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Verzweifelter Rettungsversuch: Das Spital Wattwil sucht den Alleingang

Die Gemeinde Wattwil will sich nicht mit der Schliessung ihres Spitals abfinden. Sie präsentiert ein Modell für eine eigenständige Zukunft. Nun ist der Lenkungsausschuss der St.Galler Spitalverbunde am Zug.
Noemi Heule, Tim Naef

Am Spital Wattwil herrscht derzeit «Denkpause». Die Pause inklusive Baustopp hat der Verwaltungsrat der St. Galler Spitalverbunde im August verordnet. Die Gemeinde hat die Zeit genutzt, um sich ihrerseits Gedanken über die Zukunft des Spitals zu machen – ohne Verwaltungsrat oder die St. Galler Regierung. Gestern präsentierte der Gemeinderat ein alternatives Modell, das sie der Spitalstrategie des Kantons entgegenstellen will. Ziel ist es, das Spital und insbesondere die neu gebaute Bettenstation zu erhalten.

Die Idee

Das Spital Wattwil soll sich aus dem Verbund lösen und eine eigene, privatrechtliche Organisation bilden – in Form einer Aktiengesellschaft oder Stiftung. Die Strukturen sollen dafür völlig umgekrempelt werden. Die Verantwortlichen sprechen nicht mehr von einem Spital, sondern von einer «integrierten Gesundheitsversorgung Toggenburg». Sie soll von Notfall, Hausarzt, Spezialist, ambulanten oder stationären Behandlungen bis hin zur Spitex das ganze medizinische Spektrum aus einer Hand abdecken.

Die Ausgangslage

Wattwil gehört zu jenen Spitälern, die gemäss einem Grobkonzept des Verwaltungsrates der St. Galler Spitalverbunde bedroht sind. Die Zahl der Standorte soll von derzeit neun auf vier verringert werden. Damit will sich der Ort nicht abfinden: «Das Spital Wattwil ist für die medizinische Grundversorgung im Toggenburg unverzichtbar», sagt Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner, der gleichzeitig den Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil präsidiert. Im lang gezogenen Tal sei die hausärztliche Versorgung unterdurchschnittlich, die Distanzen in die Zentren gross und der Anschluss an die Hauptverkehrsachsen nicht gewährleistet. Mit 250 Mitarbeitern ist das Spital zudem der grösste Arbeitgeber der Region.

Der Zeitplan

«Spital Wattwil 2021» heisst das neue Modell; bis dahin soll die Neuausrichtung vollzogen sein, so der sportliche Plan. Gemeindepräsident Gunzenreiner will laut eigenen Aussagen Personal und Bürgern eine verbindliche und schnelle Lösung bieten. Dies im Unterschied zum Verwaltungsrat, der sich mit Zeitangaben offiziell zurückhält. Das Spital Wattwil sei im Gegensatz zu Altstätten oder Rorschach nicht akut gefährdet und werde sich noch mindestens zehn Jahre halten, hiess es diesbezüglich im Mai.

Die Finanzierung

Wie genau das neue Gebilde finanziert werden soll, ist noch nicht geklärt. «Die organisatorische und rechtliche Überführung sowie die Finanzierung des gesamten Angebots ist anspruchsvoll», heisst es in den Unterlagen. Klar ist: Will sich die Organisation selbst tragen, müssen die Kosten so oder so gesenkt werden. Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg bilanzierte im vergangenen Jahr ein Minus von sechs Millionen Franken. Einsparungen sollen etwa durch eine Verkleinerung des Angebots erzielt werden. So will das Spital künftig auf Operationen verzichten. Andere Leistungen sollen nicht mehr selbst erbracht, sondern an Dritte ausgelagert werden. Das Spital stellt Infrastruktur zur Verfügung, Ärzte, Therapeuten oder Gastronomen mieten sich ein.

