betrunkene Jugendliche entfernen auf dem Heimweg Schachtdeckel.

Betrunkene Jugendliche entfernen auf dem Heimweg Schachtdeckel.

Bild: Kantonspolizei St.Gallen

Am folgenden Tag fiel eine Frau in einen Schacht und zog sich einen Mehrfachbruch im Fuss sowie Prellungen am ganzen Körper zu. Obwohl die Jugendlichen ihre Tat bereuten, mussten sie sich wegen Körperverletzung vor der Jugendanwaltschaft verantworten.

Inferno statt Rausch

Quizfrage: Was hat es damit auf sich, wenn sich vier Transportwagen nach St.Gallen in die Verbrennungsanlagen begeben, um 24 Millionen Franken zu vernichten? Was sich wie ein Aprilscherz anhört, ist eine alljährliche Standardmassnahme der Kantonspolizei. So geschehen im November 2020. Bei Festnahmen und Personenkontrollen stellt die St.Galler Kantonspolizei regelmässig verschiedenste Drogen sicher, welche von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und nach Abschluss des Verfahrens zur Vernichtung freigegeben werden.

Auf der Strasse Millionen wert, landen sichergestellte Betäubungsmittel Jahr für Jahr im Hochofen.

Auf der Strasse Millionen wert, landen sichergestellte Betäubungsmittel Jahr für Jahr im Hochofen.

Bild: Kantonspolzei St.Gallen

Rund hundert Polizisten eskortieren die hochbrisante Fracht auf ihrem letzten Weg zur Kehrichtverbrennungsanlage. Dieses Jahr waren es über acht Tonnen Marihuana, mehrere Kilogramm Haschisch, rund zehn Kilogramm Heroin und 15 Kilogramm Kokain, zwei Kilogramm Amphetamin, 3000 Ecstasypillen, über sieben Kilogramm halluzinogene Pilze, LSD und weitere Neue psychoaktive Substanzen (NPS) sowie 250'000 Hanfsamen. Alle sichergestellten Rauschmittel fanden den Weg gut und sicher von der Strasse in den Verbrennungsofen.

Wie die Made im Speck

Das Märchen von Goldlöckchen und den drei Bären, in der 2020er Auflage: Ein 36-Jähriger bricht Anfang Dezember in ein Gossauer Restaurant ein und lässt es sich bei Schmaus, Trank und der einen oder anderen Zigarette gut gehen. Allzu weit kam er danach allerdings nicht. Ein Anwohner bemerkte den Schmarotzer und verständigte die Polizei. Diese erwischte den Geniessenden auf frischer Tat, die Beute vermutlich noch zwischen den Zähnen.

Der Adrenalinjunkie

Wenn schon Exzess, dann mit allem, was dazugehört. Das dachte sich wohl jene 56-jährige Autofahrerin, die im November von der Thurgauer Kantonspolizei aus dem Verkehr gezogen wurde. Mit knapp 180 Stundenkilometern, ohne Fahrausweis und mit Alkohol berauscht, raste diese kurz vor 4 Uhr nachts in eine Verkehrskontrolle auf der A7. Und das nicht zum ersten Mal.

Die Raserin malte sich für ihre Raserausflüge jeweils neue Kontrollschilder.

Die Raserin malte sich für ihre Raserausflüge jeweils neue Kontrollschilder.

Bild: Kantonspolizei Thurgau

Ermittlungen ergaben, dass die 56-Jährige Ausflüge dieser Art seit dem Mai sechsmal verübt hat. Alle gut dokumentiert von einer Geschwindigkeitsmessanlage. Die erfinderische Raserin war aber stets mit gefälschten Kontrollschildern auf den Strassen unterwegs, selbst gestaltet - aus Liebe zum Adrenalin.

Der Phoenix aus dem Bodensee

Auch im November wurde viel am Bodensee flaniert. Aufmerksame Spaziergänger, wie jene am Steinacher Bodenseeufer, wurden an einem Sonntagvormittag spontan zu Lebensrettern eines jungen Schwanes.

Der verletzte Jungschwan wurde zum Aufpäppeln dem Walter Zoo in Gossau übergeben.

