«Ist der Papst zu Besuch?» – Weshalb ein Grossaufgebot von Sicherheitskräften einen Unbekannten durch die Stadt St.Gallen begleitete

In der Stadt St.Gallen waren am Freitagmorgen rund zwei Dutzend Personenschützer im Einsatz. Über die Hintergründe wusste niemand Bescheid – vorerst.

Raphael Rohner
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Der besondere Gast bekam Polizeischutz von rund zwei Dutzend Polizisten.

Der besondere Gast bekam Polizeischutz von rund zwei Dutzend Polizisten.

Bild: Raphael Rohner

Szenen wie in einem Agentenfilm am Freitagmorgen in der Stadt St.Gallen: «Ein Herr im Anzug stieg aus dem Zug aus und mit ihm sicher etwa zehn Bodyguards, die ihn zur Raiffeisenbank begleiteten», schildert ein Geschäftsmann am Morgen die Szene am Hauptbahnhof St.Gallen.

Nur einige Strassen von der Raiffeisenbank entfernt steht ein Konvoi bereit: mehrere Geländewagen mit dunkel getönten Scheiben und zusätzlichen Antennen. Finster dreinblickende Damen und Herren mit Knöpfen in den Ohren schauen jeden Fussgänger skeptisch an. Unter ihren Anzügen zeichnen sich die Umrisse ihrer Dienstwaffen ab. Die Fahrzeuge tragen alle Zürcher Nummernschilder, ausser einem silbernen Mercedes in der Mitte mit Berner Kennzeichen.

Polizisten bewachen den Konvoi.

Polizisten bewachen den Konvoi.

Bild: Raphael Rohner

Ein Konvoi wie am WEF

Auskünfte geben die vermeintlichen Agenten keine: «Wir dürfen nichts zu unserem Einsatz sagen.» Lediglich einen Dienstausweis bekommt man zu sehen: Es sind Polizisten der Kantonspolizei Zürich, die hier stehen und auf jemanden warten.

Dann geht plötzlich alles sehr schnell: Eine Polizistin weist Passanten auf die andere Strassenseite. Dann kommen weitere acht zivile Polizisten zu den Autos. Einer hält einem Mann im Anzug die Türe zum Mercedes auf, der steigt ein. Kaum hat er im Fonds Platz genommen, fährt der Konvoi los. Wie am WEF fährt ein Geländewagen mit einem orangen Blinklicht auf dem Dach vorne weg, dahinter die weiteren Fahrzeuge mit den Einsatzkräften.

Der zu schützende Mann steigt ins Auto ein.

Der zu schützende Mann steigt ins Auto ein.

Bild: Raphael Rohner
Der Polizeikonvoi fährt davon.

Der Polizeikonvoi fährt davon.

Bild: Sandro Büchler

«Ist der Papst zu Besuch in St.Gallen?»

Die Fahrt im Konvoi führt lediglich über den Gallusplatz zum Eingang der Stiftsbibliothek, die Leute steigen aus. Schnell sind erste Gaffer da, zücken ihr Smartphone und mutmassen: «Ist der Papst zu Besuch?» Der kleine Innenhof wird in der Folge abgeriegelt.

Vor der Stiftsbibliothek hält der Konvoi an.

Vor der Stiftsbibliothek hält der Konvoi an.

Bild: Raphael Rohner

Polizei wusste anfänglich von nichts

Eine Anfrage bei der Kantonspolizei St.Gallen und der Kantonspolizei Zürich verwundert die beiden Mediensprecher: «Von so einem Einsatz wissen wir nichts – aber das ist schon aussergewöhnlich.» Während unterdessen auch verdutzte Schüler den Aufmarsch beobachten und Fotos machen, halten sich die Polizisten nach wie vor bedeckt.

Schliesslich dann der Rückruf der Kantonspolizei Zürich: «Also der Papst ist nicht zu Besuch bei Ihnen.» Beim Einsatz handelte es sich, so die Auskunft, um eine Übung von Personenschutz-Spezialisten, an der die Stadtpolizei St.Gallen und die Kantonspolizei Zürich beteiligt waren.