JAGD: Bleischrot ist der Füchse Tod

Angeblich gibt es im Kanton St.Gallen Bestrebungen, bleihaltige Munition zu verbieten. Im revidierten Jagdgesetz ist davon allerdings nichts zu finden. Wurde eine Gelegenheit verpasst?

Silvan Lüchinger
Merken
Drucken
Teilen
Für die Jagd auf den Fuchs ist Bleischrot nach wie vor die Munition der Wahl. (Bild: Dominik Wunderli)

Für die Jagd auf den Fuchs ist Bleischrot nach wie vor die Munition der Wahl. (Bild: Dominik Wunderli)

Silvan Lüchinger

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

An der Tankstelle ist «bleifrei» längst Standard. Für viele Jäger allerdings gilt das noch nicht. Sie verwenden nach wie vor bleihaltige Munition. Egal, ob sie mit Kugeln oder mit Schrot schiessen. Illegal ist daran nichts. Obwohl die Giftigkeit von Blei allgemein bekannt ist, kennt kein Kanton ein generelles Bleiverbot für die Jagd.

Schrot kommt vor allem in der Jagd auf Raubwild zum Einsatz, etwa auf Fuchs und Dachs. Die Kugel wäre zwar ebenfalls erlaubt, verursacht aber grössere Fellschäden. Zweites wichtiges Einsatzgebiet von Schrot ist die Jagd auf Flugwild, allerdings nicht im Bereich von Gewässern. Dort wird mit Stahlschrot geschossen. Hirsch, Steinbock, Gams und Wildschwein dürfen nur mit der Kugel erlegt werden.

«Es gibt gute und weniger gute Munitionstypen»

Der Kanton St.Gallen hat sein Jagdgesetz im vergangenen Jahr revidiert. War das Verbot bleihaltiger Munition überhaupt ein Thema? «Nein», sagen Dominik Thiel und Peter Weigelt. Thiel ist Leiter des kantonalen Amtes für Natur, Jagd und Fischerei; Weigelt ist Präsident von Revier Jagd St.Gallen.

Wie halten sie es persönlich mit dem Schwermetall? Beide haben nach eigenen Angaben schon vor Jahren auf «bleifrei» umgestellt. «Ohne jegliche Probleme», sagt Thiel. «Es ist wie bei der bleihaltigen Munition: Es gibt gute und weniger gute Munitionstypen. Ob mit Blei oder bleifrei ist sekundär.»

Die Befürchtung mancher Jäger, dass mit dem Verzicht auf Bleimunition mehr Nachsuchen nötig seien, weil ein Tier nicht sofort tot ist, teilt Peter Weigelt nicht. «Zumindest nach meinen Erfahrungen mit Rehwild ist das nicht der Fall.»

Motivation statt Verbote

In einzelnen deutschen Bundesländern ist bleihaltige Munition bereits verboten. Müssten die Kantone da nicht nachziehen? Dominik Thiel kann einer föderalistischen Lösung wenig abgewinnen.

Er verweist darauf, dass sich das Eidgenössische Jagdgesetz in Revision befindet. Eventuell fliesse dort eine neue Regelung ein. Wenn nicht, dann werde sich mittelfristig etwas bewegen: «Ich bin überzeugt, dass es eine Frage der Zeit ist, bis das landesweit geregelt wird.»

Peter Weigelt setzt auf die Motivationswirkung positiver Erfahrungen statt auf Verbote. Bereits jetzt gebe es viele Jäger und wohl auch ganze Jagdgesellschaften, die umgestellt hätten. «Zentral ist, dass der Jäger Vertrauen hat in seine Munition, denn nur so kann auch waidgerecht gejagt werden.» Für die Jagd auf Reh, Dachs und Fuchs sieht er aber noch keine gleichwertige Alternative zum Bleischrot.