Die Crux

Kanton oder Verwaltungsrat waren in die Planung bisher nicht involviert, stattdessen hat die Gemeinde mit der Firma Merkihealth externe Berater hinzugezogen. Künftig kann Wattwil aber nicht am Kanton vorbeiplanen. Will sie weiterhin stationäre Behandlungen anbieten, ist sie auf einen Leistungsauftrag angewiesen. Als Aktionär oder Stifter könnte der Kanton auch in einer privatrechtlichen Organisation Einfluss nehmen. Alois Gunzenreiner sieht den Alleingang nicht als Kampfansage an den Kanton. Vielmehr spricht der Gemeindepräsident von einem «Diskussionsbeitrag» seitens der Gemeinde, der «Pilotwirkung» für den ganzen Kantonen haben könnte.

Die weiteren Schritte

Am Montag hat die Gemeinde das Modell dem Leitungsausschuss präsentiert, in dem Mitglieder der Regierung sowie des Verwaltungsrats der Spitalverbunde vertreten sind. Bis im Sommer erwartet sie einen ersten Entscheid, wie es weitergehen könnte. Es seien aber noch Gespräche nötig, räumt Alois Gunzenreiner ein und betont, dass es sich um eine Vision und kein konkretes Konzept handle. Zahlreiche Fragen sind noch offen: Die Finanzierung, die Anzahl der Betten, die Rechtsform oder die Zusammenarbeit mit umliegenden Spitälern.

Die Vorgeschichte

Das Spital Wattwil ist nicht zum ersten Mal in Gefahr; drei Mal innert 20 Jahren zitterten die Toggenburger um seine Zukunft. Zuletzt präsentierte der Verwaltungsrat der Spitalverbunde im Mai ein Grobkonzept, das die Schliessung von fünf Regionalspitälern vorsieht, darunter dasjenige in Wattwil. Erst kurz zuvor war der Bettentrakt für 50 Millionen Franken umgebaut worden. Im August, als sich das Defizit in der Jahresbilanz bereits abzeichnete, verordnete der Verwaltungsrat eine «Denkpause» und einen «Baustopp». Widerstand regt sich seither nicht nur seitens der Politik, sondern auch aus der Bevölkerung. Anfang März wurde die Petition «Pro Spital Wattwil» mit 6000 Unterschriften eingereicht.

Die Medienorientierung zum Nachlesen:

14:00 Uhr

Mit diesen zwei Punkten wird die Medienorientierung beendet. Und auch wir beenden unseren Ticker. Herzlichen Dank, dass Sie die Medienorientierung rund um das Konzept «Spital Wattwil 2021» auf Tagblatt Online mitverfolgt haben. Es tickerte für Sie: Tim Naef.

13:58 Uhr

Merki fasst es zum Schluss nochmals mit zwei Punkten zusammen. «Mit diesem Konzept haben wir eine zukunftsfähiges Modell für die Region entwickelt.» Die Versorgung sei für das Toggenburg gewährleistet. «Ebenfalls wichtig: Die Mitarbeiter des Spitals sehen, dass es eine Zukunft gibt und müssen nicht Angst haben, morgen den blauen Brief im Briefkasten zu haben.»

13:55 Uhr

Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident Wattwil, bedankt sich bei Merki und wendet sich dann an die Journalisten. «Sie haben gehört, wir wollen keine Herzchirurgie im Toggenburg, wir wollen schlicht eine gute Grundversorgung für das Toggenburg.»

13:52 Uhr

Was soll jetzt folgen? Der Lenkungsausschuss soll nun entscheiden, ob dieses Modell der «Intergrierten Versorgung Toggenburg» im Rahmen der Strategieentwicklung berücksichtigt wird.

Sie übergibt das Wort wieder dem Gemeindepräsidenten.

13:49 Uhr

Zum Schluss fasst Merki das Gesagte nochmals zusammen. «Es ist eine innovative Lösung. Die Arbeitsplätze können gerettet werden.»

