«Irgendwann sind alle gerannt»

Explosion Fünf Personen sind gestern bei einem Unfall im Kehricht-Heizkraftwerk in St. Gallen verletzt worden. Sie standen alle im Kommandoraum.

Katharina Brenner
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Ein lautes Brummen ist zu hören, der grosse Ventilator bläst in den Rauch hinein. Er steigt aus dem Kehricht-Heizkraftwerk (KHK) im St. Galler Sittertobel empor. Ein Feuerwehrmann tritt aus dem dichten Rauch. Er trägt eine Maske, auf dem Rücken eine Sauerstoffflasche. Ein anderer Feuerwehrmann mit Atemschutz verschwindet im Rauch.

Wo am Montag zur Mittagszeit gegen den Rauch angekämpft wird, hat es vor einer Stunde geknallt und gebrannt. Kurz vor 11 Uhr kam es zu einer Verpuffung in einer der drei Abfallgruben. Eine Verpuffung ist eine zu schnelle Verbrennung, die zu einem Explosionsdruck führt. Es folgte eine riesige Stichflamme. Fünf Personen erlitten Verbrennungen, Schnitt- und Gehörverletzungen, wie Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, gestern mitteilte. Sie mussten mit leichten Verletzungen ins Spital gebracht werden. Auch Rauchgasvergiftungen konnten gestern nicht ausgeschlossen werden. Die fünf Verletzten hatten sich alle in der Kommandozentrale des KHK befunden. Durch die Druckwelle war ein Sicherheitsglas in dem Raum zerbrochen. Von der Kommandozentrale aus werden die Arbeiten in den drei Gruben und in den Verbrennungsöfen koordiniert und überwacht.

Anlage kriminaltechnisch untersucht

«Es war ein riesiges Flammenmeer», sagt Michael Matz. Der 44-Jährige ist an den Bauarbeiten am Kehricht-Heizkraftwerk beteiligt. Es wird derzeit erneuert. Matz steht gestern zur Mittagszeit neben einem Kollegen auf dem kleinen Hügel gegenüber des Heizkraftwerks. «Als es knallte, habe ich dort unten gerade eine Garette geschoben», sagt er und zeigt auf die Stelle, an der jetzt ein Feuerwehrwagen steht. Er habe gesehen, wie einer seiner Kollegen aus den Flammen heraus gerannt sei. «Ich bin so froh, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist», sagt er. «Irgendwann sind alle gerannt», sagt Nico Brügger, der ebenfalls an den Bauarbeiten beteiligt ist. Der Knall sei extrem laut gewesen. Was die Ursache dafür war, ist bisher noch unklar. Gestern Mittag waren bereits einige Mitarbeiter des kriminaltechnischen Diensts der Kantonspolizei vor Ort.

Gemäss den bisherigen Erkenntnissen der Kantonspolizei kam es zu einer Verpuffung in einer der drei Abfallgruben. Dort wird der Kehricht verkleinert. In jeder Grube wird er etwas feiner. Im Anschluss kommt der Abfall in die Verbrennungsöfen. «Man kann sich die Vorgänge in den Gruben so vorstellen, wie wenn Kartoffeln für Rösti mit der Raffel gerieben werden», sagt Polizeisprecher Krüsi.

Schadenshöhe noch unbekannt

Der Betrieb im Kehricht-Heizkraftwerk konnte bereits gestern weiterlaufen, wie die Kantonspolizei mitteilte. Allerdings muss der Abfall aus der A-Region in den kommenden Tagen nach Buchs geliefert werden. Zur A-Region gehören 40 Gemeinden und Bezirke in den Kantonen St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden und Thurgau. Den Sachschaden, der durch die Verpuffung entstanden ist, konnte die Kantonspolizei noch nicht bestimmen.

An den Löscharbeiten waren gestern rund 60 Angehörige der Berufs- und Milizfeuerwehr der Stadt St. Gallen beteiligt. Neben mehreren Patrouillen der Kantons- und Stadtpolizei St. Gallen mit rund 20 Polizisten standen auch ein Notarzt sowie vier Rettungswagen im Einsatz.