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«Irregeleitete Rücksicht auf den Ruf der Kirche»: St.Galler Bischof schreibt offenen Brief zu sexuellen Übergriffen

Unterdrückung und Missbrauch liegen in der Kirche eng beieinander. Das schreibt der St.Galler Bischof Markus Büchel in einem offenen Brief. Er fordert, dass die Kirche ihren Umgang mit der Sexualität auf den Prüfstand stellt.
Andri Rostetter
«Die Täter haben ihren kirchlichen Auftrag missbraucht»: Bischof Markus Büchel. (Bild: Urs Bucher)

«Die Täter haben ihren kirchlichen Auftrag missbraucht»: Bischof Markus Büchel. (Bild: Urs Bucher)

Nicht die Aufklärung verletze die Menschen und spalte die Kirche, sondern die Verbrechen der sexuellen Gewalt und ihre Vertuschung. Das schreibt der St. Galler Bischof Markus Büchel in einem offenen Brief an die Gläubigen im Bistum, der gestern an die Medien verschickt wurde.

Büchel verurteilt darin den Umgang der Kirche mit sexuellen Übergriffen scharf. «Die Täter haben ihren kirchlichen Auftrag missbraucht und Abhängigkeiten ausgenutzt», schreibt er und hält fest: «Undurchschaubare Strukturen und irregeleitete Rücksicht auf den Ruf der Kirche machten es möglich, die Verbrechen zu vertuschen, das Leid der Opfer zu verdrängen und damit noch zu vergrössern.»

«Unterdrückung und Missbrauch eng beieinander»

Der Missbrauch spiritueller Macht und die Möglichkeit der Verheimlichung wegen fehlender Kontrollmechanismen müssten thematisiert und angegangen werden. «Nicht die Sorge um den guten Ruf der Kirche und den Schutz der Täter darf an erster Stelle stehen. Die Perspektive der Opfer und der Blick auf ihr Leiden samt Aufarbeitung und Genugtuung muss unser erstes Anliegen sein.»

Die Kirche müsse dringend ihren Umgang mit der Sexualität auf den Prüfstand stellen. «Viel zu lange haben wir sie nicht wie ein Gottesgeschenk, sondern wie eine Geissel der Menschheit behandelt», schreibt Büchel. «Unterdrückung und Missbrauch liegen da ganz eng beieinander. Deshalb sehe ich gerade in der Ausbildung und in der Weiterbildung kirchlicher Berufe grossen Handlungsbedarf.»

Der offenen Brief ist bereits im Pfarreiforum erscheinen, dem Pfarrblatt des Bistums St. Gallen.

Flut von Medienanfragen und Reaktionen

Das Bistum St. Gallen hat zur Aufklärung und Prävention von sexuellen Übergriffen Pionierarbeit geleistet. Seit 17 Jahren gibt es im Bistum das «Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe». Es war die erste Fachstelle dieser Art in der Schweiz. Auslöser war ein Fall im Sarganserland kurz vor Ostern 2002. Damals wurde ein Pfarrer wegen schweren Missbrauchs zweier Buben verhaftet. Als das Bistum den Fall an die Öffentlichkeit trug, stürzte eine Flut von Medienanfragen und Reaktionen auf die Bistumsleitung ein.

Der damalige Bischof Ivo Fürer reagierte darauf mit der Einrichtung der Fachstelle. 2017 richtete das Bistum zudem eine Ombudsstelle für Fälle von physischer und psychischer Gewalt, Mobbing, Arbeitsplatzkonflikte und emotionale Grenzverletzungen ein. Leiterin der Ombudsstelle ist alt Regierungsrätin Kathrin Hilber.

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