Der verletzte Jungschwan wurde zum Aufpäppeln dem Walter Zoo in Gossau übergeben.

Bild: Kantonspolizei St.Gallen

Dieser hatte sich in einer Angelschnur verfangen und kämpfte mit dem Leben. Der Schwan konnte aber rasch vom anrückenden Beamten aus dem Wasser geborgen und dem Walter Zoo Gossau zur Pflege übergeben werden. Die Polizei, einmal mehr auch des Tieres Freund und Helfer.

Die Relaxten

Die Idee, des Nachts in ein Schwimmbad einzubrechen, ist nicht nur Stoff für Hollywood. So brachen unbekannte Täter in den Kiosk des Schwimmbads Rodenbrunnen ein und klauten Bargeld und Zigaretten. Daraufhin gefiel es den Einbrechern in der Badi am Rhein wohl so gut, dass sie den darauffolgenden Tag gleich dort verbrachten und ihre Ausbeute während des Ruhetags köstlich verbrauchten. Erst in der nächsten Nacht verliessen die Täter die Badi ohne Deliktsgut.

Die Smartphonefalle

Als eine Schweizerin mit dem Auto Richtung Gossau fuhr, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen – sie hatte ihr Smartphone auf dem Autodach vergessen. Um das Gerät in Sicherheit zu bringen, bremste sie auf der Strasse ab. Da rutschte das Smartphone vom Dach auf den Boden. Der Motorradfahrer, der hinter der 58-Jährigen fuhr, war vom Smartphone auf der Strasse so abgelenkt, dass er nicht bemerkte, dass das Auto vor ihm zum Stillstand kam.

Smartphone hinter dem Steuer, Smartphone auf dem Dach – egal wo, es gefährdet die Aufmerksamkeit der Fahrer gleichermassen.

Smartphone hinter dem Steuer, Smartphone auf dem Dach – egal wo, es gefährdet die Aufmerksamkeit der Fahrer gleichermassen.

Bild: Kantonspolizei St.Gallen

Er prallte mit voller Wucht in das Auto und musste mit unbestimmten Verletzungen ins Spital gebracht werden.

Der Pirat

Einen betrunkenen Österreicher packte die Abenteuerlust, sodass er ein Motorboot klaute. Als die Sonne ihren Höchststand erreichte, befand sich der 38-Jährige auf offener See. Er wurde müde und schlief über dem Steuer des Motorboots ein. Das Boot fuhr jedoch weiter und lief vor der Küste von Staad auf Grund; es bildete sich ein Leck im Bauch des Motorbootes. Ein Passant beobachtete die Szene und kontaktierte die Kantonspolizei, woraufhin die Seerettung das Boot bergen musste. Bei den Abklärungen kam heraus, dass der Österreicher keinen gültigen Bootsführerschein hatte.

Freitag, der 13.

Am Freitag, dem 13., wollte eine 67-jährige Frau in Appenzell vor dem Coop in einen Parkplatz auf der rechten Seite fahren. Aus unbekannten Gründen beschleunigte sie das Fahrzeug und schoss über das Trottoir und die Stützmauer. Auf der Gartenterrasse eines Restaurants kam sie zum Stillstand.

Die 57-Jährige hat wohl für einen Moment die Pedalen verwechselt.

Die 57-Jährige hat wohl für einen Moment die Pedalen verwechselt.

Bild: Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden

Zwei Personen, die sich auf der Terrasse befanden, wurden vom Auto und dem herumfliegenden Mobiliar getroffen und mussten mit der Ambulanz ins Krankenhaus gebracht werden.

Die Schlaftrunkene

Morgenstund rollt Auto in den Grund. In Walzenhausen war eine 59-jährige Frau um 4.30 Uhr morgens auf dem Weg, um Zeitungen auszuteilen. Kurz nachdem sie aus dem Auto ausgestiegen war, bemerkte sie, wie ihr Auto über die Wiese den Abhang herunterrollte. Spätestens ab diesem Moment war die Zeitungsausträgerin hellwach. Ambitioniert versuchte sie, das Auto vor dem Niedergang aufzuhalten. Dabei wurde ihr Bein vom Heck erfasst, wodurch sie sich Prellungen zuzog.