Jahrelang den Chef bestohlen

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hat eine Frau des Diebstahls schuldig gesprochen. Sie hatte ihrem Arbeitgeber über 100 000 Franken entwendet. Heute tut ihr das unendlich leid.

Reinhold Meier
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MELS. Der Vorgang ist kurios. Während dreier Jahre hatte die Beschuldigte aus dem Tresor ihres Chefs immer wieder Geld geklaut, in der Regel in kleinen Tranchen, damit es nicht gleich auffiel. Meist zwei- bis dreihundert Franken, oft mehrfach pro Woche. So läpperte sich am Schluss ein sechsstelliger Betrag zusammen.

Gross aufgetrumpft hatte die Frau mit dem Betrag nicht. Statt Prestigewaren zu erstehen, kaufte sie Bastel- und Haushaltsartikel, zuweilen auch mal Kleider oder Gegenstände für den täglichen Bedarf. Zudem beglich sie mit den «Zusatzeinnahmen» eher prosaische Rechnungen wie etwa jene des Steueramts oder der Krankenkasse.

«Ein völliger Seich»

Was in sie gefahren war, konnte sich die Frau vor Gericht nicht mehr erklären. «Ein völliger Seich» sei das gewesen, sagte sie. «Ich bin vollumfänglich geständig», legte sie weiter dar und blieb sich damit ganz ihrer Linie im Vorverfahren treu. Dort hatte sie nicht nur volle Einsicht, sondern vor allem auch tätige Reue gezeigt: Sie vereinbarte lange vor dem Gerichtstermin mit dem Geschädigten eine Rückzahlung. Seitdem zahlt sie jeden Monat 500 Franken zurück. «Sie hat alle Zivilansprüche anerkannt», hob ihr Verteidiger hervor.

Die Anklage forderte zehn Monate Freiheitsstrafe, bedingt auf zwei Jahre. Auf diesen Antrag schwenkten auch die Verteidigung und die Angeklagte ein. So wurde der Weg zum «abgekürzten Verfahren» frei, bei dem das Gericht den rechtmässigen Verlauf des Verfahrens prüft und den Antrag der Anklage als Urteil fällt.

Das lange Zurückzahlen

Das Gericht würdigte dabei die bereits dokumentierte Absicht, den Schaden wieder gutmachen zu wollen. Und es anerkannte, dass die monatlichen 500 Franken Rückzahlung angesichts des Lohns der Beschuldigten kein Pappenstiel, sondern ein respektabler Betrag seien. Die Angeklagte akzeptierte den Schuldspruch. Sie beteuerte, so etwas nie mehr zu machen.

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