Es sei zudem zukunftsorientiert. «Das Toggenburg wird dann nicht mehr eine Spitalregion, sondern eine Versorgungsregion sein. »

13:46 Uhr

Merki kommt auf die Vorteile dieser «Vision» zu sprechen:

  • Gesundheitspolitisch: Integrierte Gesundheitsversorgung inkl. Notfall mit bedarfsgerechtem Leistungsangebot ist gewährleistet
  • Volkswirtschaftlich: Wichtiger Arbeitgeber mit Signalwirkung sowie Arbeits-und Ausbildungsplätze können erhalten bleiben.
  • Betrieblich: Flexible, agile Einheit, kann wirtschaftlich und funktional betrieben werden.
13:40 Uhr

Merki führt die Idee der Stiftung weiter aus. Eine mögliche Struktur könnte laut Merki wie folgt aussehen:

13:36 Uhr

Das Ganze soll aber nicht heissen, dass der Kanton aussen vor gelassen werden soll. «Der Kanton kann als Stifter/ Aktionär einen direkten Einfluss auf die
Grundversorgung und den Spitalbetrieb ausüben», so Merki.

13:33 Uhr

Merki sagt weiter: «Die Medizinische Klinik wird mit dem ganzen Spitalbetrieb in einer eigenen, privatrechtlichen Rechtsform juristisch verselbständigt. Im Vordergrund stehen als Trägerschaft eine AG oder eine Stiftung.» Das habe man aber noch nicht entschieden.

13:28 Uhr

Nach und nach zeichnet Merki ein Bild des neuen Spitals Wattwil. Was es künftig nicht mehr geben soll: Operationen. «Von der Idee Wattwil als Operationsspital müssen wir Abstand nehmen», so Merki. Gleichzeitig soll beispielsweise das integrierte Restaurant an einen externen Betreiber abgegeben werden.

13:26 Uhr

In Wattwil soll zudem ein Schlaflabor eingerichtet werden. Das gebe es in der Ostschweiz nicht. «Obwohl sich Schlafprobleme zur Volkskrankheit entwickeln», so Merki.

13:22 Uhr

Das Leistungsangebot soll den Bedürfnissen – insbesondere der älter werdenden – Toggenburger Bevölkerung mit einem wohnortsnahen, stationären und ambulanten Leistungsangebot
gerecht werden.

Wo die Kompetenzen heute schon vorhanden sind, sollen die Leistungen selber erbracht werden;

Ergänzende ambulante Angebote sollen in «Shop-in-Shop–Modellen» an eingemietete Leistungserbringer vergeben werden.

Die verschiedenen Teilleistungen ergeben zusammen mit den niedergelassenen Haus- und Fachärzten das medizinische Angebot für die Versorgungsregion Toggenburg.

13:19 Uhr

Der Arbeitstitel für die Vision bzw. das Projekt sei nun Spital Wattwil 20121, so Merki. «Das Leistungsangebot soll den Bedürfnissen – insbesondere der älter werdenden – Toggenburger Bevölkerung mit einem wohnortsnahen, stationären und ambulanten Leistungsangebot
gerecht werden.»

13:16 Uhr

Merki führt weiter aus: Mit dem neuen Leistungsportfolio des Spitals Wattwil sei die nachhaltige Sicherung der medizinischen, stationären und ambulanten Grundversorgung für die Region Toggenburg sicherzustellen. Dafür brauche es ein neues Konzept.

Die Vision für dieses Versorgungsmodell: eine eigene Versicherung «Hausarztmodell Toggenburg», so Merki.

13:13 Uhr

Auch Merki wird schnell deutlich: «Das Toggenburg ist anders als andere Regionen.» Deshalb müsse es zwingend eine stationäre Lösung für die Region geben. Als Beispiel nennt die die demographische Bevölkerungsverteilung im Toggenburg. Mit und nur mit einem Spital Wattwil könne eine Grundversorgung für die Bevölkerung sichergestellt werden.

13:12 Uhr

Gunzenreiner übergibt das Wort an Monika Merki Frey. Die Gemeinde Wattwil hat sie als externe Beraterin in Sachen Spital engagiert.

13:10 Uhr

«Die Gesundheitsversorgung muss für jeden Bürger in der Region gewährleistet werden», so Gunzenreiner. Er spricht dabei die 45'000 Einwohner an. Es brauche das Spital.

