Istanbul-Konvention: SP Frauen bekämpfen Gewalt gegen Frauen

Die Istanbul-Konvention nimmt den Kanton St.Gallen in die Pflicht, Massnahmen gegen Gewalt an Frauen zu ergreifen. Die SP Frauen gingen an einem Diskussionsanlass der Frage nach, wie die Umsetzung gelingen kann.

Claudia Schmid
Drucken
Teilen
Die Polizei zählt im Kanton St.Gallen jährlich über 1000 Interventionen in Fällen von häuslicher Gewalt. (Symbolbild: Nana do Carmo)

Die Polizei zählt im Kanton St.Gallen jährlich über 1000 Interventionen in Fällen von häuslicher Gewalt. (Symbolbild: Nana do Carmo)

Bisher wurde die Istanbul-Konvention von rund 30 Staaten unterzeichnet. In der Schweiz ist das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt seit April dieses Jahres in Kraft. Damit ist auch der Kanton St.Gallen gefordert. Die kantonalen SP Frauen organisierten dazu am Freitag einen gut besuchten Informations- und Diskussionsanlass.

«Die physische, psychische, verbale und strukturelle Geringschätzung der Frauen ist auch heute noch ein grosses Problem in der Gesellschaft», sagte Margrit Blaser, Präsidentin der SP Frauen des Kantons St.Gallen in ihren Begrüssungsworten. Ziel der Istanbul-Konvention sei es, gemeinsam für eine Welt ohne Gewalt an Frauen einzustehen.

Gleichstellung als Gewalt-Verhütung

Simon Eggler von Terre des Femmes Schweiz bezeichnete das Übereinkommen als grosse Chance. Sie enthalte konkrete Verpflichtungen und Aufträge und biete deshalb viel Potenzial. Die Verwirklichung der rechtlichen und der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern sei ein wesentliches Element der Gewalt-Verhütung.

«Gewalt gegen Frauen ist der Ausdruck historisch gewachsener ungleicher Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern.»

Mit statistischen Zahlen belegte Silvia Vetsch, Leiterin des St.Galler Frauenhauses, das Ausmass der häuslichen Gewalt. Die Polizei zähle im Kanton jährlich über 1000 Interventionen. Im Jahre 2017 seien schweizweit 21 Todesopfer zu beklagen gewesen. Hinzu kämen 53 versuchte Tötungen und über 200 weitere Straftaten wie Gefährdung des Lebens und schwere Körperverletzung. In vielen Fällen seien Kinder bei häuslicher Gewalt direkt mitbetroffen. Auch Stalking und Gewalt im öffentlichen Raum nähmen zu. Die Dunkelziffer sei allerdings in allen Bereichen hoch.

Regierungsrat Fredy Fässler, Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements, erinnerte daran, dass der Kanton St.Gallen 2003 bei der Bekämpfung gegen häusliche Gewalt eine Vorreiterrolle übernahm. Er sei bestrebt, diese beizubehalten. Im Nachtrag zum Polizeigesetz seien neue und zusätzliche Massnahmen vorgesehen. Als Beispiel nannte der Regierungsrat die Einsetzung einer Koordinationsgruppe zur Risikoeinschätzung schwerer Gewalttaten bei häuslicher Gewalt und Stalking. Fredy Fässler betonte die Wichtigkeit weiterer Massnahmen, gab aber auch zu bedenken, dass es nicht einfach sein werde, von der Politik die dazu nötigen finanziellen Mittel zu erhalten.

Bewusstsein für das Problem fördern

Nach den Referaten gab es unter der Leitung von Filmemacherin und Journalistin Eveline Falk eine rege Diskussion, in der viele Themen angesprochen wurde. Unter anderem forderten die Anwesenden eine konsequente Professionalisierung der Beratungs-, Hilfs- und Präventionsangebote, die Verpflichtung der Täter zu Gewalttherapie und eine umfassende Analyse der Situation.

Einig war man sich darin, dass die Umsetzung der Istanbul-Konvention nicht von heute auf morgen erfolgen kann, es dafür umso mehr Anstrengungen für grösseres Problembewusstsein und den Einbezug der Zivilbevölkerung braucht.

Lesen Sie auch:

Aktuelle Nachrichten