13:08 Uhr

Gunzenreiner nennt mehrere Punkte, weshalb das Spital Wattwil essentiell für die Region ist:

  • Fehlende Hauptverkehrsachse
  • Ausserhalb Einzugsgebiet des Zentrumsspitals Wil
  • Grösster Arbeitgeber, wichtiger Ausbildungsbetrieb in der Region Wattwil
13:05 Uhr

Der Gemeindepräsident kommt schnell zum Punkt: «Der Standort Wattwil ist speziell. » Er spricht dabei von der topographischen Lage des Spitals Wattwil.

13:04 Uhr

Zuerst zeigt Gunzenreiner nochmals einen Überblick über die aktuelle Spitalsituation im Kanton St.Gallen. Angefangen mit dem Grobkonzept des St.Galler Spitalverbundes mit der Schliessungsankündigung.

13:00 Uhr

Die Medienorientierung hat angefangen. Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident Wattwil, begrüsst die Medienschaffenden.

12:55 Uhr

Ende Mai 2018 hat der Verwaltungsrat der Spitalverbunde des Kantons St.Gallen sein Grobkonzept zur künftigen Spitalstrategie publiziert. Seither steht die drohende Schliessung des Spitals Wattwil im Raum.

Um ein Aus des Spitals Wattwil zu verhindern und die medizinische Grund- und Notfallversorgung im Toggenburg sicherzustellen, hat der Gemeinderat Wattwil zu Handen des Lenkungsausschusses ein alternatives Modell «Spital Wattwil 2021» ausarbeiten lassen. Es soll aufzeigen, mit welcher Ausrichtung, Struktur und Rechtsform das Spital Wattwil künftig nachhaltig betrieben werden kann.

12:50 Uhr

Worum geht es?

Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde St.Gallen prophezeit für die Zukunft massive Defizite. Um die Finanzen in den Griff zu bekommen, will er nur noch an vier Standorten stationäre Leistungen anbieten. Etliche Standorte sollen geschlossen werden.

Wo liegt das Problem?

Laut Spitalverwaltungsrat müssen die St.Galler Spitäler bis 2023 mit jährlichen Löchern von 50 bis 70 Millionen Franken rechnen. Es muss demnach Geld eingespart werden.

Wie sieht die Strategie aus?

Geht es nach dem Spitalverwaltungsrat, werden stationäre Leistungen künftig nur noch in vier Spitälern im Kanton angeboten – in jeweils einem pro Spitalverbund.

Wer hat gute Karten?

Um ihre Zukunft keine Sorgen zu machen brauchen sich – jedenfalls vorerst – das Kantonsspital St.Gallen, das Spital Wil, das Spital Linth in Uznach und das Spital Grabs.

Welche Spitäler sind gefährdet?

Die fünf Spitäler Altstätten, Flawil, Rorschach, Walenstadt und Wattwil sind in ihrem heutigen Angebot bedroht. Ungemütlich ist die Situation insbesondere für die Spitäler in Flawil und Rorschach. Sie dürften ziemlich vorne auf der «Schliessungsliste» stehen: Ihre Bettenauslastung beträgt zeitweilig nur 60 oder 70 Prozent. «So lässt sich heute kein Spital wirtschaftlich betreiben», sagt Felix Sennhauser, der neue Verwaltungsratspräsident der St.Galler Spitalverbunde.

Warum ist Wattwil ein Ausnahmefall?

Wattwil dürfte sich von den bedrohten Spitälern am längsten halten – sicher noch mindestens zehn Jahre, wie Sennhauser sagt. Der Grund: Um das angestrebte stationäre Leistungsangebot in Wil auch tatsächlich bieten zu können, müssen die heutigen Leistungen von Wattwil und Wil zuerst abgestimmt werden. Sennhauser spricht von «Verdichtung».

Den gesamten Überblick finden Sie hier:

12:45 Uhr

Herzlich willkommen zur Medienorientierung «Spital Wattwil 2021». Es tickert für Sie: Tim Naef.

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